Aktuelles

Neues aus der Liederszene

23. 11. 2017

Der Mann, der eine Idee mit Folgen hatte – Thomas Vogel gestorben

Völlig überraschend starb Thomas Vogel am 20. Oktober. Der Name des studierten Theologen, Romanisten und Philosophen ist untrennbar mit der Geschichte der Liederbestenliste verbunden. Schon früh hatte er Interesse am „Lied“. Das war es auch, das Thomas Vogel, der in Heidelberg auch Kunstgeschichte studiert hatte, mit einer Arbeit über das Französische Chanson der Gegenwart promovieren ließ. 1983 hatte der SWR-Redakteur dann eine Idee: Er wollte eine Hitparade für das deutschsprachige Lied ins Leben rufen – abseits der Zwänge des Marktes. Das war die Geburtsstunde der Liederbestenliste, der Thomas Vogel bis Ende 2003 als Juror angehörte. Vor 32 Jahren wurde dann der erste Liederpreis an Wolf Biermann vergeben. „Der Deserteur“ bekam 1984 die meisten Stimmen der Jury.

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums äußerte sich Thomas Vogel 2009 gegenüber dem Folker zur Situation des deutschsprachigen Liedes und zur Rolle der Liederbestenliste.

Was war der Anlass für die Gründung der Liederbestenliste vor 25 Jahren?

Es gab Anfang der Achtzigerjahre eine wunderbare, vielversprechende deutsche Liedermacherszene, allein: Sie hatte in den öffentlich-rechtlichen Medien keine Fürsprecher, fand dort kein Gehör, fiel bei den vorgestrigen „Kästchendenkern“ zwischen E und U zwischendurch. Also wollte ich – als frischgebackener Redakteur mit Liedermachervergangenheit – dieser Gattung, die es ja in Deutschland durchaus schon einmal gegeben hat, dann aber durch die Nazizeit fast gänzlich zerstört wurde, einen eigenen Programmplatz geben.

Wie würden Sie rückblickend den Zustand der deutschsprachigen Musikszene beschreiben – in Bezug auf Texte, Musik und Kreativität?

Da war plötzlich eine wunderbar kreative Musikszene entstanden, die sich aus verschiedenen Quellen bediente. Eine Liederwelt, die sich aus ehemaligen Burg-Waldeck-Barden, Deutschrockern, Literaten und Neue-deutsche-Welle-Adepten zusammensetzte. Von preußisch-Brecht’scher Strenge über französische Eleganz bis hin zu kölscher oder schwäbischer Mundart und Wiener Schmäh war alles vertreten.

Welche Rolle hat die Liederbestenliste für die weitere Entwicklung dieser Szene gespielt?

Schwer zu sagen. Ich denke, dass es den jeweiligen Künstlern schon geholfen hat, dass es ein bisschen öffentliche Beachtung brachte. But it’s a long road …

Warum hat die Liederbestenliste nie den Status der SWR-Literaturbestenliste erreichen können?

Was ich schon über die Radios sagte: Auch das deutsche Besserwessi-Feuilleton mit seiner näselnden Arroganz hatte Probleme mit der Einordnung: „Isses nu Literatur oder Musik oder was? Weder Fisch noch Fleisch, also kein Bedarf.“

In einem Informationsfaltblatt des SWF bzw. SWR hieß es vor einigen Jahren: „Die Liederbestenliste bietet jenen deutschsprachigen Musiktiteln eine Plattform, die es innerhalb eines nur auf Unterhaltung, Kommerz und Massengeschmack orientierten Musikmarktes schwer haben, wahrgenommen zu werden.“ Diese Aussage beinhaltet ja indirekt auch eine Kritik an den Medien. Hat sich die Wahrnehmung der deutschsprachigen Szene Ihrer Meinung nach hier verbessert oder verschlechtert?

