Lothar von Versen zählt zu den Liedermachern, die Geschichten erzählen. Sein Vortrag lebt von sprachlicher Eleganz und gefühlsbetonter Gestikulation und Mimik. Er widmet sich seinem Publikum, nimmt sich Zeit fürs detailgetreue Fabulieren und genießt die Konversation. Weil er sich nicht in Allgemeinplätzen verliert und ob seiner präzisen Artikulation – d a wird keine Silbe verschluckt, sondern genüsslich ausgekostet – wird er in die „Schublade“ des Kabarett-Altmeisters Hanns Dieter Hüsch und des wortwitzigen schlagfertigen Berliners Wolfgang Neuss eingereiht. Anstoß zu seinem Couplet „Das ist der Abt!“ war eine Begegnung in einem spanischen Benediktinerkloster. Einer der Mönche erklärte voll Begeisterung, wer für all die Errungenschaften dieser fortschrittlichen Institution gesorgt hat: eben der Abt, ein toller Animateur, der überall und bei allen außerordentlich beliebt ist, ein Tausendsassa. Humorvoll schildert Lothar von Versen einen ganz durchtriebenen und lockeren „Typen“, der als Jesus ergebenster Diener jazzt, bluest, rockt und rappt und seine Mönche beim Fußballspiel trainiert. Im Kreislauf der gottbestimmten ständigen Erneuerung allen Lebens sorgte dieser von allen umschwärmte Abt – wie könnte es anders sein? – mit Mäxchen für Nachwuchs, zwar nicht ganz legitim, aber letztendlich naturbedingt zu aller Zufriedenheit und zur eigenen und der Mutter Freude. Bei dieser an sich harmlosen Strophe hätte es bestimmt vor etlichen Jahren noch Ärger gegeben. Als vor 40 Jahren Schobert & Black ein Lied über das menschliche Bedürfnis des Papstes sangen, gab es wegen dieser „Blasphemie“ noch einen Aufschrei. Heute amüsiert man sich über so etwas. Insofern wird Lothar von Versen mit keinem „Sakrileg“ anecken, selbst wenn er seinen sympathischen Gottesmann sich die Tollste der Nonnen der Ursulinen zu einem „Sündchen“ schnappen lässt. Das ungewöhnliche Lied – es umfasst nach der Ansage noch zwei Tracks – ist keine Kritik an einer Weltanschauung oder einem Kirchenpersonal, sondern ein hohes Lied auf einen Kirchenmann. Showelemente erinnern an Karneval. Freudlosen Religionen stellt man als Christ, meint Lothar von Versen, eine frohe Botschaft entgegen.
Nun ist „Der Abt" beileibe kein Evangelium. Es ist eine übermütige Schilderung, zu der der musikalische Vortrag Lothar von Versens exzellent passt. Getragen und feierlich sozusagen der „Introitus“. Als Mönch beschreibt Lothar von Versen spirituell mit feierlichem Geläute und pseudo-gregorianischem Gesang seinen Weg zu den Benediktinern, die in lauschigen Kreuzgängen promenieren und erlesene Delikatessen probieren. Und wem verdankt man das feudale Leben? Ja, natürlich dem Abt. Da geht auch schon die Post ab. Von jetzt ab wird gejazzt. Und warum wohl diese persönliche Empfehlung? Man möchte halt auch, wenn man schon nicht der Abt sein kann, wenigstens so angehimmelt werden wie dieser Abt. Die persönliche Empfehlung – Februar 2009 - Lied: Auf: Lothar von Versen – Walzer für Unreife Borodino Records (www.www.lotharvonversen.de)
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