Empfehlungen

Die persönlichen CD-Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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Mai 2016
Hans Reul

Felix Meyer & Project Île: Fasst euch ein Herz

Empfohlen von Hans Reul, Eupen

Spätestens seit der CD „Von Engeln und Schweinen“ aus dem Jahr 2010 kennen wir Felix Meyer. Dabei ist er dem einen oder anderen schon vorher des öfteren in den Fußgängerzonen in Berlin, Hamburg oder Köln begegnet. Denn während 15 Jahren tourte er mit seinen Kollegen durch die Lande. Auch in Frankreich fand Felix Meyer auf den Plätzen sein Publikum. So ganz nebenbei entdeckte er für sich auch das französische Chanson, denn auf der Debüt-CD sang Felix Meyer neben eigenen Liedern seine deutschsprachigen Versionen von Francis Cabrel- und Noir Désir-Chansons.

Auch auf „Fasst Euch ein Herz“, seiner vierten Studio-CD, erinnern mich einige Lieder von der Anlage und von der Stimmung her an die französischen Vorbilder. Sei es die Klangfarbe der Stimme mit ihrem großen Wiedererkennungswert oder seien es die Texte. Dass die Band jetzt erstmals einen Namen erhalten hat, der zumindest im zweiten Teil französisch ist, nämlich „project île“, dürfte auch nicht von ungefähr kommen.

Dass die CD „Fasst Euch ein Herz“ noch mehr als sonst ein echtes Bandprojekt ist, zeigt sich daran, dass diesmal das ganze Album gemeinsam nahezu live eingespielt wurde. Das spricht den Hörer direkt an, natürlich nicht wie auf der Straße, aber ohne Umwege kommen Felix Meyer und project île musikalisch auf den Punkt. Sicher auch ein Verdienst des Produzenten Tommy Krawallo, der bekanntlich öfters mit Wenzel zusammen arbeitet.

Felix Meyer hat immer schon wunderschöne Liebeslieder geschrieben, mit viel Poesie und ohne Pathos. Diesmal kommen mehrere gesellschaftspolitische Songs hinzu, wie wir sie bisher von Felix Meyer nicht oder kaum kannten. Dabei scheut er sich nicht die Dinge konkret anzusprechen wie im Opener „Liebevoll bis menschenleer“. Da heißt es:

Der Krieg wird, seit es ihn gibt, immer für gewonnen erklärt
Die Menschen fragen sich nur wo und wann denn
Seine Vertreter beschließen am liebsten ungestört,
wer hier mit wem auf welcher Seite steht.

In einem anderen Lied („Nach der Mittelmäßigkeit“) stellt Meyer die Frage, ob nach der Mittelmäßigkeit (oder der Verhältnismäßigkeit) am Ende jeder was zu fressen hat. Dass wir Menschen uns als Menschen verstehen sollen, ist auch nicht die schlechteste Anregung. In dem Sinne „kommt Freunde, fasst Euch ein Herz“.

Weitere Informationen:
http://felixmeyer.eu

Löwenzahn / rum records

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