Aktuelles

Neues aus der Liederszene

25. 11. 2018

Bewirb Dich für den Förderpreis 2019 der Liederbestenliste

Dota Kehr hat ihn bereits erhalten, Falk, Uta Köbernick – und im vergangenen Jahr Bastian Bandt und u.t.a.: Den Förderpreis der Liederbestenliste. In Zeiten, in denen die Medien Plattformen für junge Liedermacher zunehmend ausdünnen, geht die Liederbestenliste den entgegengesetzten Weg. Jährlich vergibt eine unabhängige Fachjury einen Förderpreis an Nachwuchskünstler, deren engagierte, lustvoll provokante Lieder überzeugen und dem akustischen Mainstream trotzen. Manchem verhalf der Preis bereits zum Durchbruch. Kein Wunder, liest er sich doch nicht nur gut in der Vita, sondern sorgt auch für Öffentlichkeit: mit einem Auftritt beim Liederfest vor großem Publikum im legendären Mainzer unterhaus und in der Folge mit Ausstrahlungen des Konzerts im öffentlichen-rechtlichen Rundfunk. Du bist selbst Liedermacher, aber noch unentdeckt? Du kennst eine Liedermacherin, bei der du dich wunderst, dass sie noch kaum jemand kennt? Dann bewirb dich bei uns – alleine oder mit deiner Band – oder leite diese Ausschreibung weiter an den Musiker deiner Wahl, deines Herzens, deines Geschmacks.

Teilnahmevorrausetzungen?
Du hast bereits ein Repertoire an eigenen Songs, gewisse Bühnenerfahrung und bist auf dem Sprung zur Professionalität.
Bewerbungsunterlagen?
Eine kurze Vita, Livevideo, 3-5 selbst komponierte und getextete Songs oder bereits eine eigene CD.
Einsendeschluss: 20. Februar 2019

Und wohin damit?
Projekt Mensch Management
Barbara Preusler
Mattstückweg 8
CH-4153 Reinach BL
……….
Wolfgang Rumpf
Radio Bremen
Diepelau 10
29185 Bremen
……….
Michael Lohse
WDR 5
Appellhofplatz 1
50667 Köln

Wir freuen uns auf Eure Lieder :-)

25. 9. 2018

Liederfest 2018

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Impressionen vom diesjährigen Liederfest der Liederbestenliste gibt’s auf unserer Facebook-Seite

9. 5. 2018

Preisträger 2018

Die Preisträger der Liederbestenliste stehen fest:
Köster & Hocker bekommen den diesjährigen Liederpreis für den Titel „Wa’sch nit kenne“. Der Förderpreis geht in diesem Jahr an U.T.A. (Uta Holst-Ziegler) und Bastian Bandt. Am 22. September 2018 werden die Preise im Rahmen des Liederfestes der Liederbestenliste im Mainzer unterhaus überreicht.


 

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KÖSTER & HOCKER

Kölsch ohne Karneval – gibt es das eigentlich? Die Antwort lautet: Ja. Denn auch in dieser Stadt ist nicht alles, was mit Brauchtum zu tun hat, Karneval. Daran erinnern unter anderem immer wieder Gerd Köster und Frank Hocker, die seit Ende der 1980er-Jahre kölsches Liedgut jenseits aller Tümelei auf Bühnen und Tonträger bringen. Es entsteht die Band „The Piano has been drinking“, die mit ihren kölschen Tom-Waits-Adaptionen bald zum Kult wird. Eigene neue Stück kommen dazu bis sich die Band 1993 auflöst. Aber Köster und Hocker machen weiter. Zu Peter Millowitschs 85. Geburtstag tragen sie zum ersten Mal ein eigenes Krätzchen vor und hauchen damit der traditionellen Kunstform Kölscher Kneipengesänge neues Leben ein. Dass sie von nun an bei fast allen Kölner Veranstaltungen außerhalb des Karnevals dabei sind, vor allem, wenn es um die Pflege der Mundart und der damit verbundenen Traditionen geht, soll hier noch am Rande erwähnt sein.
Ihr Lied „Wa´sch nit kenne“ hat im letzten Jahr die meisten Punkte der Juroren der Liederbestenliste bekommen. „Was ich nicht kenne, kann ich nicht leiden“ – das beschreibt die unsägliche Ignoranz vieler Zeitgenossen gegenüber allem Fremden und Anderen. Nach oben beten und nach unten treten – das kann doch nicht das Leben sein. Und so bleibt für Köster und Hocker nur der Wunsch, lieber Chef in der Hölle zu sein als im Himmel Lakai. Auf Kölsch versteht sich.
Die Texte von Gerd Köster entstehen aus der Beobachtung der Menschen in seiner Umgebung. Sie sind hochpolitisch, weil er den Menschen nebenan meint und nicht die große verbale Keule mit Allgemeinplätzen schwingt. Sein Silberhochzeitspartner Frank Hocker findet immer den richtigen Ton dazu. Seit mehr als 25 Jahren machen die beiden Freunde zusammen Musik – erfolgreich und stets gut geerdet in der Stadt, in der sie leben.
www.gerd-koester.de


