Empfehlungen

Die persönlichen Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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Dez 2018
Katja Klüßendorf

Konstantin Wecker: Sage Nein! - Antifaschistische Lieder 1978 bis heute

„Walter Benjamin entlarvte den Kapitalismus seinerzeit als ‚Ästhetisierung der Politik‘. Als Reaktion auf die durch soziale Ungleichheit hervorgerufene Wut, hat der Faschismus nicht nach politischen Lösungen gesucht wie etwa nach einer gerechteren Verteilung wirtschaftlicher Ressourcen, sondern die ‚Massen zu ihrem Ausdruck kommen lassen‘“, zitiert Konstantin Wecker den Philosophen, „und genau das, genau das passiert jetzt wieder, Willy.“ Der Titel »Willy 2018« ist erst der Auftakt auf seinem neuen Album »Sage Nein! - Antifaschistische Lieder 1978 bis heute«, doch schon hier lässt Wecker mit viel Wut, Kraft und Leidenschaft seinen Frust über die aktuelle politische Misere raus. Denn er habe Angst, „dass Europa faschistisch wird, das ist doch klar absehbar“ (Aachener Zeitung, 2. August 2018).

»Willy«, dieses bissige Lied machte den Münchner Liedermacher vor über 40 Jahren berühmt. Darin erzählt er die Geschichte seines Freundes, der mit Rechten aneinander gerät und von ihnen erschlagen wird. Heute singt er sein altes Lied neu, nicht nur deshalb ist es ist aktueller denn je. Weckers Antifaschismus zieht sich wie bei Franz Josef Degenhardt kontinuierlich wie ein roter Faden durch sein Werk. Scheint dieser bei anderen Künstlern (zumindest teilweise) Bestandteil des Selbstmarketings zu sein, bildet dieser für den heute 71-Jährigen nicht zuletzt durch das Vorbild seiner Eltern, Pazifisten und Antifaschisten, das Fundament seines Schaffens als Musiker, Komponisten und Autor.

Neben »Willy 2018« und der ersten Version dieses Kultliedes gibt es den neuen Song »Das Leben will lebendig sein« und Klassiker wie »Sage nein!«, »Vaterland«, »Die weiße Rose« und »Ich habe Angst«. Weckers Auswahl ist musikalisch sehr vielfältig. Neben Stücken, die er am Klavier und mit seiner Band spielt, gibt es mehrsprachige, weltmusikalisch anmutende Lieder (»Bella Ciao«), komplette Rockinstrumentarien (»Empört Euch«, »Das macht mir Mut«), Bluesharp (»Den Parolen keine Chance«) und Chorgesang (»Blümlein stehn am Waldessaum«). So ist das Album nicht "nur" für Wecker-Fans eine Empfehlung, sondern für alle, die von einer besseren Welt träumen, für die Solidarität kleine Floskel ist, die den Mut haben, nein zu sagen und Widerstand gegen den rechten, kapitalistischen Alptraum zu leisten.

„Diese CD ist nicht zum Geldverdienen gemacht“, so Konstantin Wecker. Das Album ist für zehn Euro erhältlich, davon wird ein Teil der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.) gespendet.


Mehr Informationen:
www.wecker.de

Sturm & Klang

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