Sich von den eben noch als verstaubt empfundenen Lyrikbänden der Großmutter begeistern zu lassen, das Volkslied mit seinen einfachen und doch so wahren Worten wieder hervorzuholen, nach einer neuen Romantik zu suchen, eine neues deutsches Lied zu erfinden - momentan scheinen sich einige Musiker eben damit zu beschäftigen.
Bobos Lieder von Liebe und Tod ist nicht das erste Album des letzten halben Jahres, das den Brückenschlag zwischen altem Text und neuem Ton versucht. Aber es ist das erste, das mich überrascht und begeistert: Intensiv, persönlich, anrührend, romantisch, traumhaft, niemals kitschig oder nostalgisch kommen die 14 Lieder der neuesten Traumton-Veröffentlichung daher. „Die Gedanken sind frei“ (Tipp! Track 6) und so kann durch Bobos klare Stimme, durch das ernsthaft-verspielte Zusammenfügen von heutigen Emotionen und gestrigen Worten etwas völlig Neues entstehen.
Ja, man kann Texte der großen deutschen Lyriker Goethe und Eichendorff vortragen, ohne in die Verkünstelung bildungsbürgerlich-kammermusikalischer Darbietungen abzurutschen. Ja, man kann alte Weisen aus dem Elsass, aus Siebenbürgen, aus dem Rheinland interpretieren, ohne sich an den oftmals gehörten, wunderbar altmodischen Texten zu verheben. Dank an Sebastian Herzfeld und Bobo, die den Liedern durch ihre ausgeklügelten Arrangements und die wundervoll sparsame Instrumentierung neues Leben einhauchen.
Bleibt festzustellen: Es kann das Volkslied im Jazz geben und Bobo hat mit dem Album Lieder von Liebe und Tod den ersten Meilenstein dieses eigenartigen Subgenres gesetzt. Ich bin gespannt, ob andere Musiker ihr auf diesem Niveau nachfolgen können. Bis dahin: Genießen Sie’s!
Die persönliche Empfehlung CD - April 2007 Traumton Empfohlen von Eva Kiltz, Berlin |