Aktuelles

Neues aus der Liederszene

15. 3. 2017

Förderpreis 2017 geht an Tobias Thiele

Das Album „Unerhört“.

Als ausgesprochen talentiert und vielstimmig zeigt sich der junge Berliner Liedermacher Tobias Thiele auf seinem Album „Unerhört“. Schon im Titelsong zeigt sich die Doppelbödigkeit seiner Texte, denn ‚unerhört‘ meint hier nicht
‚skandalös‘ oder ‚unverschämt‘, sondern ‚vergessen‘: „All die ungesungenen Lieder bleiben unerhört … all die totgesagten Dichter bleiben unerhört….“ Auch in den anderen Liedern zeigt sich Tobias Thiele als aufmerksamer Beobachter seiner Zeit, der eine eigene originelle Sprache vorweisen kann. Er thematisiert Umweltschutz, Medien, Prostitution, Heimatlosigkeit – auch ein Lovesong („Viele Meilen“) darf mal dabei sein. Im Song „Heimat“ reflektiert Thiele seinen eigenen Grenzgang zwischen deutscher Liedermachertradition und seiner Hinwendung zur Musik Südamerikas, vor allem Chiles, der er auch zwei Songs („Entre los mundos“ und „Cuando me fui“) widmet. Einige Latin-geprägten Intros seiner deutschen Lieder („Straßenrand“) nehmen darauf Bezug.

Im erfrischenden Sound des Albums gibt sich Thiele experimentierfreudig: Mal begleitet der Musikwissenschaftler, der nebenbei Kindern in einem Berliner Jugendzentrum das Gitarre spielen beibringt, seine warme Stimme nur mit feinsinniger akustischer Gitarre, auf der anderen Seite greift er virtuos und spielerisch ins Computer- und Elektroniklabor und geht mit rhythmisch vertrackten Drums- und Hip-Hop-Zitaten in Richtung Deutsch-Pop. „Sofort, sofort“ erinnert an Peter Fox‘ charmanten Understatement-Hit „Haus am See“ und hat Ohrwurmqualitäten: Bei Thiele entsteht ein lässiger Gute-Laune-Müßiggang-Song mit einem skandierenden Frauenchor im Hintergrund. Als habe Tobias Thiele seine eindeutige Rolle zwischen klassischem Liedermacher und modernem Deutsch-Pop Singer/Songwriter noch nicht final definiert, finden sich die vom Arrangement her überraschenden Pop-Tracks gegen Ende des Albums: „Tausend Worte“ (mit einem ironischen Honky Tonk Piano), „Erinnern“, „Die Zeit“ und eben „Sofort, sofort“. Ein überzeugendes Debut!

Als Mitglied der Förderpreis-Jury: Wolfgang Rumpf

1. 3. 2017

Liederpreis 2017 geht an Wolfgang Rieck

Der diesjährige Liederpreisträger der Liederbestenliste ist Wolfgang Rieck. Sein Lied „Vergessene Helden“ konnte im Zeitraum von August 2016 bis Februar 2017 sieben Mal einen Rang in den Top Ten der Liederbestenliste belegen, darunter fünf Mal Platz 1. Der Preis wird dem Rostocker Liedermacher am 23. September 2017 im Rahmen des Liederfestes im Mainzer unterhaus verliehen.

4. 2. 2017

Die Nominierten für den Förderpreis der Liederbestenliste 2017

Die Förderpreis-Jury der Liederbestenliste hat fünf Künstler für den Förderpreis 2017 nominiert. Der Förderpreisträger wird im März bekanntgegeben. Wir stellen Ihnen die Nominierten in kurzen Beiträgen an dieser Stelle vor:

 

Manouz-Fotograf nicht benannt

Erik Manouz: Album „Tausend und einen Menschen“

Dass sich die Liedermacherszene inzwischen auch gerne weltoffen zeigt, beweist auch Erik Manouz mit seinem Mix aus Swing, Reggae und Sixties-Souljazz. Mit starker Personality präsentiert er seine neuen Songs, die er mit hymnischen Refrains und originellen Arrangements auszustatten weiß. Die stilistische Bandbreite überzeugt: Gypsyswing und Folk („Königskinder“) stehen neben Reggae („Lass mich ein Lied schreiben“) oder Souljazz aus den 1960ern im Stil von Little Stevie Wonder oder Marvin Gaye bei „liebevoll und frei“. Auch ein auf Englisch gesungener Popsong ist dabei („talk, talk“), der Verbindungen zur britischen Singer/Songwriterszene, zu Glen Hansard oder Luka Bloom, aufweist. Überzeugend und glaubwürdig.
www.manouz.de

