Selten ist es mir so schwer gefallen, eine persönliche Liedempfehlung zu schreiben. Nicht aus Mangel an Gutem, sondern wegen Überfluss an Liedern mit Niveau. Das muss auch einmal gesagt sein. So, wie ich Ernst Molden und sein „Wiesenliegen“ empfehle, könnte ich den LiedfreundInnen drei, vier Lieder für den Monat August an Herz und Ohr legen. „Wiesenliegen“ trifft allerdings am besten die Stimmung im Juli. Die lähmende Sommerstimmung in einer Großstadt wie Wien. Ernst Molden ist Wiener, arbeitet als Journalist, Schriftsteller und Sänger, aktuell tourt er unter anderem mit Harmonikaspieler Walter Soyka. H.C. Artmann nannte ihn einmal den „letzten Victorianer“. Was seine ganz große Stärke ist: Ernst Molden kann beschreiben, Stimmungen erzeugen, man riecht seine Lieder, man schaudert, ekelt sich bisweilen oder kriecht hinein in die Welt der verwobenen, dennoch nüchternen Texte. „Wiesenliegen“ zeichnet die Stadt Wien – und das, was man an einem Sommertag darin erleben kann, wenn alle Sinne dazu bereit sind. Da nimmt man stinkende Kanäle genauso wahr wie zerplatzende Taubeneier, fühlt mit den Trostlosen der Stadt – „ es wird dämmrig unter Männern, die sich nicht mehr wehren“ – und fühlt das Pistazieneis den Handrücken entlanglaufen. Ist es Genremalerei? Ist es harte Dokumentation? Ist es feinsinnige Poesie? Sicher von allem etwas. Grandios – dieses Lied: Auch wenn es Filmer, Fotografen oder Maler arbeitslos macht. „Wiesenliegen“ ersetzt sie – poetisch und musikalisch. Die persönliche Empfehlung – August 2008 Lied: Ernst Molden – Wiesenliegen Auf: Ernst Molden – Wien Monkey (www.monkeymusic.at) Empfohlen von Ulrike Zöller, Pellheim/Dachau
|