Die Nominierten für den Förderpreis der Liederbestenliste 2017

4. 2. 2017

Die Nominierten für den Förderpreis der Liederbestenliste 2017

Die Förderpreis-Jury der Liederbestenliste hat fünf Künstler für den Förderpreis 2017 nominiert. Der Förderpreisträger wird im März bekanntgegeben. Wir stellen Ihnen die Nominierten in kurzen Beiträgen an dieser Stelle vor:

 

Manouz-Fotograf nicht benannt

Erik Manouz: Album „Tausend und einen Menschen“

Dass sich die Liedermacherszene inzwischen auch gerne weltoffen zeigt, beweist auch Erik Manouz mit seinem Mix aus Swing, Reggae und Sixties-Souljazz. Mit starker Personality präsentiert er seine neuen Songs, die er mit hymnischen Refrains und originellen Arrangements auszustatten weiß. Die stilistische Bandbreite überzeugt: Gypsyswing und Folk („Königskinder“) stehen neben Reggae („Lass mich ein Lied schreiben“) oder Souljazz aus den 1960ern im Stil von Little Stevie Wonder oder Marvin Gaye bei „liebevoll und frei“. Auch ein auf Englisch gesungener Popsong ist dabei („talk, talk“), der Verbindungen zur britischen Singer/Songwriterszene, zu Glen Hansard oder Luka Bloom, aufweist. Überzeugend und glaubwürdig.
www.manouz.de

 

Loosfit-Foto Regina Weisskopf
Loosefit
(Foto: Regina Weisskopf)

Loose fit – das ist ein Modeschnitt bei Jeans, der nicht so eng anliegt – locker und lässig eben. Googelt man „Loosefit“ zusammen geschrieben, landet man bei einem Chanson-Duo aus Berlin, das gerade ein ebenso erfrischendes wie berührendes Debütalbum vorgelegt hat. Zwei Frauen singen über die Hochs und Tiefs der Liebe, auch und besonders der zwischen Frauen, über Datingportale im Internet oder über die perfide Gleichzeitigkeit des Lebens, bei der man selbst gerade gut drauf ist, während andere leiden. Sie tun das ehrlich und ohne moralischen Zeigefinger. Ihre Lieder atmen das Lebensgefühl der Großstadt. Der Ton changiert zwischen selbstironischer Lässigkeit und resignativer Wehmut. Die beiden bieten klassisches Chanson in zeitgemäßem Sound: ohne überladene Arrangements, aber mit treffsicheren Zutaten vom Drum-Computer über die Melodica bis zur Klarinette. Das wichtigste Pfund aber ist die Stimme von Caspar Gutsche, rauchig und herzerwärmend zugleich. Ihre tiefen Frequenzen erzeugen Gänsehaut. Dazu die eleganten und eingängigen Kompositionen von Pianistin Carolin Roelcke. Da passt alles – wie bei gutsitzenden Jeans eben.
Aktuelles Album: „gerne wieder“ 2016
www.loosefit.berlin

 

Pyro-Fotograf nicht benannt

PYRO (Daniel Kern) geb. 16. Nov. 1981 in Basel

„Härz uf dr Zunge“ – daran hält sich Pyro in seinen Liedern mit gut gerappten Texten und Geschichten aus dem Alltag. Scheinwelten verblassen und zerbröseln. Pyro bejammert nicht den Weltschmerz und er bedient nicht das Klischee des Gangster Rap. Seine Texte haben einen eigenen Stil und bauen sich dynamisch auf mit Wortwitz und „heartbeat“. Musikalische Einflüsse unterschiedlichster Genres treffen auf Rap, Hip Hop. Jazz, Rock, Klassik – solo oder mit Orchester. Pyro ist mitreissend, berührend und hart. Dabei schafft er es, junges und reiferes Publikum zu vereinen. Seine Texte in baseldeutscher Mundart sind meist sozialkritisch und autobiografisch. Er kommt sympathisch und authentisch rüber. In der „Tageswoche“ meinte Pyro, dass er mit „Proll Rap“ wenig anfangen könne: „Diese dekadente
Selbstverherrlichung finde ich peinlich. Wer Gefühle zeigt, gilt schnell als Pussy. Da sage ich: Na und? Es wäre interessant und befreiend, wenn mehr Querdenker, mehr Frauen oder Lesben und Schwule in der Szene aktiv wären. Es braucht wieder mehr Paradiesvögel statt monotone Stereotypen“. Recht hat er. Empfehlenswert.
Alben: „Hoffnigsfungge“, „Schatteboxe“
www.pyrobasel.ch

 

sonix-Fotograf nicht benannt

Sonix klingt nach irgendwas mit Multimedia, cool und hochmodern. Dabei liebt es die Schweizer Liedermacherin, die eigentlich Sonja Wanninger heißt, eher klassisch: Mit ihrer dunklen, warmen Stimme singt sie von Dingen, die bleiben und solchen, die vergehen. Oder sie reflektiert poetisch über die Jahreszeiten. Den Zeitströmungen immer größerer Flüchtigkeit und Geschwindigkeit setzt sie die Kraft der Kontemplation entgegen mit einer Musik, die die Sinne öffnen will. Stilistisch bewegt sich die aus Wien stammende Sängerin, die auch ausgebildete Schauspielerin ist, dabei virtuos zwischen Blues, Funk und Swing. Ihre Texte wirken auch deshalb so authentisch, weil sie gern Autobiografisches einfließen lässt. Ihre Situation als Mutter verarbeitet sie in dem Song „Alleinerziehend“ und in „Keine Flagge für niemand“ beschäftigt sie sich mit ihren multikulturellen, familiären Wurzeln. Der Song trifft den Nerv einer Zeit, in der Nationalisten wieder Oberwasser bekommen, und klingt dabei doch wohltuend unangestrengt. Eine Vitaminspritze für die Liedermacherszene!
Alben: „Man weiß von nichts“, „Dinge die ändern“
www.sonix.ch

 

Tobias Thiele-Fotograf unbenannt

Tobias Thiele: Album „Unerhört“.

Als ausgesprochen talentiert und vielstimmig zeigt sich der junge Berliner Liedermacher Tobias Thiele auf seinem neuen Album „Unerhört“. Auf der einen Seite präsentiert der Musikwissenschaftler, der nebenbei Kindern im Jugendzentrum das Gitarrespielen beibringt, lyrisch-poetische Songs mit griffigen Texten in bester Liedermachertradition (wie den Titelsong „Unerhört“), auf der anderen Seite greift er virtuos und spielerisch ins Soul- und Eletroniklabor und geht in Richtung Deutsch-Pop. „Sofort, sofort“ erinnert an Peter Fox‘ „Haus am See“ und hat Ohrwurmqualitäten, Charme und Witz, ebenso die überraschenden Tracks gegen Ende des Albums wie „Am Straßenrand“, „Erinnern“ und „Die Zeit“. Weiterer Pluspunkt: Die Verbindung zur populären Musik Chiles.
www.tobias-thiele.com