 

Loosfit-Foto Regina Weisskopf
Loosefit
(Foto: Regina Weisskopf)

Loose fit – das ist ein Modeschnitt bei Jeans, der nicht so eng anliegt – locker und lässig eben. Googelt man „Loosefit“ zusammen geschrieben, landet man bei einem Chanson-Duo aus Berlin, das gerade ein ebenso erfrischendes wie berührendes Debütalbum vorgelegt hat. Zwei Frauen singen über die Hochs und Tiefs der Liebe, auch und besonders der zwischen Frauen, über Datingportale im Internet oder über die perfide Gleichzeitigkeit des Lebens, bei der man selbst gerade gut drauf ist, während andere leiden. Sie tun das ehrlich und ohne moralischen Zeigefinger. Ihre Lieder atmen das Lebensgefühl der Großstadt. Der Ton changiert zwischen selbstironischer Lässigkeit und resignativer Wehmut. Die beiden bieten klassisches Chanson in zeitgemäßem Sound: ohne überladene Arrangements, aber mit treffsicheren Zutaten vom Drum-Computer über die Melodica bis zur Klarinette. Das wichtigste Pfund aber ist die Stimme von Caspar Gutsche, rauchig und herzerwärmend zugleich. Ihre tiefen Frequenzen erzeugen Gänsehaut. Dazu die eleganten und eingängigen Kompositionen von Pianistin Carolin Roelcke. Da passt alles – wie bei gutsitzenden Jeans eben.
Aktuelles Album: „gerne wieder“ 2016
www.loosefit.berlin

 

Pyro-Fotograf nicht benannt

PYRO (Daniel Kern) geb. 16. Nov. 1981 in Basel

„Härz uf dr Zunge“ – daran hält sich Pyro in seinen Liedern mit gut gerappten Texten und Geschichten aus dem Alltag. Scheinwelten verblassen und zerbröseln. Pyro bejammert nicht den Weltschmerz und er bedient nicht das Klischee des Gangster Rap. Seine Texte haben einen eigenen Stil und bauen sich dynamisch auf mit Wortwitz und „heartbeat“. Musikalische Einflüsse unterschiedlichster Genres treffen auf Rap, Hip Hop. Jazz, Rock, Klassik – solo oder mit Orchester. Pyro ist mitreissend, berührend und hart. Dabei schafft er es, junges und reiferes Publikum zu vereinen. Seine Texte in baseldeutscher Mundart sind meist sozialkritisch und autobiografisch. Er kommt sympathisch und authentisch rüber. In der „Tageswoche“ meinte Pyro, dass er mit „Proll Rap“ wenig anfangen könne: „Diese dekadente
Selbstverherrlichung finde ich peinlich. Wer Gefühle zeigt, gilt schnell als Pussy. Da sage ich: Na und? Es wäre interessant und befreiend, wenn mehr Querdenker, mehr Frauen oder Lesben und Schwule in der Szene aktiv wären. Es braucht wieder mehr Paradiesvögel statt monotone Stereotypen“. Recht hat er. Empfehlenswert.
Alben: „Hoffnigsfungge“, „Schatteboxe“
www.pyrobasel.ch

 

sonix-Fotograf nicht benannt

Sonix klingt nach irgendwas mit Multimedia, cool und hochmodern. Dabei liebt es die Schweizer Liedermacherin, die eigentlich Sonja Wanninger heißt, eher klassisch: Mit ihrer dunklen, warmen Stimme singt sie von Dingen, die bleiben und solchen, die vergehen. Oder sie reflektiert poetisch über die Jahreszeiten. Den Zeitströmungen immer größerer Flüchtigkeit und Geschwindigkeit setzt sie die Kraft der Kontemplation entgegen mit einer Musik, die die Sinne öffnen will. Stilistisch bewegt sich die aus Wien stammende Sängerin, die auch ausgebildete Schauspielerin ist, dabei virtuos zwischen Blues, Funk und Swing. Ihre Texte wirken auch deshalb so authentisch, weil sie gern Autobiografisches einfließen lässt. Ihre Situation als Mutter verarbeitet sie in dem Song „Alleinerziehend“ und in „Keine Flagge für niemand“ beschäftigt sie sich mit ihren multikulturellen, familiären Wurzeln. Der Song trifft den Nerv einer Zeit, in der Nationalisten wieder Oberwasser bekommen, und klingt dabei doch wohltuend unangestrengt. Eine Vitaminspritze für die Liedermacherszene!
Alben: „Man weiß von nichts“, „Dinge die ändern“
www.sonix.ch

 

Tobias Thiele-Fotograf unbenannt

Tobias Thiele: Album „Unerhört“.

