Empfehlungen

Die persönlichen Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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April 2018
Michael Laages, Hannover

Rudi Gall: Hass und Krieg

Album: Gall singt Sulke Vol. 2

Stephan Sulke ist wieder da –
im Lied-Duett mit Rudi Gall singt er auch von »Hass und Krieg«

Der ewige Junge

Voll von Erinnerung ist diese Stimme – Stephan Sulke selber ist für zwei Lieder, auch für »Hass und Krieg«, zu Gast auf der CD, die Rudi Gall ihm, Sulke, gewidmet hat. Zum zweiten Mal schon hat sich der Sänger aus Duisburg umgetan im Repertoire des Schweizer Chansonniers, dessen wirklich große Zeit ja bald vier Jahrzehnte zurück liegt. 75 wird der in Shanghai geborene Sohn einer jüdischen Familie aus Berlin Ende Dezember, und noch einmal will er 2018 auf Konzertreise gehen.

»Hass und Krieg«, eingespielt im Duett mit Gall, bündelt das auch nach so langer noch erstaunliche Talent des Sängers, Texters und Komponisten. Was er immer konnte, war genau dies: Lieder klingen zu lassen, als seien sie für Kinder geschrieben; voller einfacher Wahrheit, aber nie schlicht. Über militärisch marschierendem Trommel-Rhythmus erklärt er die beiden sprachlichen Schreckgespenster im Titel einfach zu „dummen Brüdern“, ja sie sind sogar „die dümmsten Brüder, die es gibt“. Und wer will die schon. Die beiden Lied-Strophen greifen derweil Opfer-Erfahrungen auf, beschwören im Hass-Begriff die neue Ignoranz und den Rassismus, der wieder zu Leid und Elend wie im Krieg führen könnte; spielen mit der Geschichte, aus der Menschen lernen könnten – wie Kinder, die nicht wieder tun sollen, was schon einmal weh getan hat. Darunter gemischt sind originale Rede-Sequenzen von Stimmen, deren Besitzer die Welt ins Kriegsinferno von vor 80 Jahren stürzten.

Sulkes Stimme ist dabei so einfühlsam und jugendlich, so klar und absichtsvoll naiv wie früher – er bleibt ein Unikat deutschsprachiger Liedermacherei, immer haarscharf entlang am Schlager schlingernd und dennoch tief verwurzelt in der Geschichte auch des intellektuell und abstrakt entwickelten Chansons mit französisch- und englischsprachigem Horizont. In diesem Ton begann ja Sulkes Karriere - ein Grenzgänger zwischen den Stilen blieb er, was immer er schrieb und sang. Rudi Gall klingt daneben (und auch sonst auf dieser wirklich sehr schönen CD!) viel erfahrener im praktischen Umgang auch mit Pop und Jazz, also in der Vermischung der Sound-Perspektiven.

Klug und neu klingt Sulke mit und durch Gall; und ganz bei sich ist er eben auch – mit 75, und gegen „Hass und Krieg“.


Weitere Informationen:
www.rudi-gall.de
www.facebook.com/Rudi-Gall

D7 / Heduda! Records

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