Insgesamt hat sie sich verbessert. Dennoch: Die Kritik an den Medien ist berechtigt, zielt aber zu kurz. Es ist auch ein Versagen der Politik, die mit ihrer föderalistischen Zersplitterung zu keiner gesamtdeutschen Kulturpolitik findet. Aber: Auch wenn diese Musik immer noch nicht zum Mainstreamrepertoire der Radios gehört, so werden deutschsprachige Musiker mit ihren Konzerten doch heute mehr wahrgenommen als früher. Komische Welt: Nur höchst selten mal ein Titel von Reinhard Mey im Radio, wenn er aber über seinen kranken Sohn bei Beckmann im Fernsehen redet, ist das ein Thema, das die Nation bewegt. „The times they are a-changin’ …“ Und die Medien sind Gott sei Dank auch nicht das, was sie noch nie waren. Es gibt zum Glück Parallelwelten, Internet, Konzerte und Festivals.

Die heutige deutschsprachige Szene „klingt“ anders als 1984. Es scheint auch eine generationsbedingte Teilung der Szene zu geben. „Deftig rockendes ‚Liedermaching‘ statt politisches Liedermachergeflüster im Stil der Sechziger und Siebziger …“, wie es Sylvia Systermans in einem Beitrag im Folker über die Monsters of Liedermaching formulierte. Sehen Sie eine solche Polarisierung?

Polarisierung ist nicht das Wort. Die deutsche Musikszene ist insgesamt reicher und vielseitiger geworden. Die Übergänge sind fließender als je zuvor, und langsam nehmen wir Abschied vom buchhalterischen Kategorisieren. Schon vor dreißig Jahren habe ich neidvoll auf die französische Musikszene geschaut: Da treten in ein- und derselben Fernsehsendung literarische Chansonsänger neben Hip-Hoppern oder einem trällernden Püppchen auf. Das hat was. Weil der französische Normalverbraucher eben auch so ist, mal ein Glas „rouge ordinaire“, dann mal ein edler Tropfen …

Die Mitglieder der Jury sind in ihrer Mehrheit fast doppelt so alt wie die meisten Interpreten, die sie bewerten. Sehen Sie darin ein Problem? Versuche einer Verjüngung sind bislang daran gescheitert, dass keine entsprechenden an der Sache interessierten Kolleginnen und Kollegen gefunden wurden. Woran könnte das Ihrer Meinung nach liegen?

Vielleicht sollte man inzwischen offener sein für die gesamte deutschsprachige Musikszene, ohne dabei die Qualitätskriterien aufzugeben. Denn das Problem ist nicht neu, schon vor 25 Jahren stritt man sich, was denn nun zur Liederszene gehört und was nicht. Wo die Grenzen verlaufen, war nie eindeutig. Vielleicht sollte man da einen Schritt weiterkommen, entweder eine konsequente, sehr strickte Trennung von Liedermacherlied und dem Rest der Welt oder doch wohl besser: Die Jury wählt aus den gesamten deutschsprachigen Musikneuerscheinungen aus, da gehören dann Rockmusik und Hip-Hop ebenso dazu wie das politische oder literarische Chanson oder sogar – wenn’s denn qualitativ zu vertreten ist – auch mal ein Schlager oder sonst was.

Der Rolling Stone führt mit Bayer zum hundertsten Geburtstag von Aspirin einen Songwettbewerb durch. Die Unterhaltungselektronikfirma Atari kürt mit Universal Music den ersten „Deutschland-singt-online“-Star. Wenn Musik reduziert wird auf die Verkaufsquote, die man sich durch die Wahl seiner Partner verspricht – welche Rolle kann eine Einrichtung wie die Liederbestenliste dann überhaupt noch spielen, deren Jurymitglieder ihre Hitparade auf der Grundlage einer schlichten Frage erstellen: Welchem Lied wünsche ich möglichst viele Hörerinnen und Hörer?

Im musikalisch völlig überschwemmten und kommerzialisierten Markt soll die Liederbestenliste den Blick eben auf etwas lenken, was einem sonst vielleicht gar nicht zu Gehör gekommen wäre. Die Liederbestenliste als Spürnase und Vorkoster und verlässlicher Garant für Qualität.

Sie waren bis Ende 2003 Mitglied der Jury. Auch danach haben Sie weiter verfolgt, was sich in der deutschsprachigen Szene tut. Was beobachten Sie, oder besser gesagt, was hören Sie?

Die Liederbestenliste natürlich. Und nach wie vor querbeet. Und gezielt einzelne Lieder der letzten dreißig Jahre, die zu Klassikern geworden sind. Und ich freue mich außerdem über eine gewachsene Souveränität und Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Sprache, der Musik und dem Gesang.