Als ausgesprochen talentiert und vielstimmig zeigt sich der junge Berliner Liedermacher Tobias Thiele auf seinem neuen Album „Unerhört“. Auf der einen Seite präsentiert der Musikwissenschaftler, der nebenbei Kindern im Jugendzentrum das Gitarrespielen beibringt, lyrisch-poetische Songs mit griffigen Texten in bester Liedermachertradition (wie den Titelsong „Unerhört“), auf der anderen Seite greift er virtuos und spielerisch ins Soul- und Eletroniklabor und geht in Richtung Deutsch-Pop. „Sofort, sofort“ erinnert an Peter Fox‘ „Haus am See“ und hat Ohrwurmqualitäten, Charme und Witz, ebenso die überraschenden Tracks gegen Ende des Albums wie „Am Straßenrand“, „Erinnern“ und „Die Zeit“. Weiterer Pluspunkt: Die Verbindung zur populären Musik Chiles.
www.tobias-thiele.com

 

 

29. 1. 2017

Liederfest 2017

Am 23. September 2017 wird wieder der Liederpreis der Liederbestenliste vergeben und dazu ein Nachwuchspreis. Wer diese beiden Preisträger sein werden, wissen wir noch nicht. Was wir aber wissen und was uns freut: Der Gast beim Fest steht schon fest. Mit dem Lied „Nicht in meinem Namen“, in dem er sich gegen jede menschenverachtende Auslegung von Religion wehrt, ist er derzeit unter den TOP20 der Liederbestenliste: Bodo Wartke. In seinen aktuellen Liedern zeigt er sich meist nachdenklich mit einem präzisen Blick auf das menschliche Miteinander.
Wartke, der 1996 sein erstes abendfüllendes Bühnenprogramm herausbrachte, hatte zunächst die klassische Form des Klavierhumoristen weiterentwickelt, er ist ein Meister des Reims und des perfekten Klavierspiels. Grandios sind seine Auftritte mit dem Capital Dance Orchestra, einem großen Swing-Ensemble, das seinen Liedern einen opulenten Sound verpasst. Mit diesen Musikern war er letztes Jahr auch beim großen Liedermacher-Open-Air auf Kloster Banz in Franken, den Songs an einem Sommerabend, die er bis 2011 sechs Jahre selbst moderierte.
Im unterhaus in Mainz, wo das Liederfest dieses Jahr wieder stattfindet, wird der Kleinkunstpreisträger des Jahres 2004 Ausschnitte aus seinem fünften Solo-Programm vorstellen. Das trägt den Titel: „Was, wenn doch?“ Ob er eine Antwort auf diese Frage wirklich hören will, lässt der Poet Wartke offen. Er wird uns die nachdenkliche Seite des Clowns zeigen, aber auch Lachen machen.

