Empfehlungen

Die persönlichen Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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Dez 2017
Silke Aydin, Emsdetten

Bettina Wegner: Was ich zu sagen hatte -

120 Lieder aus 50 Jahren

Anlässlich ihres 70. Geburtstags hat Bettina Wegner eine Zusammenstellung ihrer Lieder auf fünf CDs veröffentlicht. Als Geschenk für sich selbst gedacht, ist diese CD-Box doch mehr noch ein Geschenk für uns Hörer. Sie und ihr Musikerfreund Karsten Troyke haben 120 Lieder ausgewählt und liebevoll verpackt: bisher unveröffentlichte Aufnahmen, Konzertmitschnitte inklusive Ansagen und einleitenden Geschichten, jiddische und hebräische Stücke, bekannte Klassiker. Dazu gibt es noch Lieder, in denen ihre unverwechselbar eindrückliche Stimme gemeinsam mit Konstantin Wecker, Karsten Troyke oder Angelo Branduardi erklingt.

Bettina Wegner ist sich in ihrem Schaffen immer treu geblieben, hat sich nie dem Markt unterworfen. Kämpferisch und mutig hat sie stets gegen Ignoranz und Gleichgültigkeit angesungen. Für Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit und Liebe. Auf ihren mittlerweile wenigen, ausgewählten Auftritten schenkt sie auch heute noch Kraft und Hoffnung durch ihren Gesang. Denn die Themen ihrer Lieder sind - oftmals leider! - zeitlos aktuell.

Deshalb gibt es bei der CD-Box auch keine zeitliche Zuordnung der Stücke, sondern eine thematische Zusammenstellung. Jede CD trägt einen Untertitel, der sich aus einer Liedzeile ableitet. Dabei sind die Grenzen, welches Lied man nun welchem Thema zuordnet, teilweise auch fließend, dennoch hier mal ein kleiner Überblick:

CD 1 trägt den Untertitel »Fleißig Reichlich Glücklich« und beinhaltet gesellschaftskritische Stücke: die soziale Kälte der Menschen untereinander, die moderne Leistungsgesellschaft, Doppelmoral und Heuchelei, Verrat durch Freunde. Das letzte Lied dort ist »Mir fällt ein…«. Es handelt von Bettina Wegners schwieriger Zeit des Umherreisens und Auftretens in Ost- und Westdeutschland, die schließlich in der Vertreibung aus ihrer Heimat endete.

»Heimweh nach Heimat«, ein Stück auf CD 2, greift dieses Thema wieder auf: Vertrieben und nie wirklich angekommen. Wurzellos sein. Der Untertitel der zweiten CD »War voll von Liebe« (aus »Ikarus«) nennt dann auch schon das Hauptthema dieser CD: Liebe. Liebe für ihre Kinder, für die Heimat, für die Menschen, für die Welt. Das Stück »Cool sein« ist z. B. ein Plädoyer für Offenheit, sich nicht zu verstellen, ehrliche Gefühle zu zeigen statt Fassade: „… wer nicht leiden kann, ist tot. Nur wer Trauer kennt, kennt Glück“.

Die dritte CD »Ich will ein Vogel werden« vereint Lieder, die durch Kritik und Ansprache etwas bewirken möchten. Dass die Opfer der NS-Zeit nicht in Vergessenheit geraten (»Für die aus…«). Dass wir unsere Kinder nicht belügen (»Sie hat’s gewußt«). Dass wir uns nicht für Geld und Ruhm verbiegen lassen (»Dynamo Tango«).

CD 4 »In Niemandshaus hab ich ein Zimmer« thematisiert Zerrissenheit und die Liebe unter den Menschen. Da ist zum einen das Lied für Bettina Wegners kleinen Großneffen Vincent, der schon als Kleinkind verstarb. Zum anderen die Nachdichtung »Man sagt« (Original: The Rose) …

Die fünfte CD »Tanz mich bis zur Liebe Schluss« stellt die finale Frage: Was bleibt am Ende?

Da antworte ich doch gern mit Mr. Cohen: Dance me to the end of love. Musik, Liebe, Tanz. Mehr braucht es (manchmal) nicht.


Weitere Informationen:
www.bettinawegner.de

Anar Musikverlag

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