Wollen Sie der Jury einen Rat für die nächsten 25 Jahre der Liederbestenliste geben?

Siehe oben. Außerdem natürlich: Unbeirrt weitermachen, nach dem Motto: „Da müssen wir durch!“ Beharrlichkeit zahlt sich allemal aus. Bin mal gespannt, wer von den heutigen Künstlern in 25 Jahren noch auf der Liste erscheint!

(Die Fragen stellte Michael Kleff)

 

Im Folker-Heft 1/2018 erscheint der folgende Nachruf auf Thomas Vogel von einem Liederbestenliste-Juror der ersten Stunde, von Tom Schroeder:

„Auf dem Innenumschlag seiner ersten, 1976 veröffentlichten LP (Lieder des Thomas Vogel) sieht man ihn auf drei Fotos jeweils im Duett mit Personen, die sein Leben und sein Werk entscheidend mitgeprägt haben: Thomas und Leonard Cohen, der Melancholiker und Minimalist; Thomas und Georges Moustaki, der politisch engagierte Poet mit dem langen Atem; Thomas und Herbert Marcuse, einer der philosophischen Väter der internationalen undogmatischen Linken, antiautoritär und/oder hedonistisch. Marcuses persönliche Widmung heißt: ‚Für Thomas Vogel, den Sänger, dessen Beruf immer wichtiger wird.‘ Je weniger Thomas Vogel selbst als Liedermacher in Erscheinung trat, desto einflussreicher wurde er als Tübinger SWF/SWR-Redakteur, als Autor, Moderator, Veranstalter – und als Erfinder der bis heute lebendigen Liederbestenliste.

Nicht erst seit seinem SWR-Finale 2008 arbeitete der emsige Dr. Vogel auch als Honorarprofessor für Rhetorik an der Tübinger Universität und als Herausgeber zahlreicher Bücher. Er schrieb sechs Romane – alle erschienen im Tübinger Verlag Klöpfer & Meyer. Wie sein Freund, der Verleger Hubert Klöpfer, in einer großen Trauerrede festgehalten hat, war Thomas u. a.: ein Charmeur, ein guter Gastgeber und guter Koch. Genießer, Gärtner, Intensivleser, Filmliebhaber. Dazu ein Familienmensch, ein Kümmerer, ein Sorger. Und ein mediterraner Mensch, wie der Humanist und Existentialist Albert Camus. Hubert Klöpfer wörtlich: ‚Albert Camus, der Sisyphosversteher, war einer seiner Hausheiligen – und ja, man darf sich, glaub ich, auch Thomas (wie Sisyphos) als geglückten und glücklichen Menschen vorstellen.‘

Am Schluss der Trauerfeier gab es viel Applaus – für den Redner, vor allem aber für den Verstorbenen.“

21. 10. 2017

Förderpreisträger für 2018, wir suchen Dich!

Bist Du Liedermacherin oder Liedermacher? Tourst Du bereits mit einer Band oder produzierst gerade eine CD. Du kannst Dein Handwerk, bist aber erst am Anfang oder Neubeginn mit Deiner/Eurer Musik? Du bist voll engagiert mit Deinen Texten und hast etwas zu Zeit zu sagen?

Auch wenn Du nicht selbst Lieder schreibst und interpretierst, hast Du die Möglichkeit uns einen Vorschlag bzw. eine Künstlerin/Künstler/ Band vorstellen. Die Liederbestenliste fördert Lieder/Songs, bzw. bietet eine Plattform für junge Liedschaffende.

Der Preis wird jährlich anlässlich des Liederfestes der Liederbestenliste von einer ausgewählten, unabhängigen Fachjury vergeben. 2017 durfte bereits Tobias Thiele diesen begehrten Preis erhalten. Du bekommst mehr Öffentlichkeit und einen Auftritt im bekannten Mainzer „unterhaus“. Dein Auftritt/Konzert wird professionell aufgenommen im öffentlichen-rechtlichen Rundfunk ausgestrahlt. Ein Sprungbrett für mehr.

Was sind die Voraussetzungen?