28. 12. 2016

Unser Jury-Mitglied Matthias Bardong ist verstorben

Unser Jury-Mitglied Matthias Bardong ist völlig überraschend am Wochenende vor Weihnachten gestorben. Matthias war ein sehr engagierter Journalist und Musiker, ein Mensch voller Lust am Leben. Ich habe ihn bereits beim Südwestfunk in Mainz kennengelernt als einen Mann voller sprühender Ideen. Wir haben damals öfter zusammengesessen und über neue Projekte nachgedacht. Ich bin dann zuerst nach Köln gegangen, unsere Wege haben sich verloren, ohne dass wir uns jemals voneinander verabschiedet hätten. Etwa so wie es Reinhard Mey in seinem Lied „Komm gieß mein Glas noch einmal ein“ beschreibt. Und dann gab es eine neue Sendung beim WDR „Chansons und Liederliches“. Die hat Matthias von Anfang an (mit der Redakteurin Gabi Lang) gestaltet. Er kannte sich aus in der Szene, war neugierig auf alles Neue. Da kamen wir dann auch wieder regelmäßig ins Gespräch miteinander und haben das eine oder andere Steak verzehrt und die eine oder andere Zigarre genossen, natürlich eine Cohiba, darunter ging es nicht. Die Burg Waldeck im Hunsrück hat Matthias engagiert und er hat die Betreuung der Pfingstfestivals dort übernommen. Mit wenig Budget und vielen Ideen hat er dieser Veranstaltungsreihe ein zeitgemäßes Profil verpasst. Und ich meine hiermit nicht oberflächliche Modernismen. Matthias fühlte sich in erster Linie der Kunst und den Künstlern verbunden. Mit Black hat er zudem einen musikalischen Partner gefunden, den er an dessen Abenden begleiten durfte. Ich glaube, er war eher Partner als einfach nur Begleiter, denn auch hier brachte er viele eigene Impulse ein. In der Liederbestenliste war er erst kurze Zeit als Juror. Da wollten wir demnächst mal über dieses und das reden… Ich nehme mir jetzt heraus im Namen aller, die an der Liederbestenliste arbeiten, zu sagen: Lieber Matthias, wir vermissen Dich.

Hans Jacobshagen

Nachruf beim WDR

Traueranzeige Matthias Bardong

27. 10. 2016

Die Liederbestenliste sucht: Den Förderpreisträger 2017

Dota Kehr hat ihn bereits erhalten, Falk, Uta Köbernick – und im vergangenen Jahr Nadine Maria Schmidt: Den Förderpreis der Liederbestenliste. In Zeiten, in denen die Medien Plattformen für junge Liedermacher zunehmend ausdünnen, geht die Liederbestenliste den entgegengesetzten Weg. Jährlich vergibt eine unabhängige Fachjury einen Förderpreis an Nachwuchskünstler, deren engagierte, lustvoll provokante Lieder überzeugen und dem akustischen Mainstream trotzen. Manchem verhalf der Preis bereits zum Durchbruch. Kein Wunder, liest er sich doch nicht nur gut in einer jungen Künstlervita. Der Förderpreis der Liederbestenliste sorgt auch für Öffentlichkeit: mit einem Auftritt beim Liederfest vor großem Publikum im legendären Mainzer unterhaus und in der Folge mit Ausstrahlungen des Konzerts im öffentlichen-rechtlichen Rundfunk.

Du bist selbst Liedermacher, aber noch unentdeckt? Du kennst eine Liedermacherin, bei der du dich wunderst, dass sie noch kaum jemand kennt? Dann bewirb dich bei uns – alleine oder mit deiner Band – oder leite diese Ausschreibung weiter an den Musiker deiner Wahl, deines Herzens, deines Geschmacks.

Teilnahmevoraussetzungen? Du hast bereits ein Repertoire an eigenen Songs, gewisse Bühnenerfahrung und bist auf dem Sprung zur Professionalität. Bewerbungsunterlagen? Eine kurze Vita, 3-5 selbst komponierte und getextete Songs oder bereits eine eigene CD.

Und wohin damit?

Projekt Mensch Management
Barbara Preusler
Hauptstrasse 1
4153 Reinach B/L

Wolfgang Rumpf
Nordwestradio
Diepenau 10
28195 Bremen

Michael Lohse
WDR 5
Appellhofplatz 1
50667 Köln

Einsendeschluss: 31. Dezember 2016

21. 9. 2016

Liederfest 2016 / Neuwahl Vorstand

Das diesjährige Liederfest der Liederbestenliste im ausverkauften Mainzer unterhaus eröffnete Förderpreisträgerin Nadine Maria Schmidt musikalisch mit ihrem engagierten Lied „Aluna – Meine Mutter war ein Flüchtling“. Sie begleitete sich während ihres Auftritts selbst auf Ukulele oder Gitarre und präsentierte den Zuhörern die verschiedenen Facetten ihrer Stimme: zwischen leisem Erzählen und durchdringendem Mahnen. Das Glück darüber, in Frieden leben zu können, fand dann in ihrem letzten Lied Ausdruck. Glücklich zeigte sich Nadine Maria Schmidt auch über das eigens für und über sie angefertigte Portrait des Künstlers Jürgen B. Wolff, der in jedem Jahr ein Portrait des Förder- und Liederpreisträgers anfertigt, in dem sich auch die musikalischen Charaktere des jeweiligen Preisträgers wiederfinden.

