Walzer-, Polka- und Gypsy-beeinflusste Stücke aus dem gesamten Donauraum präsentiert der Kontrabassist und Sänger Georg Breinschmid auf seinem Album Wien bleibt Krk. Breinschmid war ursprünglich klassischer Kontrabassist (u. a. bei den Wiener Philharmonikern), bevor er sich dem Jazz zuwandte und ständiger Kontrabassist des Vienna Art Orchestra wurde. Vor wenigen Jahren machte er erneut eine Kehrtwendung. Seither ist er als Komponist und Sänger unterwegs. Dabei untersucht er im Geiste von Hermann Leopoldi, Gerhard Bronner bis hin zu Roland Neuwirth das Wienerische im Lied, gemeinsam mit einer illustren Schar an Musikerkollegen. Z. B. mit Tini Kainrath und Willi Resetarits im Lied „For the lost daughters…“, bei dem es – basierend auf Mirjam Ungers gleichnamigen Film – um das Thema Emigration und Entwurzelung geht. Das Lied ist das Herzstück des Albums: „Mit oller Gwoit hobts ihr mi aussegrissn/Aus mein scheenen oidn Blumentopf“, heißt es da, und: „Dabei waar ich so gern noch bliebm/[…]/Warum hobts ihr mi ausseghaut/I hob ned gwusst wie mir geschieht…“
Und wo Wien da Balkan, und somit begibt sich Breinschmid musikalisch natürlich in breitere Gefilde, rüttelt am Wienerlied und erweitert es. Ohne tagesaktuell Politisches abzuliefern ist Wien bleibt Krk eindeutig ein politisches Statement, denn Wien war ja immer schon ein Schmelztiegel. Breinschmid verbeugt sich aber auch in humorvoller Weise vor Falco im mehrsprachigen – englisch, deutsch, Dialekt – Lied „I pee a hedgehog with long-lasting waves“, auf gut wienerisch „I schiff an Igl mit Dauerwellen“, mit dem Schmäh-Satz „Falco lebt, aber wir leben richtig“, und er amüsiert sich über seine eigene Fußballer-Vergangenheit im wunderbaren „Fußball-Aversions-Wienerlied“, in dem er das Bekenntnis ablegt: „Es woa oft sehr traurig, und es woa sehr schlimm/Beim Fußball ein sehr großer Trottel ich bin.“
Der Großteil der Lieder entstand übrigens im Verbund mit dem Virtuosen Beni Schmid an der Stradivari-Violine aus dem Jahr 1731 und dem Norweger Stian Carstensen – bekannt wurde er mit der Band Farmers Market – am meisterlich gespielten Akkordeon unbekannten Datums. Ein Trio, an dem niemand vorbei kommt mit einem singenden Bassisten, dessen Profil in seinem dritten Karriere-Abschnitt mehr und mehr das Profil eines Liedermachers annimmt.
Die persönliche Empfehlung CD – April 2008 Zappel Music (www.georgbreinschmid.com)
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