Ein Repertoire an eigenen Songs

Eine gewisse Bühnenerfahrung/ Professionalität Deiner Texte/Musik

Deutschsprachige Lieder, dazu gehören Dialekte, Mundart, Jiddisch

Ein Bewerbungsschreiben & Vita/ Foto (wenn vorhanden Webseite/ fb u. s. w. angeben)

3-5 selbst komponierte & getextete Songs

Wenn vorhanden CD / Link zum Livevideo

Einsendeschluss 20. Februar 2018 (Poststempel gilt)

Wohin?

Projekt Mensch Management

Barbara Preusler

Hauptstrasse 1, CH- 4153 Reinach B/L

Wolfgang Rumpf

Nordwestradio

Diepenau 10, D-28195 Bremen

Michael Lohse

WDR 5

Appelhofplatz 1, D-50667 Köln

 

Wir wünschen Dir viel Erfolg und freuen uns auf Deine/Eure Lieder

Bis bald

Dein Team der Jury des Förderpreis der Liederbestenliste    

 

Bisherige FörderpreisträgerInnen waren: Rosen & Gomorrha (2004), Weiherer (2005),

Kitty Hoff (2006), Strom & Wasser (2007), Dota Kehr (2008), Johanna Zeul (2009),

Felix Meyer (2010), Uta Köbernick (2011), Caro Kiste Kontrabass (2012), Maike Rosa Vogel (2013),

Christoph Theussl (2014), Falk (2015), Nadine Maria Schmidt (2016), Tobias Thiele (2017).

 

19. 10. 2017

Konzert-Aufzeichnung des Liederfestes am 1.11. im WDR

Am 1. November um 20.05 Uhr sendet WDR5 das Liederfest der Liederbestenliste mit Bodo Wartke, Tobias Thiele und Wolfgang Rieck.
Weitere Informationen in der Programmbeschreibung des WDR: HIER.

27. 4. 2017

Liederfest 2017 im Mainzer unterhaus

Am 23. September um 20 Uhr wird im Mainzer unterhaus beim alljährlichen Liederfest der diesjährige Liederpreis der Liederbestenliste vergeben. Damit wird der Künstler ausgezeichnet, dessen Song im Laufe eines Jahres innerhalb von maximal sieben Monatswertungen die meisten Punkte auf sich vereinen konnte. In diesem Jahr geht der Preis an Wolfgang Rieck für sein Lied „Vergessene Helden“ vom Album „Der singende Mann“ .

Daneben wird alljährlich ein Förderpreis vergeben. Dieser geht 2017 an Tobias Thiele. Die Förderpreis-Jury schreibt dazu in ihrer Begründung: „Im erfrischenden Sound des Albums gibt sich Thiele experimentierfreudig: Mal begleitet der Musikwissenschaftler, der nebenbei Kindern in einem Berliner Jugendzentrum das Gitarre spielen beibringt, seine warme Stimme nur mit feinsinniger akustischer Gitarre, auf der anderen Seite greift er virtuos und spielerisch ins Computer- und Elektroniklabor und geht mit rhythmisch vertrackten Drums- und Hip-Hop-Zitaten in Richtung Deutsch-Pop. […] Ein überzeugendes Debut!“

Als Gast haben wir Bodo Wartke eingeladen. In seinen aktuellen Liedern zeigt er sich meist nachdenklich mit einem präzisen Blick auf das menschliche Miteinander: im Lied „Nicht in meinem Namen“  wehrt er sich gegen jede menschenverachtende Auslegung von Religion. Beim Liederfest wird Wartke Ausschnitte aus seinem fünften Solo-Programm vorstellen. Das trägt den Titel: „Was, wenn doch?“ Ob er eine Antwort auf diese Frage wirklich hören will, lässt der Poet offen. Er wird uns die nachdenkliche Seite des Clowns zeigen, aber auch Lachen machen.

Wir freuen uns auf einen unterhaltsamen Abend und laden Sie herzlich dazu ein! Tickets über: http://www.unterhaus-mainz.de/ver03/Karten/Karten.php

15. 3. 2017

Förderpreis 2017 geht an Tobias Thiele

Das Album „Unerhört“.