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U.T.A.
„Vitamin D“. Dieses Vitamin, das durch Sonneneinstrahlung auf der Haut gebildet wird, steht programmatisch für die Songs von u.t.a. aus Dortmund, die ebenso sonnig und fröhlich klingen. Die Künstlerin an Gitarre, Ukulele, Sythesizer und Mundharmonika hat ihrem Album auch die chemische Vitamin-D-Formel beigelegt und unterstreicht ihr Anliegen im Titelsong wie folgt: „Vitamin D, bis in den kleinen Zeh, alles wird leichter, unvergleichbar. Vitamin D ist viel besser als Schnee, nichts tut mehr weg, wohin ich geh und steh, ich tank Vitamin D.“ U.t.a. präsentiert mit souliger Stimme starke Songs, mal reggaegefärbt mit Manu Chao-Appeal, mal garniert mit Sythesizer- und Loopsounds, mal federleicht in bester Monty-Python- Tradition swingend wie bei „Wünsch dir was.“ Vitamin D., charmant, vielschichtig und ausgesprochen sonnig – geeignet, so verrät es das Cover, für Leute von 6 bis 99 Jahre.
www.uta-holst-ziegeler.de


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BASTIAN BANDT

Bastian Bandt trifft einen ganz eigenen Ton aus Melancholie und lakonischem Witz. Sein Fingerpicking garniert er mit hintergründigen Pointen. Seine rauhe Stimme krallt sich augenblicklich fest in den Gehörgängen. Bandt singt vom Leben auf dem Land und dem Himmel über Berlin – nicht dem von Wim Wenders: Bastian Bandt schaute von Brandenburg aus auf die Lichter der Großstadt. Denn dort, in Schwedt, ist er 1978 geboren. Heute lebt er in der Uckermark, schreibt Theatermusiken für namhafte Bühnen in ganz Deutschland und macht Lieder, die süchtig machen.
www.bastian-bandt.de

21. 3. 2018

Förderpreis 2018 – Die Nominierten

Für den Förderpreis 2018 nominiert:
Bastian Bandt, Hundling, Lennart Schilgen, Maria Schüritz, U.T.A. und von Eden – es wird spannend!


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BASTIAN BANDT

Bastian Bandt trifft einen ganz eigenen Ton aus Melancholie und lakonischem Witz. Sein Fingerpicking garniert er mit hintergründigen Pointen. Seine rauhe Stimme krallt sich augenblicklich fest in den Gehörgängen. Bandt singt vom Leben auf dem Land und dem Himmel über Berlin – nicht dem von Wim Wenders: Bastian Bandt schaute von Brandenburg aus auf die Lichter der Großstadt. Denn dort, in Schwedt, ist er 1978 geboren. Heute lebt er in der Uckermark, schreibt Theatermusiken für namhafte Bühnen in ganz Deutschland und macht Lieder, die süchtig machen.
www.bastian-bandt.de


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HUNDLING

So kann er auch klingen, der Sound der Heimat: beiläufig, cool und groovend. Phil Höcketstaller, kreativer Kopf der Gruppe „Hundling“, reitet nicht rum auf musikalischer Brauchtumspflege, sondern erzählt Geschichten in schönstem Münchner Idiom. Sie handeln von gescheiterten Träumern, schwarzhumorigen Untergangsvisionen oder schrägen Liebeserklärungen. Und musikalisch durchstreift der wandlungsfähige Bajuware ein Revier, das von Untergiesing bis nach Nashville und Chicago reicht. „Hundling“ ist im Bayrischen eigentlich ein Schimpfwort und heißt so viel wie Gauner oder Schlingel. Bei Höcketstaller wird es zum Ehrentitel – Wortwitz und Bühnenpräsenz sei Dank.
www.hundling.net


Lennart Schilgen, Berlin www.lennartschilgen.de Foto: Jost Schilgen Fotografie www.jost-schilgen.com Nutzung des Fotos für Promotion von Lennart Schilgen honorarfrei.

