Danny Dziuk braut in seiner Küche auf seinem neuen Album einmal mehr exzellente Klangbilder und Textwelten. Im Lied „Weichen“ knüpft Dziuk bei Bob Dylans „Dark Eyes“ aus dem 1985er Album Empire Burlesque an (greift dabei aber nicht zur akustischen Gitarre sondern spielt am Klavier). Klagte Dylan „A cock is crowing far away and another soldier's deep in prayer, / Some mother's child has gone astray, she can't find him anywhere. / But I can hear another drum beating for the dead that rise, / Whom nature's beast fears as they come and all I see are dark eyes”, so singt Dziuk vom „Rufer dort von irgendwo / der Dir die Richtung gab / oh Dunkelheit & Irrsinn, die / Dir folgten wie ein Grab“. Dziuk singt in „Weichen“ aber nicht über die Ausdruckslosigkeit und Wurschtigkeit der Menschen, sondern vielmehr über die „Weichen dieser Lebenszeit“, über die Entscheidungen frühmorgens und über die Helden aus einer anderen Zeit, und assoziiert in einer Strophe sogar „göttliche Verschwörung“ mit einem Film von Jean Renoir, der sich hier auf „grund-elementar“ reimt. Große Bilder in feinster Dziuk-Poesie, die mehr Gefühle denn etwas Greifbares vermitteln, spürt der Sänger in zehn vierzeiligen Strophen auf, z. B. vom Herz, „von dem man sagt, nur das / gebrochne sei auch ganz / was brachte Dich vor langer Zeit / zur Welt so auf Distanz“. Das düstere und hoffnungslose Element bei Dylan („all I see are dark eyes“) wandelt sich bei Dziuk in eine Dämmerung, die nur dann wenig wert ist „wenn du jetzt kapitulierst“, und so nimmt Dziuk den Hoffnungsschimmer am Horizont dankbar auf und bleibt allen Widrigkeiten zum Trotz, die einem „die Weichen dieser Lebenszeit“ oft bieten, einer, der doch noch an das Gute glaubt, und dass es eben wert sei, der Dämmerung entgegenzublicken. „Bleib da, wo Du jetzt bist & dann / sei stark & wart’s doch ab.“
Die persönliche Empfehlung Lied – Dezember 2008 Auf: Dziuks Küche – Freche Tattoos auf blutjungen Bankiers Buschfunk (www.buschfunk.com)
|