Als ausgesprochen talentiert und vielstimmig zeigt sich der junge Berliner Liedermacher Tobias Thiele auf seinem Album „Unerhört“. Schon im Titelsong zeigt sich die Doppelbödigkeit seiner Texte, denn ‚unerhört‘ meint hier nicht
‚skandalös‘ oder ‚unverschämt‘, sondern ‚vergessen‘: „All die ungesungenen Lieder bleiben unerhört … all die totgesagten Dichter bleiben unerhört….“ Auch in den anderen Liedern zeigt sich Tobias Thiele als aufmerksamer Beobachter seiner Zeit, der eine eigene originelle Sprache vorweisen kann. Er thematisiert Umweltschutz, Medien, Prostitution, Heimatlosigkeit – auch ein Lovesong („Viele Meilen“) darf mal dabei sein. Im Song „Heimat“ reflektiert Thiele seinen eigenen Grenzgang zwischen deutscher Liedermachertradition und seiner Hinwendung zur Musik Südamerikas, vor allem Chiles, der er auch zwei Songs („Entre los mundos“ und „Cuando me fui“) widmet. Einige Latin-geprägten Intros seiner deutschen Lieder („Straßenrand“) nehmen darauf Bezug.

Im erfrischenden Sound des Albums gibt sich Thiele experimentierfreudig: Mal begleitet der Musikwissenschaftler, der nebenbei Kindern in einem Berliner Jugendzentrum das Gitarre spielen beibringt, seine warme Stimme nur mit feinsinniger akustischer Gitarre, auf der anderen Seite greift er virtuos und spielerisch ins Computer- und Elektroniklabor und geht mit rhythmisch vertrackten Drums- und Hip-Hop-Zitaten in Richtung Deutsch-Pop. „Sofort, sofort“ erinnert an Peter Fox‘ charmanten Understatement-Hit „Haus am See“ und hat Ohrwurmqualitäten: Bei Thiele entsteht ein lässiger Gute-Laune-Müßiggang-Song mit einem skandierenden Frauenchor im Hintergrund. Als habe Tobias Thiele seine eindeutige Rolle zwischen klassischem Liedermacher und modernem Deutsch-Pop Singer/Songwriter noch nicht final definiert, finden sich die vom Arrangement her überraschenden Pop-Tracks gegen Ende des Albums: „Tausend Worte“ (mit einem ironischen Honky Tonk Piano), „Erinnern“, „Die Zeit“ und eben „Sofort, sofort“. Ein überzeugendes Debut!

Als Mitglied der Förderpreis-Jury: Wolfgang Rumpf

1. 3. 2017

Liederpreis 2017 geht an Wolfgang Rieck

Der diesjährige Liederpreisträger der Liederbestenliste ist Wolfgang Rieck. Sein Lied „Vergessene Helden“ konnte im Zeitraum von August 2016 bis Februar 2017 sieben Mal einen Rang in den Top Ten der Liederbestenliste belegen, darunter fünf Mal Platz 1. Der Preis wird dem Rostocker Liedermacher am 23. September 2017 im Rahmen des Liederfestes im Mainzer unterhaus verliehen.

4. 2. 2017

Die Nominierten für den Förderpreis der Liederbestenliste 2017

Die Förderpreis-Jury der Liederbestenliste hat fünf Künstler für den Förderpreis 2017 nominiert. Der Förderpreisträger wird im März bekanntgegeben. Wir stellen Ihnen die Nominierten in kurzen Beiträgen an dieser Stelle vor:

 

Manouz-Fotograf nicht benannt

Erik Manouz: Album „Tausend und einen Menschen“

Dass sich die Liedermacherszene inzwischen auch gerne weltoffen zeigt, beweist auch Erik Manouz mit seinem Mix aus Swing, Reggae und Sixties-Souljazz. Mit starker Personality präsentiert er seine neuen Songs, die er mit hymnischen Refrains und originellen Arrangements auszustatten weiß. Die stilistische Bandbreite überzeugt: Gypsyswing und Folk („Königskinder“) stehen neben Reggae („Lass mich ein Lied schreiben“) oder Souljazz aus den 1960ern im Stil von Little Stevie Wonder oder Marvin Gaye bei „liebevoll und frei“. Auch ein auf Englisch gesungener Popsong ist dabei („talk, talk“), der Verbindungen zur britischen Singer/Songwriterszene, zu Glen Hansard oder Luka Bloom, aufweist. Überzeugend und glaubwürdig.
www.manouz.de

