Die norddeutsche Küstenregion lebt von ihren maritimen Ambitionen wie der Fischerei und der Schifffahrt - und von den Liedern darüber. Das ist seit Jahrhunderten so und der vorhandene Schatz an Liedern, Geschichten, Seemannsgarn und Legenden scheint so groß und prachtvoll zu sein, dass er nur Stück für Stück weiter gehoben werden muss, um der Menschheit auch fürderhin norddeutsches Liedgut reichlich zu bescheren. So könnte man glauben, jedenfalls.
Der mecklenburgische Sänger und Liedermacher Wolfgang Rieck gehört seit Jahrzehnten zu den Schatzgräbern. Aber neben den sagenumwobenen und schrägen Gestalten aus der Seefahrt, die sich in seinen Programmen tummeln, finden sich bei ihm auch immer wieder Lieder, die einen ganz heutigen Blick auf Mentalität, Lebensweise und Humor der Mecklenburger freimachen. Und schnell wird klar, dass auch heute die Faszination des Meeres noch eine große ist, dass sich die sprichwörtliche Einsilbigkeit über die Jahrhunderte nicht verloren hat und die vermeintlich kargen Landstriche im Norden ihre eigene Poesie ausstrahlen.
Nach längerer Zeit hat Wolfgang Rieck, der seit seinem Ausstieg bei Liederjan solistisch arbeitet, am Ende des letzten Jahres eine neue CD mit einer Reihe eigener Lieder und Liedern nach Texten von Theodor Kramer, Joachim Ringelnatz u.a. vorgelegt. Obwohl sie "Alles muss sich wandeln" heißt, zeugt sie doch davon, dass es immer noch die ruhige, unaufgeregte und auf den zweiten Blick sehr poetische Art des Wolfgang Rieck ist, die uns einige sehr anhörenswerte Lieder beschert. Da haben Musikerkollegen wie Karl-Heinz Saleh und Jens Naumilkat sehr einfühlsam mitgetan, haben Streichquartett, A-Capella-Quintett und die Kirchenorgel der Rostocker St. Marienkirche gezielt dem anderen Instrumentarium zugeordnet und jenseits maritimer Versuchungen ein spannungsreiches norddeutsches Klangbild geschaffen. Auch wenn das Lied "Winter, oh du kalter Freund" gerade im Februar gut stünde, empfehle ich das Titelstück "Alles muss sich wandeln" zum genaueren Hinhören.
Persönliche Empfehlung im Februar 2004: Danuta Görnandt, Potsdam Text/Musik: Wolfgang Rieck Eigenproduktiom - wolfgang-rieck@t-online.de |