LENNART SCHILGEN

Schräg und auf den Kopf gestellt sind seine Lieder. Man muss immer wieder schmunzeln und man wartet gespannt, was da noch alles an skurrilen Einfällen kommen wird. Die perfekte musikalische Begleitung auf Klavier oder Gitarre rundet seine Lieder kunstvoll und vielseitig ab. Faszinierend dreht Lennart Schilgen Tragisches ins Komische. Er wendet Wunderbares ins Schräge und Schrille. Seine höchst originellen Texteinfälle kommen melodiös, kräftig und überraschend daher. So auch in seinem Livealbum „Engelszungenbrecher“. Schilgen besingt Alltagsgeschichten, die wir so eher nicht erleben möchten, die aber doch aus dem Leben gegriffen sind. Schilgen ist frech. Und er stellt seine Lieder ohne Mätzchen in den Raum. Er bietet eine wortgewaltige Dichte, der man sich nicht entziehen kann. Welche Wendungen bekommen die jeweiligen Geschichten seiner Lieder? Man darf jederzeit gespannt sein.
www.lennartschilgen.de


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MARIA SCHÜRITZ

Ihre „Lieder aus dem Kopfkino“ sind sorgfältig instrumentierte melancholische Preziosen, getragen von viel Bluesgefühl und der Sehnsucht nach Ruhe und Gelassenheit in einem nervösen Alltagsgetriebe: „Doch wir sitzen hier und schweigen still, während sich alle Filmrollen auf einmal drehen. Wenn du wüsstest, was in meinem Kopfkino geht, Kopfkino geht“ – so beschreibt die Leipzigerin diese Stimmungslage zwischen Fern- und Heimweh, die sie in poetische und mitunter magische Chansons verwandelt. Ein sensibles Album in warmem Sound, bei dem auch mal ein heiterer Walzer dabei sein kann.
www.maria-schueritz.de


uta

U.T.A.
„Vitamin D“. Dieses Vitamin, das durch Sonneneinstrahlung auf der Haut gebildet wird, steht programmatisch für die Songs von u.t.a. aus Dortmund, die ebenso sonnig und fröhlich klingen. Die Künstlerin an Gitarre, Ukulele, Sythesizer und Mundharmonika hat ihrem Album auch die chemische Vitamin-D-Formel beigelegt und unterstreicht ihr Anliegen im Titelsong wie folgt: „Vitamin D, bis in den kleinen Zeh, alles wird leichter, unvergleichbar. Vitamin D ist viel besser als Schnee, nichts tut mehr weg, wohin ich geh und steh, ich tank Vitamin D.“ U.t.a. präsentiert mit souliger Stimme starke Songs, mal reggaegefärbt mit Manu Chao-Appeal, mal garniert mit Sythesizer- und Loopsounds, mal federleicht in bester Monty-Python- Tradition swingend wie bei „Wünsch dir was.“ Vitamin D., charmant, vielschichtig und ausgesprochen sonnig – geeignet, so verrät es das Cover, für Leute von 6 bis 99 Jahre.
www.uta-holst-ziegeler.de


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VON EDEN

Die Musiker „von Eden“ sind ein starkes Team. Zwar kamen die musikalischen Freunde eher durch Zufall zusammen, zufällig klingt ihre Musik aber gar nicht. Indiepop, Folk, Liedermacherei, Sehnsucht, Power und gutes Handwerk sind die Markenzeichen. „Von Eden“, das sind Frontmann und Texter Christoph Letkowski, sowie Philipp Rohmer, Nicolai Ziel und Matthias Preisinger. Letkowski beobachtet sein Umfeld sehr genau. Er textet über Befindlichkeiten des Alltags. Inhaltlich geht es um Gier, Akzeptanz, Freundschaft, Sehnsucht – und um das ganz normale Leben in seinen bunten Wahrnehmungen. „Von Eden“ ist eine Liveband aus vollster Überzeugung. So besticht auch ihr Debütalbum „Wir sind hier“ durch seinen eigenen Stil mit Wiedererkennungswert. Es verzichtet auf künstliche Schnörkel, ist nicht gefällig und überzeugt trotzdem mit eingängigen Beats. „Von Eden“ bringt frischen, musikalischen Wind und verdient, gehört zu werden.
www.bandvoneden.de

23. 12. 2017

Alles wandelt sich, nichts vergeht.

