Empfehlungen

Die persönlichen CD-Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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Dez 2016
Karen Sophie Thorstensen

Falkenberg: Menschen auf Brücken

Denkt man an Liedermacher, hat man automatisch das Bild des klassischen Sängers mit Gitarre im Kopf. Dass dies lange nicht mehr die einzige Erscheinung eines Liedermachers ist, wissen wir ja bereits. Meine persönliche Empfehlung diesen Monat gilt einem Rockmusiker und seinem im Oktober 2016 erschienenen Album.

Falkenbergs Musik kenne ich bereits länger und besonders das 2012 erschienene Album „Freiheit“ hat mir damals sehr gefallen. Sein neues Album, ebenfalls ein Konzeptalbum, finde ich so beeindruckend, dass ich es gerne empfehlen möchte.

Das Thema sind dieses Mal Brücken in allen erdenklichen Varianten. Die Menschen gehen über die Brücken, schauen sie an und möchten sie betreten, sie schwanken benommen vor Trauer und Orientierungslosigkeit zwischen den Pfeilern und sie überlegen, ob die errichteten Zugbrücken heruntergelassen werden können, denn schließlich wartet da draußen der Rest des Lebens. Im Lied „Brückenköpfe“ setzt Falkenberg sich mit Kriegstreibern und -gewinnlern aller Zeiten und Orte auseinander. In dem Titel „Tunnel unter den Brücken“ beschreibt Falkenberg den lähmenden Zustand einer Depression so eindrucksvoll, dass jemand, der nie daran litt, auch in etwa empfinden kann, wie schwer diese Krankheit auf einem lastet. Mit dem Song „Die Leere überbrücken“ fordert Falkenberg uns auf, uns nicht ständig mit Unterhaltung und Kommunikation zuzudröhnen, sondern den Knopf einfach mal zu drücken und die Ruhe zu genießen.

Im Titelstück führt uns Falkenberg ins Thema ein, indem er unterschiedliche Scenarien dessen entwirft, wofür Brücken stehen können.

Falkenberg ist Rockmusiker und seine musikalische Sprache entspricht diesem Genre. Sie ist rhythmisch mit Bass, Gitarrenriffen und Keyboardeinlagen, die immer dem jeweiligen Stück angepasst sind. Aber auch zarte Gitarren- und Klavierklänge sowie Cello- und Violinentöne sind in einigen Stücken zu hören und werden stilsicher eingesetzt. Die Stimmung ist oft melancholisch, nachdenklich, der Liedermacher taucht tief in seine Themen ein. Und seine Texte sind mal nachdenklich, öfter wütend, immer bildreich und beschreiben diese Zeit, in der wir versuchen, unser Leben so gut es geht zu meistern.

Kleine Brückentexte verbinden hier und da die Lieder und an einer Stelle fährt wahrhaftig ein Zug über die Brücke, unter der ich beim Hören sitze.

Die zwölf Titel ergeben eine abwechslungsreiche Reise auf, über, unter und in der Nähe von Brücken, Stimmungen und Geschichten, entfalten ihre Wirkung und werden ein gelungenes Konzeptalbum.

Buschfunk

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