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Die persönlichen Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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Aug 2018
Wolfgang Rumpf, Bremen

Schelpmeier: Lass uns bleiben

Schon das erzromantisch-verspielte Cover mit einer rosa blühenden Magnolie deutet an, wohin die Reise auf diesem Album gehen soll: In die Innenwelt eines Künstlers, der auf seinem 4. Album mit 50 Jahren davon singt, dass jetzt die Pubertät langsam zu Ende gehen könnte und dass uns die Liebe auf Kurs hält. Damit auch dieses Versprechen in der häufig strapazierten Midlife-Crisis eingelöst werden kann, hatte Dirk Schelpmeier seine langjährige Duo Partnerin Natalie Plöger am Kontrabass bei den Aufnahmen im Berliner Studio dabei. Mir ihr bildet er auch das Live-Duo Schelpmeier & die Plögerette. Herausgekommen ist dabei ein Lovesong mit der Zeile: „Jeder Kuss hält uns auf Kurs, ob Sturm, ob Flaute oder Rückenwind, so lang wie wir zwei zusammen sind, was soll uns da passieren.“ Schelpmeier, der sich gerne als "Liederausdenker & Musikerfinder" bezeichnet und als Dozent für Fotografie (Schwerpunkt Musikerporträts, Covers) arbeitet, präsentiert sich als einfühlsamer Poet und lupenreiner Romantiker, der versucht, die Gefühls- und Stimmungslage der um 1965 Geborenen in Songs zu verwandeln. Universelles Thema dabei: Liebe, Beziehungsalltag, Ausbruchsversuche aus dem Gefüge der Realität.

So wird die Liebe, dieses intensive Band, gerne ironisch gebrochen (»Mein Mann« - ein Tango) und Schelpmeier schlüpft frech in die Frauenrolle, wenn es heißt: „Liebe bleib" mir vom Hals, weil du zu viel versprichst, was du nie hälst. Liebe du blöde Kuh, wegen dir nehm‘ ich nur ständig ab und zu, ab und zu, ab und zu.“ Damit dieses Lamento auch glaubhaft wirkt, hat sich Schelpmeier die singende Kabarettistin Dagmar Schönleber ins Studio eingeladen. Sie darf das Drama dann im »Bei-mir-biste-scheen«-Andrew-Sisters-Stil mit heiterem Augenaufschlag in einen Swing verwandeln.

Unterm Strich lautete die Message des Albums: „Reiß die Bilder aus dem Rahmen, nimm‘s dem Leben nicht so krumm, sieh die Komik in den Dramen, komm wir dichten alles um.“ Ein Plädoyer für künstlerische Freiheit, für geistige Grenzüberschreitung und den Blick aufs Komische und den Blick nach vorn.

Die Lieder sind zwar konventionell gebaut - es fehlt der rotzig-freche Ton von einer Band wie Element of Crime - aber sie sind sorgsam und zurückhaltend instrumentiert: Schelpmeier ist für Gesang und Gitarren und das Songwriting zuständig, unterstützt wird er von Gunter Papperitz an den Keyboards, dazu kommen dezente Jazz-Drums, eine weitere Gitarre und Plögers Kontrabass. Der Grundton von »Lass uns bleiben« ist letztlich gedimmt und von leisen Melancholien (»Trauriger Tod«) durchzogen, doch selbst das Finale mit der Frage »Was kommt danach«, verströmt dann über einen treibenden Beat doch wieder eine Menge Hoffnung. Die Magnolien dürfen weiter blühen.


Mehr Informationen:
www.schelpmeier.com

Fuego

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