Ende des Jahres scheiden Silke Aydin, Peter Eichler, Mike Kamp, Michael Kleff und Steffen Koldziej aus der Jury der Liederbestenliste aus, da sich ihr Lebens- bzw. Arbeitsschwerpunkt verändert hat. Wir möchten den Jury-Mitgliedern für ihre langjährige Mitarbeit danken und wünschen ihnen alles Gute für ihre persönliche Zukunft. Gleichzeitig möchten wir Thekla Jahn und Alfred Hallauer in der Jury begrüßen, die uns ab 2018 unterstützen werden.

Die Liederbestenliste wünscht allen Liedinteressierten und Liedschaffenden geruhsame Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr. Wir bedanken uns für das Interesse und freuen uns schon auf viele interessante Lieder in 2018.

23. 11. 2017

Der Mann, der eine Idee mit Folgen hatte – Thomas Vogel gestorben

Völlig überraschend starb Thomas Vogel am 20. Oktober. Der Name des studierten Theologen, Romanisten und Philosophen ist untrennbar mit der Geschichte der Liederbestenliste verbunden. Schon früh hatte er Interesse am „Lied“. Das war es auch, das Thomas Vogel, der in Heidelberg auch Kunstgeschichte studiert hatte, mit einer Arbeit über das Französische Chanson der Gegenwart promovieren ließ. 1983 hatte der SWR-Redakteur dann eine Idee: Er wollte eine Hitparade für das deutschsprachige Lied ins Leben rufen – abseits der Zwänge des Marktes. Das war die Geburtsstunde der Liederbestenliste, der Thomas Vogel bis Ende 2003 als Juror angehörte. Vor 32 Jahren wurde dann der erste Liederpreis an Wolf Biermann vergeben. „Der Deserteur“ bekam 1984 die meisten Stimmen der Jury.

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums äußerte sich Thomas Vogel 2009 gegenüber dem Folker zur Situation des deutschsprachigen Liedes und zur Rolle der Liederbestenliste.

Was war der Anlass für die Gründung der Liederbestenliste vor 25 Jahren?

Es gab Anfang der Achtzigerjahre eine wunderbare, vielversprechende deutsche Liedermacherszene, allein: Sie hatte in den öffentlich-rechtlichen Medien keine Fürsprecher, fand dort kein Gehör, fiel bei den vorgestrigen „Kästchendenkern“ zwischen E und U zwischendurch. Also wollte ich – als frischgebackener Redakteur mit Liedermachervergangenheit – dieser Gattung, die es ja in Deutschland durchaus schon einmal gegeben hat, dann aber durch die Nazizeit fast gänzlich zerstört wurde, einen eigenen Programmplatz geben.

Wie würden Sie rückblickend den Zustand der deutschsprachigen Musikszene beschreiben – in Bezug auf Texte, Musik und Kreativität?

Da war plötzlich eine wunderbar kreative Musikszene entstanden, die sich aus verschiedenen Quellen bediente. Eine Liederwelt, die sich aus ehemaligen Burg-Waldeck-Barden, Deutschrockern, Literaten und Neue-deutsche-Welle-Adepten zusammensetzte. Von preußisch-Brecht’scher Strenge über französische Eleganz bis hin zu kölscher oder schwäbischer Mundart und Wiener Schmäh war alles vertreten.

Welche Rolle hat die Liederbestenliste für die weitere Entwicklung dieser Szene gespielt?

Schwer zu sagen. Ich denke, dass es den jeweiligen Künstlern schon geholfen hat, dass es ein bisschen öffentliche Beachtung brachte. But it’s a long road …

Warum hat die Liederbestenliste nie den Status der SWR-Literaturbestenliste erreichen können?

