Die persönliche Empfehlung – März 2008 Conträr Musik (www.contraermusik.de)
In schlichter Schatulle, so bieten gute Juweliere ihre Kostbarkeiten an. Bernie Conrads, einer der großen Musikjuweliere in Deutschland, präsentiert im optisch unaufdringlichen, aber gelungenen Digipack elf neue Songjuwelen. Und da Perlen und Edelsteine erst in der richtigen Fassung ihren vollen Glanz entfalten, hat er sich der Unterstützung einiger alter Freunde versichert, die ebenfalls hochkarätige musikalische Goldschmiede sind. Allen voran Stefan Stoppok, der nicht nur als Produzent und Arrangeur, sondern auch auf allen möglichen Saiteninstrumenten für guten Ton sorgt. Danny Dziuk steuert sein gekonntes Keyboardspiel bei und betätigt sich ebenfalls als Arrangeur. Bernhard Schumacher, Conrads alter Weggefährte aus den Zeiten von Bernies Autobahn Band, bedient meisterlich die Blasinstrumente. Wolf Wolff fungiert lässig taktvoll als Perkussionist, und nicht unerwähnt bleiben sollen Roger Schaffrath, der bei einem Stück wunderschön dezent die Slide Guitar spielt sowie Michael Spindler, der ein anderes mit satten Bassläufen begleitet.
Die Kunst des Liedermachers besteht darin, Geschichten zu erzählen, die anrühren. Dafür reicht es nicht, diese Geschichten nur in Reime zu bringen. Jede Geschichte lebt von ihrer Sprache. Sie braucht das Talent des Autors, das Geschehen kurz und prägnant auf den Punkt zu bringen, durch stimmige Bilder und Vergleiche die passende Atmosphäre zu erzeugen und sie interessant und spannend darzubieten. Und einer der ganz wenigen, die hierzulande diese Kunst beherrschen, ist Bernie Conrads. Mit seiner unnachahmlichen Stimme singt er, als würde er in der Kneipe beim dritten Bier den alten Musikerfreunden Stories seines bewegten Lebens erzählen. Noch fähig, klar zu denken, aber schon bereit, sich mehr zu öffnen als gewöhnlich, spricht er über seine Gefühle bei der Trennung, damals in der Provençe. Dann lässt er sie an seiner Freude über das schöne Wetter oder seiner heimlichen Liebe zur netten Wurstverkäuferin Teil nehmen oder äußert seine Abscheu vor falschem Stolz. Keine großen Themen, keine großen Worte, Alltag eben, in alltäglicher Sprache, und gerade das macht die Songs so greifbar.
Das sind die Gefühle, die wir alle kennen, aber nie so ausdrücken könnten. Man spürt, dass er nicht über sie singt, sondern dass sie gerade wieder ganz präsent sind. Und die Freunde kennen diese Gefühle ebenfalls, können sie in Musik umsetzen, lassen die Flöte verloren weinen, die Tuba freudig hüpfen, die Mandoline aufgeregt zirpen oder das Keyboard sehnsüchtig seufzen. Das ergibt wundervolle Arrangements, die sehr entspannt klingen und ohne falsches Brimborium auskommen. Ein solch gelungenes, rundes, in sich stimmiges Album habe ich lange nicht mehr gehört und wünsche ihm viele, viele aufmerksame Zuhörer. |