Weiherer, Mundart-Liedermacher und, nach eigener Auskunft, "Singer/Songwriter, Geschichtenerzähler und Kabarettist", heißt eigentlich Christoph Weiherer, ist 24 Jahre alt und stammt aus der niederbayerischen Gemeinde Zeilarn. Mit Neunzehn schreibt er seine ersten Lieder und trägt sie zu eigener Gitarrenbegleitung vor. Mit Zweiundzwanzig hat er seinen ersten größeren Auftritt bei einem Liedermacher-Treffen in Erfurt. Inzwischen ist Weiherer mit seiner "bavarian liedermaching-tour" - außer nach Österreich und in die Schweiz - schon mehrfach erfolgreich bis nach Göttingen und Hamburg vorgedrungen, wobei die Norddeutschen entgegen landläufiger Vorstellung mit Weiherers bayerischem Dialekt offensichtlich keinerlei Verständnisprobleme haben. Seinen erlernten Beruf - Chemielaborant - hat der Künstler längst zugunsten der Musik aufgegeben.
Vor wenigen Monaten hat Weiherer seine zweite CD veröffentlicht - mit dem Titelsong "Scheiß da Hund" und der Titelzeile eines selbstbewussten Unangepassten, der nicht daran denkt, sich Trends und modischen Zwängen zu unterwerfen, seien sie nun politischer, gesellschaftlicher oder künstlerischer Natur. Auf Hochdeutsch: "Ich bin so wie ich bin, und auf alles andere da soll doch der Hund draufscheißen."
Das Lied mit dem Titel "Eia Sissdem" ("Euer System"), das ich Ihnen von dieser CD besonders empfehlen möchte, schildert im Vergleich zum Titelsong vordergründig den genau entgegengesetzten Fall. Hier schlüpft Weiherer in die Rolle eines total Angepassten und "ins System Integrierten", der sich in seiner Resignation allerdings keine Illusionen mehr macht über die Ursachen und Folgen seiner fragwürdigen Haltung. Das Lied wird damit zur sarkastischen Anklage gegen eine gefährlich unpolitische Gesellschaft im allgemeinen und gegen diejenigen Vertreter seiner eigenen Generation im besonderen, deren "Engagement" sich auf die zweifelhaften Freuden der Spaß-Gesellschaft beschränkt. "Eia Sissdem" war schon auf Weiherers erster CD zu hören. Für diese auch musikalisch sehr gelungene Neuaufnahme hat er neben der ursprünglichen Gitarrenbegleitung zusätzlich Bass und Akkordeon selbst eingespielt, was die ein wenig melancholische und schöne Folk-Färbung der Musik besonders unterstreicht.
In einer Zeit, in der lärmend die Comedy dominiert, und in der sogar gestandene Liedermacher auf elektronische Beats und Techno-Schnickschnack bisweilen nicht verzichten zu können glauben, ist ein scheinbar altmodischer "Protestsänger" wie der junge Weiherer, mit Akustik-Gitarre oder Akkordeon als einzigem Begleitinstrument, eine wohltuende Ausnahmeerscheinung.
Persönliche Empfehlung im Dezember 2004: Karl-Heinz Schmieding, Saarbrücken Text/Musik: Christoph Weiherer Goodlife Records - www.paengg.de
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