Was ich schon über die Radios sagte: Auch das deutsche Besserwessi-Feuilleton mit seiner näselnden Arroganz hatte Probleme mit der Einordnung: „Isses nu Literatur oder Musik oder was? Weder Fisch noch Fleisch, also kein Bedarf.“

In einem Informationsfaltblatt des SWF bzw. SWR hieß es vor einigen Jahren: „Die Liederbestenliste bietet jenen deutschsprachigen Musiktiteln eine Plattform, die es innerhalb eines nur auf Unterhaltung, Kommerz und Massengeschmack orientierten Musikmarktes schwer haben, wahrgenommen zu werden.“ Diese Aussage beinhaltet ja indirekt auch eine Kritik an den Medien. Hat sich die Wahrnehmung der deutschsprachigen Szene Ihrer Meinung nach hier verbessert oder verschlechtert?

Insgesamt hat sie sich verbessert. Dennoch: Die Kritik an den Medien ist berechtigt, zielt aber zu kurz. Es ist auch ein Versagen der Politik, die mit ihrer föderalistischen Zersplitterung zu keiner gesamtdeutschen Kulturpolitik findet. Aber: Auch wenn diese Musik immer noch nicht zum Mainstreamrepertoire der Radios gehört, so werden deutschsprachige Musiker mit ihren Konzerten doch heute mehr wahrgenommen als früher. Komische Welt: Nur höchst selten mal ein Titel von Reinhard Mey im Radio, wenn er aber über seinen kranken Sohn bei Beckmann im Fernsehen redet, ist das ein Thema, das die Nation bewegt. „The times they are a-changin’ …“ Und die Medien sind Gott sei Dank auch nicht das, was sie noch nie waren. Es gibt zum Glück Parallelwelten, Internet, Konzerte und Festivals.

Die heutige deutschsprachige Szene „klingt“ anders als 1984. Es scheint auch eine generationsbedingte Teilung der Szene zu geben. „Deftig rockendes ‚Liedermaching‘ statt politisches Liedermachergeflüster im Stil der Sechziger und Siebziger …“, wie es Sylvia Systermans in einem Beitrag im Folker über die Monsters of Liedermaching formulierte. Sehen Sie eine solche Polarisierung?

Polarisierung ist nicht das Wort. Die deutsche Musikszene ist insgesamt reicher und vielseitiger geworden. Die Übergänge sind fließender als je zuvor, und langsam nehmen wir Abschied vom buchhalterischen Kategorisieren. Schon vor dreißig Jahren habe ich neidvoll auf die französische Musikszene geschaut: Da treten in ein- und derselben Fernsehsendung literarische Chansonsänger neben Hip-Hoppern oder einem trällernden Püppchen auf. Das hat was. Weil der französische Normalverbraucher eben auch so ist, mal ein Glas „rouge ordinaire“, dann mal ein edler Tropfen …

Die Mitglieder der Jury sind in ihrer Mehrheit fast doppelt so alt wie die meisten Interpreten, die sie bewerten. Sehen Sie darin ein Problem? Versuche einer Verjüngung sind bislang daran gescheitert, dass keine entsprechenden an der Sache interessierten Kolleginnen und Kollegen gefunden wurden. Woran könnte das Ihrer Meinung nach liegen?

Vielleicht sollte man inzwischen offener sein für die gesamte deutschsprachige Musikszene, ohne dabei die Qualitätskriterien aufzugeben. Denn das Problem ist nicht neu, schon vor 25 Jahren stritt man sich, was denn nun zur Liederszene gehört und was nicht. Wo die Grenzen verlaufen, war nie eindeutig. Vielleicht sollte man da einen Schritt weiterkommen, entweder eine konsequente, sehr strickte Trennung von Liedermacherlied und dem Rest der Welt oder doch wohl besser: Die Jury wählt aus den gesamten deutschsprachigen Musikneuerscheinungen aus, da gehören dann Rockmusik und Hip-Hop ebenso dazu wie das politische oder literarische Chanson oder sogar – wenn’s denn qualitativ zu vertreten ist – auch mal ein Schlager oder sonst was.

Der Rolling Stone führt mit Bayer zum hundertsten Geburtstag von Aspirin einen Songwettbewerb durch. Die Unterhaltungselektronikfirma Atari kürt mit Universal Music den ersten „Deutschland-singt-online“-Star. Wenn Musik reduziert wird auf die Verkaufsquote, die man sich durch die Wahl seiner Partner verspricht – welche Rolle kann eine Einrichtung wie die Liederbestenliste dann überhaupt noch spielen, deren Jurymitglieder ihre Hitparade auf der Grundlage einer schlichten Frage erstellen: Welchem Lied wünsche ich möglichst viele Hörerinnen und Hörer?

