Leo Lukas, Jahrgang 1959, ist ein österreichischer Kabarettist, Regisseur und Schriftsteller. Seit 1984 arbeitet es als Kabarettist, schreibt aber nebenher noch Reisereportagen, Kindermusicals sowie Perry-Rhodan- und Atlan-Romane. Der „Bonobo Song“ entstammt seinem aktuellen Album Lebenslänglich, und ich bin fast sicher, dass er im Rundfunk höchstens zwischen 3.00 und 4.00 Uhr in der Nacht gespielt werden darf, denn er ist, gelinde gesagt, in seiner Wortwahl derb. Genau das ist es aber, was mir dieses Lied auf Anhieb sympathisch gemacht hat. Worum geht es?
Im schleppenden Rhythmus Nachtbar-geeigneter Musik (incl. Fingerschnipsen) räsonieren Lukas und seine Gesangskollegin Irene S. (ihren Nachnamen erfährt man nicht) über den aktuellen Stand der Menschheit: Überall nur Gemeinheit und Intrige, jeder kämpft gegen jeden, der Egoismus feiert fröhliche Urständ - wenngleich das alles natürlich nicht von Fröhlichkeit geprägt ist. Wie kann man das ändern?
Die Lösung findet Lukas bei den Bonobos. Diese auch Zwergschimpansen genannten Primaten sind, bei einer genetischen Übereinstimmung von fast 99%, wohl die nächsten Verwandten des Menschen. Das eine Prozent bedingt aber neben dem Aussehen noch einen weiteren gewaltigen Unterschied zum homo sapiens - bei Konflikten wird nicht massakriert, sondern kopuliert. Da können noch so viel Soldaten aller Länder für welchen Frieden auch immer kämpfen - „fighting for peace is like fucking for virginity“, wie ein gar nicht so dummer Spontispruch aus den Sechzigern sagt.
Und so lautet die Empfehlung natürlich: „Lasst uns ficken, bis die Erde bebt! Weil das die Gesundheit fördert und die gute Laune hebt. Das macht glücklich und zufrieden und ein heiteres Gemüt.“ Ein drastischer Rhythmuswechsel macht auch gleich hörbar, wie sehr sich die Laune bessert, und nun präsentieren uns Lukas und Irene S. in herrlich anarchischer Klarheit und, fernab jeglicher Verklemmtheit, unter Nutzung jeder Menge „schmutziger“ Wörter ihre Vorstellungen vom Umgang mit Konflikten: „Glaubt mir - ein dezenter Fick ist die einzige vernünftige Entspannungspolitik.“ Ja, mein Gott, Joschka, mit Condi nicht in die Kiste zu gehen, war das vielleicht dein größter Fehler? Andererseits, die Knutscherei von Breschnew und Honecker hat’s auch nicht gebracht...
Wie dem auch sei, für Lukas ist die Sache klar: „Sei kein Aff, sondern make love, not war!“
Empfohlen von Ingo Nordhofen, Witten
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