Empfehlungen

Die persönlichen Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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Aug 2019
Michael Laages, Hannover

Rainald Grebe & Die Kapelle der Versöhnung - Albanien

Nach fünf Jahren ein neues Lieder-Programm:
Rainald Grebe und „Die Kapelle der Versöhnung“ - Letzte Ausfahrt „Albanien“.

Er war uns fast schon abhanden gekommen – immer intensiver und regelmäßiger verfolgte Rainald Grebe Theaterpläne; kein Wunder eigentlich: der immerhin gelernte Schauspieler und Dramaturg absolvierte erste erfolgreiche Schritte am Theater in Mülheim an der Ruhr und in der Intendanz vom Theaterhaus in Jena. Mittlerweile inszenierte er im eigenhändig verfeinerten Revue-Format an noch renommierteren Häusern, in Leipzig und Berlin, Hamburg und Frankfurt, mehrfach in Hannover und immer wieder in Köln; dort, in der Heimatstadt, verwandelte er sogar heilige Kühe der Lokalgeschichte, zuletzt den „EffZeh“ und zuvor den rheinischen Karneval, in launige Bühnenspektakel. Ein Lied aus einer hannoverschen Produktion hat es sogar ins Programm der neuen CD geschafft: das vom „Anadigiding“, die verzweifelte Hymne über die Allgegenwart digitaler Vernetzung. Für Liedermacherei im vertrauten Gestus war da kaum noch Platz und Zeit; gern gab’s am jeweiligen Theater auch ein Konzert als Zugabe zur hauseigenen Produktion – aber das war’s dann auch. Ein sehr ernst zu nehmender Warnschuss auf gesundheitlichem Terrain kam hinzu – nach all dem können sich Freundinnen und Freunde von deutschsprachigem Liedermaching durchaus freuen über Rainald Grebe jüngste CD.

Mit „Albanien“ singen Grebe und „Die Kapelle der Versöhnung“ das Hohelied auf die blinden Flecken, die der Krawalltourismus allüberall noch hinterlassen hat: Letzte Ausfahrt Albanien. Da sind probate Vorurteile in Kauf zu nehmen: wie das von der Schildkröte, die angeblich in Albanien aus purer schildkrötenfeindlicher Bosheit auf den Rücken gedreht und ausgelacht wird, wenn sie verzweifelt zappelt. Grebe, dieser freundliche Apokalyptiker moderner Zeiten, sieht wahrscheinlich eher die mehr oder minder zivilisierte Menschheit an sich, auf den Rücken gedreht zappelnd und zeternd vor Hoffnungslosigkeit, herum liegen in den selbstgeschaffenen Wohlfühl-Oasen weltweit. Wie kraus und kurios auch immer Grebe über viele Lieder-Programme die eigenen Phantasien ausformuliert hatte, so fatalistisch erzählt er jetzt ulkige Endzeit-Geschichten.

Und da er bei aller Lust am Kommentar zu Fragen der Zeit nie das überbordende Talent des Komikers beiseite gelassen hat, setzen sich die Songs der neuen CD wie giftige kleine Ohrwürmer fest im Bewusstsein von Hörerin und Hörer – Grebe blieb ein fulminanter Entertainer, der die eigene Lässigkeit gern dazu nutzt, der tendenziell unbelehrbaren Kundschaft gehörig auf die Nerven zu gehen. Gut so.

Nicht so gut ist, dass auf der gesamten CD-Verpackung auch nicht einmal erwähnt wird, wer denn bitteschön die beiden ziemlich prächtigen Musiker an Grebes Seite sind – denn mit „Die Kapelle der Versöhnung“ ist ja nicht etwa das Gotteshaus der Versöhnungsgemeinde an der Bernauer Straße in Berlin gemeint, eine Gedenkstätte nahe der früheren Mauer; Grebes Trio-Partner sind der Gitarrist Marcus Baumgart und am Schlagzeug der Schauspieler Martin Brauer.

Der hat ja auch Termine – derzeit im Ensemble vom Schweriner Theater. Aber jetzt, im Sommer 2019, sind Rainald Grebe und „Die Kapelle der Versöhnung“ auch fleißig unterwegs - mit „Albanien“ im Gepäck.


Mehr Informationen:
https://rainald-grebe.de

Versöhnungsrecords

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