Empfehlungen

Die persönlichen Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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März 2019
Thekla Jahn, Mechernich

Keimzeit - Geht schief

Album: Das Schloss

Die Unvernunft scheint sich auf der Weltbühne Bahn zu brechen. Gefährliche Brandherde nehmen zu und lassen für die Zukunft nichts Gutes erahnen. Aufrüstung ist nicht nur verbal das Gebot der Unvernünftigen. Kopfschüttelnd stehen wir vor den politischen Entwicklungen, die bis in unseren Alltag wirken. Die ewige Warum-Frage drängt sich auf, doch wir kommen beim Nachdenken nur weiter, wenn wir uns nicht ausnehmen und bereit sind in den Spiegel zu schauen. Geht schief ist ein Lied der brandenburgischen Band Keimzeit, bei dem es um die kleinen wie großen Katastrophen geht. Norbert Leisegang, Sänger und Songschreiber der seit 1982 bestehenden Band hat auf die Frage nach den Gründen eine ebenso einfache wie einleuchtende Antwort: „Wir hören nur das, was wir hören wollen und sehen nur das, was wir sehen wollen und dann geht das, was wir tun in der Regel schief.“ In Zeiten, in denen wir uns immer häufiger in sozialen und medialen Filterblasen und Echokammern bewegen, wirkt es manchmal so als würden Ignoranz, Selbstüberschätzung, Eitelkeit und dererlei Eigenschaften zunehmen. Aber bei Keimzeit gibt es Hoffnung, das Wesen des Menschen ist anders angelegt: „Augen suchen ständig andere Augen und das Ohr will keine Lügen hören.“

Geht schief ist ein Song mit Tiefgang, aber er kommt ziemlich lässig um die Ecke, als eingängiger Reggae, bei dem man sich gleich mitbewegen möchte. Ursprünglich wollte Keimzeit den Liedtext in ein Country-Western-Gewand kleiden. Ein Schelm, wer da Bezüge zu Entwicklungen in und aus den USA herstellen wollte. Doch da gab es Einspruch und zwar vom Produzenten. Keimzeit hat ihr neues, zwölftes Studioalbum »Das Schloss« von Moses Schneider produzieren lassen. Moses Schneider, der schon mit Beatsteaks oder Tocotronic zusammengearbeitet hat, empfahl einen Reggae und das hat dem Stück gutgetan. Es hat fast Ohrwurmqualitäten, was für einen nachdenklich machenden Text ja nicht das schlechteste ist. Sehr schön – und das gilt nicht nur für Geht schief, sondern das gesamte Keimzeit-Album - ist der am Live-Sound der Band orientierte Klang der Songs. Die Brüder Norbert und Hartmut Leisegang (Bass), Schlagzeuger Lin Dittmann und Keyboarder Andreas Sperling sowie Martin Weigel an der Gitarre und Sebastian Piskorz an der Trompete haben 12 anspruchsvolle Stücke parat, mal sind sie lakonisch, mal witzig, mal melancholisch und in jedem Fall originell umgesetzt, weshalb ich - an dieser Stelle angekommen – es richtig schade finde, dass ich nur ein Lied des Monats empfehlen soll, denn auf dem Album »Das Schloss« sind gleich mehrere empfehlenswert.


Weitere Informationen:
www.keimzeit.de

Comic Helden

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