Empfehlungen

Die persönlichen Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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März 2018
Hans Jacobshagen, Köln

Stephan Eicher & Martin Suter: Song Book

»Eicher« steht auf dem Cover und »Suter« und dann noch »Song Book«. Und beim genauen Hinsehen stellt sich heraus: Ja – es ist tatsächlich ein 100 Seiten starkes Buch mit Texten von Martin Suter und einer beigelegten CD mit Liedern von Stephan Eicher. Was wir über die beiden wissen können ist: Sie kennen sich seit über zehn Jahren und sie haben schon ein paar Songs gemeinsam veröffentlicht. Ihre Heimatsprache ist Berndeutsch. Und sie sind dicke Freunde seit sie sich beim Kristalle-Sammeln in den Bergen, beim sogenannten Strahlen gefunden haben. Aber halt: Ist das noch Wahrheit oder ist es schon Fiktion. Suter schreibt in seinem ersten Text: Hier werden „erstmals zu dem Song die biographischen Episoden erzählt, von denen sich die Künstler inspirieren liessen. Sie sind frei erfunden. Wie sich das für Autobiographisches gehört.“ Lüge oder Wahrheit also? Tut mir leid, das ist die falsche Frage. Suter und Eicher entführen ihre Leser und Zuhörer in ihre Schweizer Heimat. Und sie sind dabei präzise Beobachter. Und diese Beobachtungen finden überall im Land statt: bei einem leckeren Essen im Restaurant, beim Anblick einer Alm mit ihren grasenden Kühen oder beim Gesellschaftsspiel Monopoly. Manche Episode wirkt klischeehaft, dass man denkt: Ist die Schweiz, ist der Schweizer wirklich so? Aber dann sind die Geschichten doch so liebevoll erzählt, dass man zu der Überzeugung kommt: Das muss die ganze Wahrheit sein.

Dann steigen wir doch mal ein beim Hören und Lesen. Es geht los mit der Zugabe, einem Lied gesungen von Stephan Eicher, das am Anfang steht und dessen Text auch im Buch abgedruckt ist. Das hilft dem Nichtschweizer ungemein beim Verständnis. „Spil no eis für alli die, / wo nid so luschtig sii.“ Die schönen Melodien der Lieder werden von Stephan Eicher einfühlsam vorgetragen. Er ist ein Meister der leisen Töne. Seine luftigen Arrangements unterstützen die Poesie der Texte. Und in der darauffolgenden Prosa erzählt Martin Suter, warum die Zugabe am Anfang steht und dann wie sich die beiden Männer zum ersten Mal beim Strahlen in den Bergen begegnet sind und sie blicken den Berg hinauf und sehen etwas und wissen nicht, was es ist und Eicher singt: „I weiss nid, was es isch. / Aber das möchte i sii.“

Es empfiehlt sich tatsächlich zumindest beim ersten Mal Prosa und Lieder abwechselnd zu lesen und zu hören. So wurde ich in die intime Welt der Geschichten entführt. Und es stellt sich eine Frage nicht: Ist das Fiktion oder Wirklichkeit? Die Geschichten sind Legenden und sind ihrem Inhalt nach wahr. Oder wie es André Heller einmal in einem seiner Lieder formulierte: „Die Lüge ist wahrer als die Wahrheit / Weil die Wahrheit so verlogen ist.“ Insofern wünsche ich dem »Song Book« aufmerksame und geneigte Hörer. Lassen Sie sich von der Schönheit dieses Werkes einfangen und von der Wahrheit der Geschichten über die Schweiz und ihre Menschen überzeugen. Ich kenne die Schweiz nicht so gut, aber ich glaube, sie jetzt ein bisschen besser zu kennen..


Weitere Informationen:
www.stephan-eicher.com
www.diogenes.ch/leser/autoren/s/martin-suter.html

Universal Switzerland / Diogenes

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