Wenn ich an Stephan Krawczyk denke, dann habe ich als erstes das Cover seiner LP "Wieder stehen" vor Augen. Mit weit aufgerissenem Mund schreit er förmlich seine Wut heraus. Verblümt und unverblümt prangerte er die Miss- und Zustände in der DDR an. Berufsverbot und Ausweisung im Februar 1988 waren bekanntlich die Folge. Bei seiner ersten Westtournee, kurz danach, entdeckte ich einen nach außen hin ruhig wirkenden Krawczyk, der mit leiser Gitarren- und vor allem Bandoneonbegleitung seiner - glücklicherweise - immer noch wütenden inneren Stimme in treffenden Texten Ausdruck verlieh. Er schuf Bilder, die man (be)greifen konnte, wenn er etwa die "Fetzen aus'm Himmelszelt" riss.
Doch bald wollte kaum noch einer den singenden Bürgerrechtler mehr hören. Eine gewisse Verbitterung zeichnete manches Lied und manches Konzert aus. Daneben schrieb er Bücher voller poetischer Kraft und Phantasie: Das irdische Kind, Der Narr. Und jetzt erscheint eine neue CD. Erstes Erstaunen: Krawczyk hat sich musikalische Verstärkung ins Liederboot geholt, eine Band, die allerdings eher spartanisch zurückhaltend begleitet. Und das ist auch gut so. Zweites Erstaunen: Die Texte behandeln, bis auf eine ironische Abrechnung mit den politischen Selbstbedienern, private Themen. Da ist die Balance zwischen plump direkt und hintergründig nicht immer gleich zu durchschauen. Aber leicht will Krawczyk es sich und uns auch nicht unbedingt machen.
Und dann ist da noch ein Lied, das ganz einfach ein Liebeslied oder Liebesgedicht ist: "Heute". Manch einer mag von kitschigen oder abgegriffenen Bildern sprechen, wenn etwa die "Tauben auf Dächern zärtlich ihre Köpfe dreh'n". Egal. Wichtig ist: "Heute wissen wir: die Zeit ist für den Augenblick bestimmt."
Persönliche Empfehlung im August 2004: Hans Reul, Eupen Text & Musik: Stephan Krawczyk Eigenverlag - www.stephan-krawczyk.de |