„Da Blues is bei mir eizog’n, nix is mehr wia zuvor, aber irgendwie kimmt a ma vor wia a guader older Freind“. Kein Zweifel, der Mann spricht die Wahrheit. So spielt ihn keiner, der den Blues nur hat, so zelebriert ihn einer, der ihn liebt und lebt. Schon lange hat mich kein Deutsch gesungenes Album mehr musikalisch so stark eingenommen. Die CD mit offene Knia beweist wieder einmal, dass das Vehikel für Lieder eben die Musik ist, will heißen, die Melodie und ihre musikalische Umsetzung. Wer hört sich schon zum wiederholten Mal eine CD an, deren Melodien und Arrangements langweilig und kraftlos sind. Da können die Worte noch so wohlgeformt und gut gemeint sein.
Ganz anders Schorsch Hampel und seine Bagasch auf ihrem mit Ausnahme des Bonustracks vollakustisch aufgenommenen neuen Album: Man spürt vom ersten Ton an, dass hier ein paar gestandene Männer den Mississippi-Blues aufgesogen haben. Die Songs sind knackig, kräftig gespielt und die Melodien weisen gerade die richtige Dosis an Erkennungswert auf. Vor allem Bandleader Hampel an der Slide-Gitarre und anderen Gitarren und Ferdi Eichner an der Mundharmonika sind eine Klasse für sich. Ach ja, und Schorsch Hampel singt den Blues nicht auf „Deutsch“, er singt ihn auf Bayerisch. Die Texte sind so ehrlich wie die Musik und schaffen die direkte Verbindung vom Mississippi-Delta zu Bayern. Allerdings musste ich schon ein paar Mal reinhören, um jedes Wort zu verstehen. Das machte mir zwar überaus Spaß, doch wäre für Nicht-Bayern ein Abdruck der Texte kein Luxus. Mit offene Knia kann ich trotzdem auch allen Nicht-Bayern wärmstens empfehlen. Von den elf starken Songs und einem Instrumental möchte ich vor allem die Dylan-Adaption „Zum Lacha braucht’s an Haufa, zum Waana langt a Zug“ und das ausschließlich mit Gesang, Mundharmonika und Handklatschen eingespielte „Da Blues is bei mia ei’zog’n“ hervorheben. Wetten, der Mann bekommt den Blues nicht mehr los!
Die persönliche Empfehlung - Februar 2007 CD Mundart Ageh/BSC Music Empfohlen von Martin Steiner, Winterthur, Schweiz
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