Ja, zehn Jahre ist das schon her. Oder nur zehn? Derart an Tempo und Dynamik zugelegt haben Vereinheitlichung und Angleichung im neuen Deutschland der Kanzlerin aus der Uckermark, das diese neuerliche Erinnerung den Sänger und Poeten Gerhard Gundermann wirklich schon wie aus sehr sehr ferner Zeit zu uns ins Jetzt herüber klingt. Zum 10. Todestag dieses Sonderfalls der deutschsprachigen Rock- und Song-Geschichte hat das in Sachen Gundermann so rührige Ostberliner Buschfunk-Label eine Doppel-CD vorgelegt, die sich selbstbewusst Auswahl 1 nennt; und eben nicht „Best of“, oder wie dergleichen meistens heißt. Es könnten noch beliebig viele „Auswahl“-Folgen folgen – alles von Gundermann, so wird suggeriert, sei potenziell auswahlfähig. Und fast ist das ja auch so. Insofern gibt's von Gundermann nichts Neues. Nur vieles zu erinnern – und noch mehr noch einmal oder gar neu zu hören. Anno 2000 etwa wurde Richard Engels Gundermann-Film Ende der Eisenzeit in der Berliner Volksbühne uraufgeführt: als Beschwörung eines toten Helden; ein Stück Film findet sich auf der CD. Genau diese Helden tauchen immer wieder auch in Gundermanns Lieder-Poesie auf; und da gleichen einander plötzlich Che Guevera (den ein Foto im Booklet als Wandschmuck in Gundermanns Zimmer zeigt) und all die „Bravehearts“ und „Ivanhoe“-Ritter aus den Groschenheften unserer Kinderzeit. Aus heutiger Perspektive, der Sicht der Nachgeborenen auch der deutschen Zweisamkeit also, mischt sich all das zum uralten Traum vom glücklichen Herrscher über ein glückliches Volk. Sonderlich demokratisch ist dieser Traum sicher nicht; Demokratie ist Mittelmass, Durchschnitt, Kompromiss aus Prinzip. Helden kennen all das nicht. Und bleiben darum so rein, durch wieviel Dreck und Elend sie auch waten.
Gundermann hat Ikonen dieser Art beschworen – in einer Sprache, wie sie zu seiner Zeit niemand anders besaß. Und nach ihm kamen erst nichts und niemand, der ansatzweise vergleichbar wäre. Und so staunen wir denn einmal mehr – weil wir ratlos und hingerissen dasitzen und hören (und diesmal auch sehen, weil die zweite CD Konzert-, Video- und Film-Ausschnitte versammelt), was dieser herrliche Märchenonkel zu erzählen hatte. Das mag vorbei sein. Und wenn schon – seine Träume leben und werden gebraucht. Seine Alpträume auch. Die persönliche Empfehlung – August 2008 CD: Buschfunk (www.buschfunk.com) Empfohlen von Michael Laages, Berlin |