Im musikalisch völlig überschwemmten und kommerzialisierten Markt soll die Liederbestenliste den Blick eben auf etwas lenken, was einem sonst vielleicht gar nicht zu Gehör gekommen wäre. Die Liederbestenliste als Spürnase und Vorkoster und verlässlicher Garant für Qualität.

Sie waren bis Ende 2003 Mitglied der Jury. Auch danach haben Sie weiter verfolgt, was sich in der deutschsprachigen Szene tut. Was beobachten Sie, oder besser gesagt, was hören Sie?

Die Liederbestenliste natürlich. Und nach wie vor querbeet. Und gezielt einzelne Lieder der letzten dreißig Jahre, die zu Klassikern geworden sind. Und ich freue mich außerdem über eine gewachsene Souveränität und Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Sprache, der Musik und dem Gesang.

Wollen Sie der Jury einen Rat für die nächsten 25 Jahre der Liederbestenliste geben?

Siehe oben. Außerdem natürlich: Unbeirrt weitermachen, nach dem Motto: „Da müssen wir durch!“ Beharrlichkeit zahlt sich allemal aus. Bin mal gespannt, wer von den heutigen Künstlern in 25 Jahren noch auf der Liste erscheint!

(Die Fragen stellte Michael Kleff)

 

Im Folker-Heft 1/2018 erscheint der folgende Nachruf auf Thomas Vogel von einem Liederbestenliste-Juror der ersten Stunde, von Tom Schroeder:

„Auf dem Innenumschlag seiner ersten, 1976 veröffentlichten LP (Lieder des Thomas Vogel) sieht man ihn auf drei Fotos jeweils im Duett mit Personen, die sein Leben und sein Werk entscheidend mitgeprägt haben: Thomas und Leonard Cohen, der Melancholiker und Minimalist; Thomas und Georges Moustaki, der politisch engagierte Poet mit dem langen Atem; Thomas und Herbert Marcuse, einer der philosophischen Väter der internationalen undogmatischen Linken, antiautoritär und/oder hedonistisch. Marcuses persönliche Widmung heißt: ‚Für Thomas Vogel, den Sänger, dessen Beruf immer wichtiger wird.‘ Je weniger Thomas Vogel selbst als Liedermacher in Erscheinung trat, desto einflussreicher wurde er als Tübinger SWF/SWR-Redakteur, als Autor, Moderator, Veranstalter – und als Erfinder der bis heute lebendigen Liederbestenliste.

Nicht erst seit seinem SWR-Finale 2008 arbeitete der emsige Dr. Vogel auch als Honorarprofessor für Rhetorik an der Tübinger Universität und als Herausgeber zahlreicher Bücher. Er schrieb sechs Romane – alle erschienen im Tübinger Verlag Klöpfer & Meyer. Wie sein Freund, der Verleger Hubert Klöpfer, in einer großen Trauerrede festgehalten hat, war Thomas u. a.: ein Charmeur, ein guter Gastgeber und guter Koch. Genießer, Gärtner, Intensivleser, Filmliebhaber. Dazu ein Familienmensch, ein Kümmerer, ein Sorger. Und ein mediterraner Mensch, wie der Humanist und Existentialist Albert Camus. Hubert Klöpfer wörtlich: ‚Albert Camus, der Sisyphosversteher, war einer seiner Hausheiligen – und ja, man darf sich, glaub ich, auch Thomas (wie Sisyphos) als geglückten und glücklichen Menschen vorstellen.‘

Am Schluss der Trauerfeier gab es viel Applaus – für den Redner, vor allem aber für den Verstorbenen.“

21. 10. 2017

Förderpreisträger für 2018, wir suchen Dich!

Bist Du Liedermacherin oder Liedermacher? Tourst Du bereits mit einer Band oder produzierst gerade eine CD. Du kannst Dein Handwerk, bist aber erst am Anfang oder Neubeginn mit Deiner/Eurer Musik? Du bist voll engagiert mit Deinen Texten und hast etwas zu Zeit zu sagen?

Auch wenn Du nicht selbst Lieder schreibst und interpretierst, hast Du die Möglichkeit uns einen Vorschlag bzw. eine Künstlerin/Künstler/ Band vorstellen. Die Liederbestenliste fördert Lieder/Songs, bzw. bietet eine Plattform für junge Liedschaffende.

