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Die persönlichen Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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Aug 2017
Barbara Preusler, Reinach B/L

Florian Schneider mit Adam Taubitz: Schangsongs 2

Begeistert erzählte mir Florian Schneider im vergangenen Jahr von Tom Waits" Texten. Begeistert liess er sich von Waits inspirieren und übersetzte viele seiner Songs in die Baselbieter Mundart (Basel-Land). Es entstand die CD »Schangsongs 2«.

Sehnsucht und Poesie sind Schneiders Beziehungspunkte zu Waits. Beide schreiben Lieder, beide sind Schauspieler und Sänger. Auf den grossen Bühnen der Schweiz und Deutschland war Florian Schneider ein gefeierter Star (z. Bsp. »Phantom der Oper«). Doch er wollte näher bei den Menschen sein. Er begann Lieder zu schreiben und kleinere Bühnen zu bespielen. Florian Schneider gibt nicht den verruchten, einsamen Wolf mit der rauchigen Stimme wie Waits. Er versucht löblicherweise nicht, das Gesamtkunstwerk Waits zu kopieren, sondern er verwandelt Waits" Werke zu seinen eigenen Liedern. Schneider präsentiert die Lieder sympathisch und herzlich. Sodass man gern ein Glas Wein mit ihm trinken möchte, um noch lange über seine Balladen zu plaudern. Es sind Lieder seiner eigenen persönlichen Sehnsucht geworden, Lieder seiner Phantasie und seiner Gedanken. Die Songs sind liebevoll erarbeitet und glaubwürdig umgesetzt. In Baselbieter Mundart gesungen, entwickeln sie einen besonderen Charme. »Rosemarie« (Original »Georgia Lee«) entwickelt für mich ein neues, abenteuerliches Hörgefühl. Mit seiner sanften und doch kräftigen, klaren Stimme kommt das Lied einem traurigen Volkslied nah. »Säg mers, Louise« (auf Hochdeutsch: Sag es mir, Louise, Original »Tell It To Me«) uns allen im Ohr und oft schon interpretiert ist zu einem neuartigen Lied geworden. Die Poesie bleibt in der Mundart erhalten.

Schneider berührt seine Zuhörer. Es ist griffig, wie und was er singt. Das sparsame Arrangement der einzelnen Titel unterstreicht seine Eigeninterpretation hervorragend. Unterstützt wird er einfühlsam und meisterlich von Adam Taubitz an der Geige. Die Gitarre spielt Florian Schneider selbst. Er verzichtet bewusst auf überschäumende Klangwelten.

Die dunklen Seiten in den Volksliedern sind immer wieder ein Thema für Florian Schneider, gibt es doch im Baselbiet so viele spannende Wälder und einsame Ortschaften. Da können einem schon mal dunkle Gedanken kommen. So ergab es sich, dass auf der CD noch 5 Moritaten vom Florian aufgenommen wurden sind. Es sind Geschichten aus seinem Dorf, den Nachbardörfern, dem Gemisch aus Erlebnissen und sagenhaften Überlieferungen. Glaubhaft und authentisch kommen die Lieder daher. Man nimmt teil am ländlichen Leid, an Lust und Wehmut. »Alts chalts Hus« (auf Hochdeutsch: Altes kaltes Haus) ist zum Beispiel so eine dunkle Familiengeschichte, dramatisch, sie lässt einen nicht "kalt".

»Schangsongs« (2016) war bereits ein sehr überzeugendes Produkt, mit »Schangsongs 2« legt Schneider mit 14 Übersetzungen und Moritaten nach. Für mich eine gelungenes Werk, um Dramatik und klassische Balladen daheim oder live beim Konzert zu geniessen.


Weitere Informationen:
www.florian-schneider.ch

Schangsongs 2

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