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Die persönlichen Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
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Aug 2019
Kaja Klüßendorf, Berlin

Max Prosa - Brüder und Schwestern

Album: Mit anderen Augen

»Ihr seid die, die meine Musik hört. Also möchte ich ein Album für euch machen, auf meine eigene Art und frei von Kompromissen. So habe ich angefangen dieses Album selbst zu produzieren, genau wie meine ersten beiden Alben »Die Phantasie wird siegen« und »Rangoon« auch.« Denn mit der Galeere eines Major-Labels konnte sich der Berliner Singer-Songwriter Max Prosa nicht so recht anfreunden und kehrte daher aus dem vermeintlich sicheren Hafen wieder zurück. Seine Fans, die seine neue Platte »Mit anderen Augen« über Crowdfunding ermöglicht haben, werden es nicht bereuen. Herausgekommen sind 14 Lieder über Sehnsüchte, Naturkräfte und Widersprüche dieser Welt, instrumentiert mit Band.

Von diesen ist mein Favorit der letzte Song »Brüder und Schwestern«, denn der Titel hält, was er mir verspricht. »Ich heb" mein Glas auf die Vielen, deren Namen keiner kennt. Die im Hintergrund wirken, deren Licht immer brennt. Auf ihre Hände, die sich an die Knoten trauen und sie nicht mit dem Schwert in Stücke hauen«, beginnt er das Stück. Noch eher leise, begleitet von Gitarre und Bass. Schon leicht schief, unkonventionell, nicht sehr gefällig. Das Lied nimmt Fahrt auf, Prosa schreit sein Lied heraus, voller Inbrunst. Schlagzeug und Klavier kommen dazu und geben ihm Rückendeckung. »Brüder und Schwestern, ich glaub" daran, dass unser Licht die Welt verändern kann. Götter und Helden gibt es nicht mehr, es sind jetzt nur noch wir«, schreit Prosa den Refrain mit einem Hall wie aus einem Megafon.

»Brüder und Schwestern« scheint mir die passende Musik zu sein für die Tausenden Schülerinnen und Schüler, die jeden Freitag unter Bannern wie »Burn capitalism, not coal« für eine bessere Welt auf die Straße gehen. Ja, sein Song hat das Zeug zum so notwendigen Protestlied von heute. Und Vergleiche zu Bob Dylan, John Lennon oder Mick Jagger liegen wegen Stimme, Thema oder Gestik nahe. Aber damit würde man ihm und letzteren nicht gerecht werden, denn da fehlt es Max Prosa insgesamt (noch) an Reife und Erfahrung. Zum anderen hat er mit seinen 30 Jahren einen eigenen, unverwechselbaren Stil – und das Potential, zu einem ganz großen deutschsprachigen Singer-Songwriter zu werden. »Es rettet uns kein höh’res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun. Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun«, heißt es in der »Internationale«. »Kein Gott wird uns retten, kein Held uns befreien, wir müssen es selber sein«, heißt es in der letzten Zeile von »Brüder und Schwestern«.


Weitere Informationen:
www.maxprosa.de

Prosarecords

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