Empfehlungen

Die persönlichen CD-Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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Juli 2016
Michael Laages

Die Strottern & JazzWerkstatt Wien: Wo fangt´s an

Ungleiche Geschwister im Dialog

„Wo fangts an“ – die jüngste Zusammenarbeit des Wiener Duos "Die Strottern" mit der "JazzWerkstatt Wien"

Nein – ziemlich beste Freunde sind die diese beiden musikalischen Stile eigentlich nicht. Beide legen ja großen Wert auf Eigenständigkeit: das „Wiener Lied“, diese in der Tat ziemlich einzigartig regionale (aber damit auch in sich begrenzte) Mischung aus Wein- und Heurigen-Seligkeit, Vorstadt-Poesie und Friedhofsromantik; und der Jazz, diese große, allumfassende Weltsprache der Musik, deren Kern-Kompetenz ja immer die Freiheit der Klänge und die Grenzenlosigkeit des musikalischen Ausdrucks war und ist. Seit geraumer gehen beide Musik-Spezialitäten aber Verbindungen ein in Wien – bei den verschiedenen Bands des Bassisten Georg Breinschmid, vor allem aber beim Lieder-Duo „Die Strottern“, das sich jetzt einmal mehr in der Zusammenarbeit mit der "JazzWerkstatt Wien" vorstellt.

"Strottern" sind im alten Wien kleine Ganoven gewesen, Herumstreuner, Vagabunden in der großen Stadt; auch und mit ihnen lebt die Geschichte vom „Wiener Lied“. Klemens Lendl, Geiger und Sänger, und Gitarrist David Müller sehen sich in dieser Tradition – und sie haben mit dem Schriftsteller Peter Ahorner einen Autor gefunden, der einen besonderen poetischen Ton mitbringt für’s neue „Wiener Lied“. Ahorner spricht und rezitiert auch auf dieser CD – und die Traditionen klingen herüber in die modernen, zeitgenössischen Texte. Mittendrin in der CD steckt obendrein eine Hommage an den 1911 geborenen Wiener Mundartdichter Josef Mayer-Limberg; und gerade hier macht sich die "Jazzwerkstatt Wien" besonders prägend bemerkbar.

Zunächst (und dann wieder zum Finale) öffnen ja Clemens Salesnik, Martin Eberle und Peter Rom, Martin Ptak, Clemens Wenger, Bernd Satzinger und Lukas König, jeder für sich ein Meister im „Jazz made in Austria“, das große Sound-Tableau für die Ahorner-Songs: in sich fein abgestimmt, schaffen sie Raum, mit dem Lied über das Lied hinaus. In der Mayer-Limberg-Suite aber treten sie in den sehr direkten, frechen Dialog mit den Texten und auch den Interpretationen durch die "Strottern"-Stimmen. Nicht nur der Ton der Wiener Sprache ist auf diese Weise und in diesen Miniaturen ganz neu zu erleben – vielmehr entsteht hier ein wirklich pfiffiger Dialog zwischen den ungleichen Geschwistern. Jazz wird „Wiener Lied“, „Wiener Lied“ wird Jazz: ein Highlight zeitgenössischer Wiener Kunst.

Weitere Informationen:
www.Strottern.at | http://jazzwerkstatt.at

 

Cracked-an-Egg Records

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