Am Anschluss an die Förderpreisträgerin trat der Liederpreisträger Manfred Maurenbrecher auf. Sein Lied „Kiewer Runde“ konnte im Jahr 2015 die meisten Jury-Wertungspunkte auf sich vereinen. Aller guten Dinge sind drei: Manfred Maurenbrecher bekam auch schon in den Jahren 2010 und 1998 den Liederpreis. Natürlich war „Kiewer Runde“ Teil seines beeindruckenden Auftritts: Manfred Maurenbrecher holte alles aus dem Flügel heraus und „haute“ in die Tasten! Das Publikum dankte es ihm mit tosendem Applaus. Ein Klassiker wie „Das alte Fahrrad“ fehlte natürlich auch nicht, und nach der Zugabe ging es dann erstmal für alle in eine kurze Pause.

Im zweiten Teil begeisterten Konstantin Wecker und Jo Barnikel am Flügel. Lieder, Geschichten und Gedichte in unverkennbarer Wecker-Manier: Wut und Zärtlichkeit eben. Auch Wecker bekam schon mehrfach den Liederpreis der Liederbestenliste und an den Wänden des Mainzer unterhauses hängen Fotos, die von früheren Auftritten dort erzählen. Mit Jo Barnikel als Pianist das perfekte musikalische Team, wollten die Zuhörer die zwei am liebsten gar nicht mehr gehen lassen. Nach vielen Zugaben und einem Lied zur guten Nacht endete schließlich das Liederfest 2016.

Die Jury der Liederbestenliste und die Mitglieder des „Deutschsprachige Musik e.V.“ kamen am Sonntag dann zur Mitgliederversammlung zusammen. Am Ende des fünfstündigen konstruktiven Austauschs stand auch eine veränderte Vorstandszusammensetzung. Michael Zachcial als weiterhin Vorsitzender wird nun von Silke Aydin als stellvertretender Vorsitzenden unterstützt. Dieter Kindl ist weiterhin der Schatzmeister, Hans Jacobshagen und Michael Laages bilden die Beisitzer.

20. 9. 2016

Radio-Interview mit Nadine Maria Schmidt und Manfred Maurenbrecher

Petra Schwarz hatte im Rahmen des Liederfestes im Mainzer unterhaus die Gelegenheit, ein Gespräch mit Förderpreisträgerin Nadine Maria Schmidt und Liederpreisträger Manfred Maurenbrecher zu führen. Am Freitag, dem 30.09. wird es zwischen 12 und 13 Uhr auf rockradio.de (bzw. UKW88vier im Berliner Raum) gesendet!

Weitere Informationen: HIER.

Weitere Sendungen, die über das Liederfest berichten: HIER.

17. 9. 2016

Liederpreis der Liederbestenliste 2016: Manfred Maurenbrecher – Kiewer Runde

Laudatio von Michael Kleff auf Manfred Maurenbrecher und sein Lied „Kiewer Runde“, das den Liederpreis der Liederbestenliste 2016: erhält, gehalten am 17. September 2016 im Mainzer Unterhaus.

(es gilt das gesprochene Wort!)

Liebes Publikum, liebe Mitwirkende, liebe Jury – und natürlich lieber Manfred! Ich will mich nicht lange bei Deinem künstlerischen Lebenslauf aufhalten. Doch so viel sei gesagt und dabei – ich bitte um Entschuldigung – wechsle ich zwischen dem Du und der dritten Person einfach einmal hin und her.

Manfred Maurenbrecher. Der Sänger und Pianist ist Liedautor nicht nur in eigener Sache. Sondern auch unter anderem für Ulla Meinecke, Katja Ebstein, Spliff, Herman van Veen, Renan Demirkan und Veronika Fischer. Als Autor arbeitet er auch beim Theater, beim Fernsehen und als Rundfunkmoderator. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass der gebürtige Berliner promovierter Philologe ist. Auch die Liste der Ehrungen ist lang. Dazu gehören unter anderem der Deutsche Kleinkunstpreis, der Deutsche Kabarettpreis und der Preis der Deutschen Schallplattenkritik.