Der Preis wird jährlich anlässlich des Liederfestes der Liederbestenliste von einer ausgewählten, unabhängigen Fachjury vergeben. 2017 durfte bereits Tobias Thiele diesen begehrten Preis erhalten. Du bekommst mehr Öffentlichkeit und einen Auftritt im bekannten Mainzer „unterhaus“. Dein Auftritt/Konzert wird professionell aufgenommen im öffentlichen-rechtlichen Rundfunk ausgestrahlt. Ein Sprungbrett für mehr.

Was sind die Voraussetzungen?

Ein Repertoire an eigenen Songs

Eine gewisse Bühnenerfahrung/ Professionalität Deiner Texte/Musik

Deutschsprachige Lieder, dazu gehören Dialekte, Mundart, Jiddisch

Ein Bewerbungsschreiben & Vita/ Foto (wenn vorhanden Webseite/ fb u. s. w. angeben)

3-5 selbst komponierte & getextete Songs

Wenn vorhanden CD / Link zum Livevideo

Einsendeschluss 20. Februar 2018 (Poststempel gilt)

Wohin?

Projekt Mensch Management

Barbara Preusler

Hauptstrasse 1, CH- 4153 Reinach B/L

Wolfgang Rumpf

Nordwestradio

Diepenau 10, D-28195 Bremen

Michael Lohse

WDR 5

Appelhofplatz 1, D-50667 Köln

 

Wir wünschen Dir viel Erfolg und freuen uns auf Deine/Eure Lieder

Bis bald

Dein Team der Jury des Förderpreis der Liederbestenliste    

 

Bisherige FörderpreisträgerInnen waren: Rosen & Gomorrha (2004), Weiherer (2005),

Kitty Hoff (2006), Strom & Wasser (2007), Dota Kehr (2008), Johanna Zeul (2009),

Felix Meyer (2010), Uta Köbernick (2011), Caro Kiste Kontrabass (2012), Maike Rosa Vogel (2013),

Christoph Theussl (2014), Falk (2015), Nadine Maria Schmidt (2016), Tobias Thiele (2017).

 

19. 10. 2017

Konzert-Aufzeichnung des Liederfestes am 1.11. im WDR

Am 1. November um 20.05 Uhr sendet WDR5 das Liederfest der Liederbestenliste mit Bodo Wartke, Tobias Thiele und Wolfgang Rieck.
Weitere Informationen in der Programmbeschreibung des WDR: HIER.

27. 4. 2017

Liederfest 2017 im Mainzer unterhaus

Am 23. September um 20 Uhr wird im Mainzer unterhaus beim alljährlichen Liederfest der diesjährige Liederpreis der Liederbestenliste vergeben. Damit wird der Künstler ausgezeichnet, dessen Song im Laufe eines Jahres innerhalb von maximal sieben Monatswertungen die meisten Punkte auf sich vereinen konnte. In diesem Jahr geht der Preis an Wolfgang Rieck für sein Lied „Vergessene Helden“ vom Album „Der singende Mann“ .

Daneben wird alljährlich ein Förderpreis vergeben. Dieser geht 2017 an Tobias Thiele. Die Förderpreis-Jury schreibt dazu in ihrer Begründung: „Im erfrischenden Sound des Albums gibt sich Thiele experimentierfreudig: Mal begleitet der Musikwissenschaftler, der nebenbei Kindern in einem Berliner Jugendzentrum das Gitarre spielen beibringt, seine warme Stimme nur mit feinsinniger akustischer Gitarre, auf der anderen Seite greift er virtuos und spielerisch ins Computer- und Elektroniklabor und geht mit rhythmisch vertrackten Drums- und Hip-Hop-Zitaten in Richtung Deutsch-Pop. […] Ein überzeugendes Debut!“

Als Gast haben wir Bodo Wartke eingeladen. In seinen aktuellen Liedern zeigt er sich meist nachdenklich mit einem präzisen Blick auf das menschliche Miteinander: im Lied „Nicht in meinem Namen“  wehrt er sich gegen jede menschenverachtende Auslegung von Religion. Beim Liederfest wird Wartke Ausschnitte aus seinem fünften Solo-Programm vorstellen. Das trägt den Titel: „Was, wenn doch?“ Ob er eine Antwort auf diese Frage wirklich hören will, lässt der Poet offen. Er wird uns die nachdenkliche Seite des Clowns zeigen, aber auch Lachen machen.

