Als Westfale bringt mir das Anhören bayrischen Liedgutes in der Regel keine beein-druckenden Aha-Erlebnisse. Um so erfreuter war ich, als ich die CD des mir bis dahin unbekannten Williams Fändrich und seiner Band auflegte. Da schafft es einer, bayrisches Bluesgefühl zu verbreiten. Dabei ist mein Favorit auf der CD "Schnoad Soul" gar kein Blues. Von düster monotonem Stampfrhythmus begleitet, singt Fändrich im Titel "Unterwegs" davon, dass er abhauen will, nach Süden. Das ist nun wirklich keine originelle Idee, aber so wir hier habe ich es in Deutschland noch selten gehört. Das ist nicht die Ankündigung eines Aussteigens in Richtung Toskana; Fändrich ist "unterwegs im Namen des Wahnsinns" - eines Wahnsinns, der nicht genau benannt wird, den wir aber alle täglich selbst erleben und erleiden. Das kann die Situation des Arbeitslosen genau so gut meinen wie das Leid einer unglücklichen Liebe, die gnadenlose Ausbeutung und Vernichtung ganzer Völker zur Wahrung wirtschaftlicher Interessen oder den Tod eines Angehörigen. Wie jeder gute Song ist auch dieser auf den verschiedensten Ebenen interpretierbar und gültig - und auch die Konsequenz ist uns allen bekannt. Wer wollte nicht schon mindestens einmal in seinem Leben diesem Wahnsinn entfliehen, nach Süden, wo immer die Sonne scheint, wo es immer warm ist, ins Land seiner Träume. Und ebenso wie bei den meisten von uns klingt auch bei Fändrich durch, dass er seinen Traum wohl nie verwirklichen wird.
Das Ganze ist musikalisch hervorragend sparsam arrangiert mit Perkussion und Bass (Thomas Korpiun und Uwe Knüppel), wunderschönen Klavierläufen (Nicole Winter) und einer Slidegitarre, von Fändrich selber gespielt, die ebenso schön schräg daher kommt wie seine Stimme.
Persönliche Empfehlung im Oktober 2004: Ingo Nordhofen, Witten Text/Musik: Fändrich Grundsound - www.la-la-land.dee |