In vielen Artikeln über Manfred Maurenbrecher leider meist unerwähnt ist die Tatsache, dass er mit heute bereits drei Mal den Liederpreis der Liederbestenliste bekommen hat. 2010 war es das Lied „Hoffnung für alle“, das von der Jury ausgezeichnet wurde. Und 1998 wurde er für den Titel „Wessi“ geehrt. Ich durfte damals die Laudatio halten. U. a. habe ich vor nunmehr achtzehn Jahren gesagt: „Maurenbrecher tritt nicht, wie so viele andere, mit erhobenem Zeigefinger auf, sondern … als Chronist, als Beobachter.“ Und weiter im Zusammenhang mit den in „Wessi“ beschriebenen Eindrücken, Zitat „Wer Maurenbrechers Reiseeindrücke … gelesen hat, erfährt mehr über die deutsch-deutschen Befindlichkeiten als jede Politikereinschätzung oder jeder Zeitungskommentar uns mitteilen kann. Man muss nur bereit sein, ohne vorgefasste Meinung mit offenen Augen hinzuschauen und mit offenen Ohren hinzuhören.“ Eine bessere Brücke zu dem Lied, für das Du heute ausgezeichnet wirst, könnte es gar nicht geben.

Auch das Siegerlied „Kiewer Runde“ ist das Ergebnis einer Reise – dieses Mal in die Ukraine. Gleichzeit steht es für eine Erkenntnis, die Du als ständiger Chronist und Beobachter
offensichtlich gewonnen und wie folgt in einem Interview beschrieben hast – Zitat: „Angesichts dessen, was in der Welt geschieht, ist es mir einfach nicht möglich, nur poetische Texte zu schreiben. Es ist mir mehr als nur ein Anliegen, politische Themen zu verarbeiten, aber was ich nicht schätze, sind Aufforderungslieder, die vielleicht sogar zum Mitsingen gedacht sind.“ Was für ein Lied ist die „Kiewer Runde“ also nun?

Wie Franz-Josef Degenhardt in seinem Titel „Cafe nach dem Fall“ aus dem Jahr 2000 hat Maurenbrecher ein Lokal gewählt, das als Ort der Handlung seiner Protagonisten dient. Degenhardt wirft mit vielen Beteiligten eine Art kritischen historischen Rückblick auf deutsche Politik-, Geistes- und Musikgeschichte. Bei Maurenbrecher sind es nur drei Personen, mit deren Hilfe es ihm gelingt, wie mit einem imaginären Brennglas anhand eines aktuellen politischen Konflikts – dem um die Ukraine und die Krim – zentrale Probleme unserer Gesellschaft offenzulegen.

„Ich bediene die Massen, die brauchen einen massentauglichen Bericht.
Ein irres Feindbild macht sich gut.
Nach Wahrheit suchen, bringt nur böses Blut“

Denken Sie bei diesen Zeilen nicht auch an die umstrittene Berichterstattung in unseren Medien? Oder an die Politik, wenn es bei Maurenbrecher einerseits heißt:

„Wir regieren hier die Massen, und die brauchen eine massentaugliche Politik, …
die woll´n ja eigentlich immer nur ihr primitives privates Glück.“

Und eine dritte Stimme sagt:

„Wir zaubern Massen von Moskau her, wir ha´m den dazu passenden Traum,
die weiten breiten Massen woll´n immer gut beschäftigt sein, sonst beherrscht man sie ja kaum.“

Gnadenlos rechnet Maurenbrecher mit der Propaganda aller Beteiligten ab. Denn weder Medien noch Politiker haben uns, der Öffentlichkeit gegenüber, die eigentlich wichtigen Fragen nach den Ursachen für die dramatische Eskalation der politischen Spannungen in der Ukraine gestellt. Wie zum Beispiel:

Welche Rolle spielte dabei die EU, welche Interessen verfolgte sie insbesondere mit ihrem Assoziierungsabkommen? In welcher Weise wurden grundlegende und legitime wirtschaftliche, politische und kulturelle Interessen Russlands verletzt? Welchen Anteil hatte die Europäische Union, neben den Akteuren aus den USA, am umgesetzten Szenario auf dem Maidan und dem daraus resultierenden Putsch gegen eine legitime Regierung? Warum konnte die russische Regierung die Proteste in der Ukraine für ihre Politik gegen Intellektuelle und gegen die Opposition im Land so einfach ausnutzen?