Wir freuen uns auf einen unterhaltsamen Abend und laden Sie herzlich dazu ein! Tickets über: http://www.unterhaus-mainz.de/ver03/Karten/Karten.php

15. 3. 2017

Förderpreis 2017 geht an Tobias Thiele

Das Album „Unerhört“.

Als ausgesprochen talentiert und vielstimmig zeigt sich der junge Berliner Liedermacher Tobias Thiele auf seinem Album „Unerhört“. Schon im Titelsong zeigt sich die Doppelbödigkeit seiner Texte, denn ‚unerhört‘ meint hier nicht
‚skandalös‘ oder ‚unverschämt‘, sondern ‚vergessen‘: „All die ungesungenen Lieder bleiben unerhört … all die totgesagten Dichter bleiben unerhört….“ Auch in den anderen Liedern zeigt sich Tobias Thiele als aufmerksamer Beobachter seiner Zeit, der eine eigene originelle Sprache vorweisen kann. Er thematisiert Umweltschutz, Medien, Prostitution, Heimatlosigkeit – auch ein Lovesong („Viele Meilen“) darf mal dabei sein. Im Song „Heimat“ reflektiert Thiele seinen eigenen Grenzgang zwischen deutscher Liedermachertradition und seiner Hinwendung zur Musik Südamerikas, vor allem Chiles, der er auch zwei Songs („Entre los mundos“ und „Cuando me fui“) widmet. Einige Latin-geprägten Intros seiner deutschen Lieder („Straßenrand“) nehmen darauf Bezug.

Im erfrischenden Sound des Albums gibt sich Thiele experimentierfreudig: Mal begleitet der Musikwissenschaftler, der nebenbei Kindern in einem Berliner Jugendzentrum das Gitarre spielen beibringt, seine warme Stimme nur mit feinsinniger akustischer Gitarre, auf der anderen Seite greift er virtuos und spielerisch ins Computer- und Elektroniklabor und geht mit rhythmisch vertrackten Drums- und Hip-Hop-Zitaten in Richtung Deutsch-Pop. „Sofort, sofort“ erinnert an Peter Fox‘ charmanten Understatement-Hit „Haus am See“ und hat Ohrwurmqualitäten: Bei Thiele entsteht ein lässiger Gute-Laune-Müßiggang-Song mit einem skandierenden Frauenchor im Hintergrund. Als habe Tobias Thiele seine eindeutige Rolle zwischen klassischem Liedermacher und modernem Deutsch-Pop Singer/Songwriter noch nicht final definiert, finden sich die vom Arrangement her überraschenden Pop-Tracks gegen Ende des Albums: „Tausend Worte“ (mit einem ironischen Honky Tonk Piano), „Erinnern“, „Die Zeit“ und eben „Sofort, sofort“. Ein überzeugendes Debut!

Als Mitglied der Förderpreis-Jury: Wolfgang Rumpf

Liederbestenliste
im Radio

Sendungen rund um Liedermacher

 

WDR 5 – sonntags, 21.05 Uhr:
Liederlounge


ByteFM – sonntags (alle 4 Wochen), 23.00 Uhr:
Folker-Mixtape (nächste Sendung am 9. Dezember)


CMSRADIO FM 91.1 – montags, 18.00 Uhr | dienstags 20.00 Uhr:
auf http://cmsradio.org.au


Freies Radio Kassel – dienstags, 20.00 Uhr. Wiederholung mittwochs, 12.00 Uhr:
Liederleute – Das Magazin für Musik und Politik  (lokal auf 105,8 MHz bzw. regional (Nordhessen, Nordrhein-Westfalen, Süd-Niedersachsen & Thüringen) auf DAB+ sowie als Live-Stream auf www.freies-radio.org)


rockradio.de – letzter Freitag des Monats, 14.00 Uhr:
auf UKW Berlin 91,0 im Raum Berlin und www.rockradio.radio.de. Wiederholung jeweils am darauf folgenden Montag, 12 Uhr auf rockradio.de


SR 3 Saarlandwelle – donnerstags, 20.04 Uhr:
Lieder und Chansons


WDR 5 – freitags, 22.05 Uhr:
U 22 – Unterhaltung nach 10


Deutschlandfunk – erster Samstag des Monats, 1.05 Uhr:
Radionacht Lied & Chanson