Liedermacher schilt man häufig Jammerlappen. Sie klagten nur über die ach so schlechte Welt, sagt man. Götz Widmann aber freut sich, dass er leben darf, und das, ohne je Soldat gewesen zu sein – und fast ganz legal. Das Lied entstand, nachdem sich Widmann mit seinem Freund und Kollegen Stefan Stoppok bei einem Spaziergang durch Aachen über ihr Leben als Musiker ausgetauscht hatte. Es schildert, wie er sich noch vor der so genannten mündlichen Anhörung bei der Musterung durch die Gesetzesmaschen schmuggeln konnte und dafür Ersatzdienst „bei Omas und Opas“ leistete. Es beschreibt, was man aus „Saving Private Ryan“ kennt und ihm erspart geblieben ist. Sogar der Ausbildung an einer Waffe konnte er sich entziehen. Seiner Erzählung fehlt jegliches schlagerhafte, bei solchen Themen oft gehörte, überschwengliche, frömmelnde Pathos einer religiös verbrämten Pseudodankbarkeit. Bei Widmann drücken Text, Melodie und Gitarrenarrangement mit einem rockigen Zwischenteil sein persönliches Empfinden – Glück, Stolz, Selbstbewusstsein und Lebensfreude – aus. Das Lied ist – musikalisch – ein relativ komplexes Stück. Die Melodie fällt auf, denn sie ist keine Allerweltsmusik. Erstmals verwendet hier Widmann auf seinem Instrument nicht die Standard-Stellung, sondern ein open tuning und ist dabei auf seinen Fingersatz sehr stolz. Mit seiner sechssaitigen Gitarre zupft er sechs Mal ein D. Der rockige Zwischenteil illustriert dann die Anfangsszene in von „Saving Private Ryan“ in Widmanns Interpretation. Hat man „Ich durfte leben, ohne Soldat gewesen zu sein“ mehr als einmal gehört, wird das Lied leicht zum Ohrwurm.
Die persönliche Empfehlung Lied – Juni 2008 Auf: Götz Widmann – Böäöäöäöä Ahuga! (www.ahuga.com) Empfohlen von Stephan Rögner, Frankfurt am Main
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