 

Loosfit-Foto Regina Weisskopf
Loosefit
(Foto: Regina Weisskopf)

Loose fit – das ist ein Modeschnitt bei Jeans, der nicht so eng anliegt – locker und lässig eben. Googelt man „Loosefit“ zusammen geschrieben, landet man bei einem Chanson-Duo aus Berlin, das gerade ein ebenso erfrischendes wie berührendes Debütalbum vorgelegt hat. Zwei Frauen singen über die Hochs und Tiefs der Liebe, auch und besonders der zwischen Frauen, über Datingportale im Internet oder über die perfide Gleichzeitigkeit des Lebens, bei der man selbst gerade gut drauf ist, während andere leiden. Sie tun das ehrlich und ohne moralischen Zeigefinger. Ihre Lieder atmen das Lebensgefühl der Großstadt. Der Ton changiert zwischen selbstironischer Lässigkeit und resignativer Wehmut. Die beiden bieten klassisches Chanson in zeitgemäßem Sound: ohne überladene Arrangements, aber mit treffsicheren Zutaten vom Drum-Computer über die Melodica bis zur Klarinette. Das wichtigste Pfund aber ist die Stimme von Caspar Gutsche, rauchig und herzerwärmend zugleich. Ihre tiefen Frequenzen erzeugen Gänsehaut. Dazu die eleganten und eingängigen Kompositionen von Pianistin Carolin Roelcke. Da passt alles – wie bei gutsitzenden Jeans eben.
Aktuelles Album: „gerne wieder“ 2016
www.loosefit.berlin

 

Pyro-Fotograf nicht benannt

PYRO (Daniel Kern) geb. 16. Nov. 1981 in Basel

„Härz uf dr Zunge“ – daran hält sich Pyro in seinen Liedern mit gut gerappten Texten und Geschichten aus dem Alltag. Scheinwelten verblassen und zerbröseln. Pyro bejammert nicht den Weltschmerz und er bedient nicht das Klischee des Gangster Rap. Seine Texte haben einen eigenen Stil und bauen sich dynamisch auf mit Wortwitz und „heartbeat“. Musikalische Einflüsse unterschiedlichster Genres treffen auf Rap, Hip Hop. Jazz, Rock, Klassik – solo oder mit Orchester. Pyro ist mitreissend, berührend und hart. Dabei schafft er es, junges und reiferes Publikum zu vereinen. Seine Texte in baseldeutscher Mundart sind meist sozialkritisch und autobiografisch. Er kommt sympathisch und authentisch rüber. In der „Tageswoche“ meinte Pyro, dass er mit „Proll Rap“ wenig anfangen könne: „Diese dekadente
Selbstverherrlichung finde ich peinlich. Wer Gefühle zeigt, gilt schnell als Pussy. Da sage ich: Na und? Es wäre interessant und befreiend, wenn mehr Querdenker, mehr Frauen oder Lesben und Schwule in der Szene aktiv wären. Es braucht wieder mehr Paradiesvögel statt monotone Stereotypen“. Recht hat er. Empfehlenswert.
Alben: „Hoffnigsfungge“, „Schatteboxe“
www.pyrobasel.ch

 

sonix-Fotograf nicht benannt

Sonix klingt nach irgendwas mit Multimedia, cool und hochmodern. Dabei liebt es die Schweizer Liedermacherin, die eigentlich Sonja Wanninger heißt, eher klassisch: Mit ihrer dunklen, warmen Stimme singt sie von Dingen, die bleiben und solchen, die vergehen. Oder sie reflektiert poetisch über die Jahreszeiten. Den Zeitströmungen immer größerer Flüchtigkeit und Geschwindigkeit setzt sie die Kraft der Kontemplation entgegen mit einer Musik, die die Sinne öffnen will. Stilistisch bewegt sich die aus Wien stammende Sängerin, die auch ausgebildete Schauspielerin ist, dabei virtuos zwischen Blues, Funk und Swing. Ihre Texte wirken auch deshalb so authentisch, weil sie gern Autobiografisches einfließen lässt. Ihre Situation als Mutter verarbeitet sie in dem Song „Alleinerziehend“ und in „Keine Flagge für niemand“ beschäftigt sie sich mit ihren multikulturellen, familiären Wurzeln. Der Song trifft den Nerv einer Zeit, in der Nationalisten wieder Oberwasser bekommen, und klingt dabei doch wohltuend unangestrengt. Eine Vitaminspritze für die Liedermacherszene!
Alben: „Man weiß von nichts“, „Dinge die ändern“
www.sonix.ch

 

Tobias Thiele-Fotograf unbenannt

Tobias Thiele: Album „Unerhört“.