Es mag nach Selbstironie klingen, aber auf mich wirkt es sehr ernst, wenn Maurenbrecher am Ende dann letztendlich den Finger auch auf uns zeigt, wenn er sagt:

„Ich sing für Massen, und brauch natürlich ein massentaugliches Lied.“ Heißt für mich, wir müssen auch unseren Beitrag leisten, dass Medien und Politik uns nicht weiter für dumm verkaufen, sondern die Wahrheit sagen.

Genial ist nicht nur Maurenbrechers Fähigkeit, Kurzgeschichten in Lieder zu fassen – wofür die „Kiewer Runde“ Zeugnis ablegt. Sondern auch seine Kompositionstechnik. Auf dem Album „Rotes Tuch“ schaffen Andreas Albrecht, Marco Kärgel und Tobias Fleischer einen Klangteppich, der perfekt zu Maurenbrechers rauer Stimme und seinem Tastenspiel passt. Doch da seine Songs meist am Klavier entstehen, kann er sie auch bei Konzerten problemlos solo spielen. Davon werden wir uns alle gleich beim Liederfest hier im Mainzer unterhaus überzeugen können.

Manfred Maurenbrecher ist einer der wenigen Künstler der Liedermacherzunft, bei denen politische Inhalte nicht Attitüde sind, sondern Haltung. Und Haltung gehört auch dazu, sich in diesen Zeiten zu einer angeblich antiquierten Kunstform zu bekennen. Zitat: „Die CD ist eine sterbende Kunstform – es mag viele überfordern, sich eine gute Stunde lang Musik mit Text in einem Rutsch anzuhören –, aber ich finde, diese Überforderung ist nichts Schlimmes. Sondern toll.“

In diesem Sinne, lieber Manfred, herzlichen Glückwunsch zum Liederpreis 2016 der Liederbestenliste!

29. 7. 2016

Liederfest 2016 im Mainzer unterhaus: Jetzt Konzertkarten sichern!

Am 17. September um 20 Uhr wird im Mainzer unterhaus beim alljährlichen Liederfest der diesjährige Liederpreis der Liederbestenliste vergeben. Damit wird der Künstler ausgezeichnet, dessen Song im Laufe eines Jahres innerhalb von maximal sieben Monatswertungen die meisten Punkte auf sich vereinen konnte.

In diesem Jahr geht der Preis an Manfred Maurenbrecher. Sein Lied „Kiewer Runde“ vom Album „Rotes Tuch“ hielt sich monatelang auf den vordersten Plätzen der Liederwertung.

Daneben wird alljährlich ein Förderpreis vergeben. Dieser geht 2016 an Nadine Maria Schmidt. Die Förderpreis-Jury schreibt dazu in ihrer Begründung: „Ihre Geschichten handeln vom Miteinander, vom verloren Sein, von Abschieden und Verlusten. Zu lachen gibt es in ihren Liedern wenig, dafür umso mehr nachzudenken. […]So wie sie ihre Lieder singt nimmt man ihr ab, sie könnte jede einzelne Geschichte erlebt haben. Ihre CD „Lieder aus Herbst“ ist ein Paradebeispiel für naturnahe Bilder. Soviel Kastanien, Äpfel, Sonne und Mond, goldgelber Wein und Oktoberlaub fanden sich vorher wohl kaum auf einer CD.“

Als Gast haben wir Konstantin Wecker eingeladen. Er wird gemeinsam mit Jo Barnikel auftreten. Wecker ist auch regelmäßig in der Liederbestenliste vertreten und war vor vier Jahren auch der Liederpreisträger. Er setzt sich in besonderem Maße für die Förderung junger Liedermacher ein.

Wir freuen uns auf einen unterhaltsamen Abend und laden Sie herzlich dazu ein! Tickets über: http://www.unterhaus-mainz.de/ver03/Karten/Karten.php

 

Liederbestenliste
im Radio

Sendungen rund um Liedermacher

    • WDR 5, sonntags, 21:05 Uhr, Liederlounge
    • Freies Radio Kassel, dienstags, 20:00 Uhr, Liederleute
    • WDR 4, dienstags, 21:05 Uhr, Chansons- und Liederliches
    • WDR 5, freitags, 22:05 Uhr, U 22 – Unterhaltung nach 10
    • rockradio.de, letzter Freitag des Monats, 14:00 Uhr  auf UKW Berlin 91,0 im Raum Berlin und www.rockradio.radio.de
      Wiederholung jeweils am darauffolgenden Montag, 12 Uhr auf www.rockradio.radio.de