Empfehlungen

Die persönlichen Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

Übersicht des Jahres…
Anderen Monat auswählen…
April 2018
Karen-Sophie Thorstensen, Halle (Saale)

Frank Baier: Wat'n Theater, man

„Wat‘n Theater, man“ seufzt Frank Baier im Titelstück seines neuen Albums, das den Soundtrack durch das musikalische Schaffen des 75-jährigen darstellt. 13 Titel aus der Zeit von 1975 bis jetzt zeigen verschiedene Phasen seines Musikerlebens als politischer, engagierter Ruhrpottbarde, immer begleitet von seinem Akkordeon und seiner Ukulele sowie Gitarre und natürlich Gesang. Bestechend ist die Tatsache, dass er nicht müde, nicht zynisch oder abgeklärt klingt, sondern so frisch, witzig und begeisterungsfähig wie eh und je. Zwar wundert er sich im Titelstück darüber, was eigentlich auf der Welt los ist, hat er den Aufbruch verpasst? Alle reden wie die an der Börse und rennen hinter der Kohle her und überhaupt, was soll das ganze Theater? Es ist nicht die Klage eines bitteren, alten Mannes, das Zwinkern ist durchaus hörbar. Auf dem Album sind mehrere Beispiele von Zusammenarbeiten mit Musikern anderer Kulturen, wie z. B. mit der Folkgruppe Tselonina aus Madagaskar oder Mesut Cobanc aus der Türkei. Frank Baier zeigt, dass Musik das beste Mittel zur Völkerverständigung ist.

Manche der älteren Stücke klingen wie jene Lieblingslieder, die wir unter Zuhilfenahme von völlig abgenutzten Plattenspielernadeln damals zu Tode liebten. Das empfinde ich nicht als Mangel, sondern es macht die Authentizität der älteren Stücke aus.

Thematisch befasst er sich u. a. mit dem Ruhrgebiet während und nach der Kohle, mit dem Aufwachsen dort damals, mit dem ewigen Verlierer, der nicht versteht, wieso alles schief geht und mit den politischen Kämpfen von früher und dem Mangel daran heute. Auf dem Album befinden sich Blues, Rock, Folk und natürlich auch „Skiffle aus dem Kohlenpott“.

Beim Hören des Albums dachte ich an meine ersten Jahre in Deutschland zurück. In dieser Zeit befand ich mich oft in den Küchen der damals Jung- und heute Altlinken, wo man zusammen kochte, aß und trank, man diskutierte lange und erhitzt und man hörte und spielte selbst Musik, eben auch die Lieder von Frank Baier. Eine schöne Erinnerung und ein gelungener Soundtrack eines Musikerlebens!


Weitere Informationen:
www.frank-baier.de

Eigenproduktion

Übersicht des Jahres…
Anderen Monat auswählen…