Als ausgesprochen talentiert und vielstimmig zeigt sich der junge Berliner Liedermacher Tobias Thiele auf seinem neuen Album „Unerhört“. Auf der einen Seite präsentiert der Musikwissenschaftler, der nebenbei Kindern im Jugendzentrum das Gitarrespielen beibringt, lyrisch-poetische Songs mit griffigen Texten in bester Liedermachertradition (wie den Titelsong „Unerhört“), auf der anderen Seite greift er virtuos und spielerisch ins Soul- und Eletroniklabor und geht in Richtung Deutsch-Pop. „Sofort, sofort“ erinnert an Peter Fox‘ „Haus am See“ und hat Ohrwurmqualitäten, Charme und Witz, ebenso die überraschenden Tracks gegen Ende des Albums wie „Am Straßenrand“, „Erinnern“ und „Die Zeit“. Weiterer Pluspunkt: Die Verbindung zur populären Musik Chiles.
www.tobias-thiele.com

 

 

29. 1. 2017

Liederfest 2017

Am 23. September 2017 wird wieder der Liederpreis der Liederbestenliste vergeben und dazu ein Nachwuchspreis. Wer diese beiden Preisträger sein werden, wissen wir noch nicht. Was wir aber wissen und was uns freut: Der Gast beim Fest steht schon fest. Mit dem Lied „Nicht in meinem Namen“, in dem er sich gegen jede menschenverachtende Auslegung von Religion wehrt, ist er derzeit unter den TOP20 der Liederbestenliste: Bodo Wartke. In seinen aktuellen Liedern zeigt er sich meist nachdenklich mit einem präzisen Blick auf das menschliche Miteinander.
Wartke, der 1996 sein erstes abendfüllendes Bühnenprogramm herausbrachte, hatte zunächst die klassische Form des Klavierhumoristen weiterentwickelt, er ist ein Meister des Reims und des perfekten Klavierspiels. Grandios sind seine Auftritte mit dem Capital Dance Orchestra, einem großen Swing-Ensemble, das seinen Liedern einen opulenten Sound verpasst. Mit diesen Musikern war er letztes Jahr auch beim großen Liedermacher-Open-Air auf Kloster Banz in Franken, den Songs an einem Sommerabend, die er bis 2011 sechs Jahre selbst moderierte.
Im unterhaus in Mainz, wo das Liederfest dieses Jahr wieder stattfindet, wird der Kleinkunstpreisträger des Jahres 2004 Ausschnitte aus seinem fünften Solo-Programm vorstellen. Das trägt den Titel: „Was, wenn doch?“ Ob er eine Antwort auf diese Frage wirklich hören will, lässt der Poet Wartke offen. Er wird uns die nachdenkliche Seite des Clowns zeigen, aber auch Lachen machen.

