Nein, große Kunst ist das nicht, was das hanseatische Quartett um den Gruppengründer, Songschreiber und Sänger Peter Gutzeit abliefert, weder textlich noch musikalisch. Und ich liege gewiss nicht fehl mit der Annahme, dass es der einen Dame und den drei Herrn auch gar nicht um künstlerische Hochleistungen geht. Das Anliegen der Gruppe Gutzeit ist vielmehr ein abgrundtief erfreulicher Bastard, ein scheinbarer Widerspruch in sich und gewiss auch ein eigenständiges Genre, für das wahrscheinlich nur die Gruppe Gutzeit die Fahne hochhält: Countrymusik mit kritischen Texten. Ob die gefälligen Klänge mit den stacheligen Texten radiotauglich sind, wage ich zu bezweifeln. Aber sicher bin ich mir, dass ein Lied wie „Hartz IV“ gesungen werden muss. Diese mit unglaublicher politischer Arroganz eingeführten Maßnahmen gegen Menschen, die sowieso schon auf der Schattenseite des Lebens stehen, werden von einer fortgeschritteneren Gesellschaft dereinst gewiss als Zeichen und Konsequenz unseres rücksichtslosen Turbokapitalismus gedeutet. Die Gruppe Gutzeit singt denn auch passend über die Politiker, die mit betroffener Miene Wasser predigen, aber den Wein gleich literweise saufen. Was weiß denn ein Berliner Reichstagsbewohner wirklich von den Sorgen und Nöten der meist unverschuldet zu Langzeitarbeitslosen gewordenen Menschen! Aber wenn in den nächsten Monaten die Arbeitslosenzahlen kräftig steigen werden – warum wohl, möchte ich fragen – und in der Konsequenz dann auch die Zahl der unter Hartz IV-Leidenden, dann könnte es sein, dass dieser steigende Anteil an der Gesellschaft es zunehmend leid sein wird, um die Hartz IV-Almosen zu betteln. Wie singt die Gruppe Gutzeit im Refrain beschwingt: „... Hartz IV, das ist nur Dreck, pack mit an, der Dreck muss weg!“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Die persönliche Empfehlung Lied – Januar 2009 Auf: Gruppe Gutzeit – Ein Schrei geht durch das Land Jump Up (www.jump-up.de)
|