Empfehlungen

Die persönlichen CD-Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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Juni 2016
Michael Kleff

goubran: Irrlicht

Empfohlen von Michael Kleff, Bonn

Weltschmerz, Gesellschaftskritik und Vergänglichkeit sind Standardthemen österreichischer Liedermacher. Man muss jedoch nicht in irgendeinem österreichischen Dialekt singen, um sie genauso überzeugend rüberzubringen wie einst Wolfgang Ambros oder Georg Danzer. Es geht auch auf Hochdeutsch. Das stellt der aus Kärnten stammende (Alfred) Goubran mit seiner zweiten CD-Veröffentlichung unter Beweis. Mit rauer Stimme findet er vor einer düsteren Soundkulisse aus Blues und Rock auf „Irrlicht“ klare Worte für die Zeiten, in denen wir leben. Wie beispielsweise in „So viele Bilder“, wo es heißt: „Der Herr Minister … liebt die kleinen Kinder / vor allem Jungs und schwarze Kabelbinder / Er ist der Richter, der über den Gesetzen steht / er ist das Übel und die Nacht, die von der Ahnungslosigkeit der Menschen lebt …“ Im „GPS Blues“ findet der Musiker deutliche Wort für „die da oben“: „Ihr seid die Narren, die tanzen, / während andere zu Grunde gehen, / ihr seid die Erben, die Kinder der Bonzen, / ihr wollt die Wirklichkeit nicht sehen. / Und ihr denkt noch, das sei gut / obwohl ihr keine Güte kennt. / Ihr wisst nicht, was ihr tut, / ihr bleibt mir ewig fremd.“ Ein weiterer Höhepunkt: Goubrans Vertonung von Heinrich Heines „Wanderraten“. Aktueller geht es nicht: „Nicht Glockengeläute, nicht Pfaffengebete, / Nicht hochwohlweise Senatsdekrete, / Auch nicht Kanonen, viel Hundertpfünder, / Sie helfen Euch heute, Ihr lieben Kinder!“ Eigentlich komme ich aus dem Schwärmen gar nicht heraus, wenn Goubran schon im ersten Titel „“Captain Thomas“ Zeilen wie diese über den Menschen an sich gelingen: „Denn er weiß, er muss ein wenig zugrunde gehen, um auch weiterhin im Spiel zu sein.“ Oder wenn er in „Tod der schönsten Stunde“ den Hippen und Schönen den Spiegel vorhält: „Du bist en vogue, du bist dabei, du bleibst dir nur vor andern treu, du stellst dich ein, du borgst dich aus, du bist nur Gast im eig’nen Haus…“ Und auch auf diese Zeilen im Titelsong „Irrlicht“ muss man erst einmal kommen: „Ich hab mich nicht verlaufen, weiß nur nicht, wo ich bin, aus mir ist nichts geworden, weil ich nie fortgegangen bin.“ Nicht zu vergessen: die Begleitmusiker, die mit ihrem Spiel Goubrans Texte bestens bedienen. Als da u. a. sind Stefan Deisenberger (Bass und Banjo), Lukas Lauermann (Cello), Markus Perner (Schlagzeug) und Hannes Wirth, dessen geniales Gitarrenspiel die Besucher des Liederfests 2015 live erleben konnten. Im vergangenen Oktober stand er mit Ernst Molden, Willi Resetarits und Walther Soyka beim Preisträgerkonzert in Mainz auf der Bühne.

Weitere Informationen:
http://goubran.com

 

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