28. 12. 2016

Unser Jury-Mitglied Matthias Bardong ist verstorben

Unser Jury-Mitglied Matthias Bardong ist völlig überraschend am Wochenende vor Weihnachten gestorben. Matthias war ein sehr engagierter Journalist und Musiker, ein Mensch voller Lust am Leben. Ich habe ihn bereits beim Südwestfunk in Mainz kennengelernt als einen Mann voller sprühender Ideen. Wir haben damals öfter zusammengesessen und über neue Projekte nachgedacht. Ich bin dann zuerst nach Köln gegangen, unsere Wege haben sich verloren, ohne dass wir uns jemals voneinander verabschiedet hätten. Etwa so wie es Reinhard Mey in seinem Lied „Komm gieß mein Glas noch einmal ein“ beschreibt. Und dann gab es eine neue Sendung beim WDR „Chansons und Liederliches“. Die hat Matthias von Anfang an (mit der Redakteurin Gabi Lang) gestaltet. Er kannte sich aus in der Szene, war neugierig auf alles Neue. Da kamen wir dann auch wieder regelmäßig ins Gespräch miteinander und haben das eine oder andere Steak verzehrt und die eine oder andere Zigarre genossen, natürlich eine Cohiba, darunter ging es nicht. Die Burg Waldeck im Hunsrück hat Matthias engagiert und er hat die Betreuung der Pfingstfestivals dort übernommen. Mit wenig Budget und vielen Ideen hat er dieser Veranstaltungsreihe ein zeitgemäßes Profil verpasst. Und ich meine hiermit nicht oberflächliche Modernismen. Matthias fühlte sich in erster Linie der Kunst und den Künstlern verbunden. Mit Black hat er zudem einen musikalischen Partner gefunden, den er an dessen Abenden begleiten durfte. Ich glaube, er war eher Partner als einfach nur Begleiter, denn auch hier brachte er viele eigene Impulse ein. In der Liederbestenliste war er erst kurze Zeit als Juror. Da wollten wir demnächst mal über dieses und das reden… Ich nehme mir jetzt heraus im Namen aller, die an der Liederbestenliste arbeiten, zu sagen: Lieber Matthias, wir vermissen Dich.

Hans Jacobshagen

Nachruf beim WDR

Traueranzeige Matthias Bardong

27. 10. 2016

Die Liederbestenliste sucht: Den Förderpreisträger 2017

Dota Kehr hat ihn bereits erhalten, Falk, Uta Köbernick – und im vergangenen Jahr Nadine Maria Schmidt: Den Förderpreis der Liederbestenliste. In Zeiten, in denen die Medien Plattformen für junge Liedermacher zunehmend ausdünnen, geht die Liederbestenliste den entgegengesetzten Weg. Jährlich vergibt eine unabhängige Fachjury einen Förderpreis an Nachwuchskünstler, deren engagierte, lustvoll provokante Lieder überzeugen und dem akustischen Mainstream trotzen. Manchem verhalf der Preis bereits zum Durchbruch. Kein Wunder, liest er sich doch nicht nur gut in einer jungen Künstlervita. Der Förderpreis der Liederbestenliste sorgt auch für Öffentlichkeit: mit einem Auftritt beim Liederfest vor großem Publikum im legendären Mainzer unterhaus und in der Folge mit Ausstrahlungen des Konzerts im öffentlichen-rechtlichen Rundfunk.

Du bist selbst Liedermacher, aber noch unentdeckt? Du kennst eine Liedermacherin, bei der du dich wunderst, dass sie noch kaum jemand kennt? Dann bewirb dich bei uns – alleine oder mit deiner Band – oder leite diese Ausschreibung weiter an den Musiker deiner Wahl, deines Herzens, deines Geschmacks.

Teilnahmevoraussetzungen? Du hast bereits ein Repertoire an eigenen Songs, gewisse Bühnenerfahrung und bist auf dem Sprung zur Professionalität. Bewerbungsunterlagen? Eine kurze Vita, 3-5 selbst komponierte und getextete Songs oder bereits eine eigene CD.

Und wohin damit?

Projekt Mensch Management
Barbara Preusler
Hauptstrasse 1
4153 Reinach B/L

Wolfgang Rumpf
Nordwestradio
Diepenau 10
28195 Bremen

Michael Lohse
WDR 5
Appellhofplatz 1
50667 Köln

Einsendeschluss: 31. Dezember 2016

Liederbestenliste
im Radio

Sendungen rund um Liedermacher

    • WDR 5, sonntags, 21:05 Uhr, Liederlounge
    • Freies Radio Kassel, dienstags, 20:00 Uhr, Liederleute
    • WDR 4, dienstags, 21:05 Uhr, Chansons- und Liederliches
    • WDR 5, freitags, 22:05 Uhr, U 22 – Unterhaltung nach 10
    • rockradio.de, letzter Freitag des Monats, 14:00 Uhr  auf UKW Berlin 91,0 im Raum Berlin und www.rockradio.radio.de
      Wiederholung jeweils am darauffolgenden Montag, 12 Uhr auf www.rockradio.radio.de