Der Black war, als er noch ohne den bestimmten Artikel firmierte, die eine Hälfte des Duos Schobert & Black, das in den Sechziger- und Siebzigerjahren mit gehobenem Nonsens und wahrhaft witziger Gesellschaftskritik große Erfolge feierte. Heute würde das wahrscheinlich unter „Comedy“ laufen, aber damit täte man den beiden Unrecht. Sie waren stets Tänzer auf dem Trennseil zwischen Klamauk und Kabarett. Nun hat also der Black, im reifen Alter von über 60 Jahren, seine erste Solo-CD auf den Markt geworfen. Sie heißt Meschugge, und das Titelstück möchte ich den Hörerinnen und Hörern wärmstens empfehlen. Der Song hat noch einen zweiten Titel: „Das neoliberale Bewusstsein“. Die Verse stammen von Blacks kongenialem Lieblingstexter und Freund Pit Klein, und natürlich hat das Thema den Black zu einem Blues inspiriert, jener musikalischen Ausdrucksform, die es wie keine andere immer wieder irgendwie schafft, Ängste und Leid überlebbar zu machen. Begleitet wird er dabei virtuos von Adax Dörsam auf Dobro, Lap Steel und Jazzgitarre.
In fünf Strophen singt uns der Black in unnachahmlicher Manier von dem, was vor fast 25 Jahren mit Kohls „geistig-moralischer Wende“ seinen Anfang nahm und heute gängige Lebensphilosophie vieler geworden ist – das Streben nach materiellem Gewinn ohne Rücksicht auf Verluste. „Da musch uffbasse, das musch gugge, / sonst wersch meschugge“, warnt er im Refrain, denn aus dem gemeinsamen Streben nach besseren Lebensbedingungen ist ein Kampf Mann gegen Mann geworden. Gewachsene Strukturen und Wertvorstellungen gehen über Bord. Menschlichkeit und Solidarität sind nicht mehr gefragt, Gewinnmaximierung ist die oberste Devise. Das gilt im Kleinen ebenso wie im Großen. Aus der sozialen ist, über den Umweg der „freien“, die totale Marktwirtschaft geworden.
„Man vertraut nach wie vor auf die Märkte, / wenn sie auch willkürlich sind, / es sei denn, ein Staatsanwalt merkte, / wie kriminell Börsen schon sind. / Man muss heute sehr clever planen, / ganz ohne Leichtsinn und cool, / doch knattern die Schnäppchen-Fahnen, / auf geht’s in den Risiko-Pool.“
Und wer trägt am Ende das Risiko? Wir erleben es gerade, wie Politiker auf der ganzen Welt der Wirtschaft geflissentlich zu Diensten sind und ihren Völkern die Kosten aufbürden, die von verantwortungslosen Finanzjongleuren verursacht wurden. Wie sie sich gleichzeitig ereifern über deren Machenschaften, was allerdings ohne die entsprechende Gesetzgebung, die sie selber zu verantworten haben, nicht möglich gewesen wäre. Und wenn man sich das klarmacht, kommt man sicherlich zum gleichen Schluss: „Da kannsch uffbasse, da kanns gugge, / da wersch eifach meschugge.“
Die persönliche Empfehlung Lied – November 2008 Auf: Der Black – Meschugge Conträr Musik (www.contraermusik.de) |