Michael Marx ist einer der kreativsten Köpfe der saarländischen Musikszene. Als vielseitiger Instrumental- und Vokalsolist sowie als Komponist spielt er eine prägende Rolle in verschiedenen Ensembles der Region. Am bekanntesten und erfolgreichsten: seine Formation Marx Rootschilt Tillermann, die sich vor allem in ihren Anfängen in den Siebzigerjahren der Musik der Woodstock-Klassiker Crosby, Stills, Nash & Young widmete, aber auch schon bald eigene deutschsprachige Songs im Westcoaststil zu ihrem Markenzeichen machte. Das jüngste musikalische Projekt von Michael Marx & Co heißt Lieder der Poesie 2. Das sind neu vertonte Gedichte von Hermann Hesse, Joseph von Eichendorff , Heinrich Heine, Rainer Maria Rilke, Joachim Ringelnatz, Erich Mühsam, Hugo von Hofmannsthal u. a., interpretiert von Amby Schillo (Gesang, Perkussion, Cello, Bass, Gitarre), Nino Deda (Gesang, Akkordeon) und Michael Marx (Gesang, Gitarre, Duduk, Bass). Von Marx und Deda stammen auch die Kompositionen. Dieses Ensemble existiert seit Anfang 2006. Im selben Jahr ist die erste Lieder der Poesie-CD des Trios erschienen. Seit kurzem gibt es die zweite Folge, deren Gedichtauswahl – von Hermann Hesses „Stufen“ bis zu den Nonsens-Versen „Dunkel war's, der Mond schien helle“ – wieder die ganze Bandbreite des „Hausschatzes“ deutscher Lyrik umfasst. ´
Marx und seinen Mitstreitern – hervorragend der albanische Akkordeon-Virtuose Nino Deda – gelingt es auf beeindruckende Art und Weise, den ausgewählten Lyrik-Klassikern eine unerwartet moderne und dennoch vertraut klingende musikalische Form zu geben. Es ist in der Tat verblüffend zu hören, wie sich ein bekanntes Heine- oder Rilke-Gedicht (zum Beispiel „Belsazar“ oder „Herbsttag“), das man als traditionelles Rezitations-Opus im Ohr hat, hier scheinbar ganz leicht und wie von selbst in ein Lied und damit in ein musikalisches Kunstwerk verwandelt. Wann hätte sich Rilkes „Karussell“ rhythmisch und melodisch jemals kongenialer gedreht als hier? Und wann hätte man den „Revoluzzer“ von Erich Mühsam jemals swingen gehört? Filigrane dreistimmige Chorsätze und eine entsprechend klare und präzise Instrumentierung mit überraschenden Effekten, hauptsächlich getragen von akustischen Gitarren, Akkordeon und Perkussionsinstrumenten im Wechsel mit Cello und Bass – das alles macht den besonderen „lyrischen“ Klang dieser Neuvertonungen aus. Das Gelingen des Projekts „Lieder der Poesie“ ist letztlich aber auch einem anderen wichtigen Faktor zu verdanken: der hohen künstlerischen Sensibilität, mit der sich die Musiker den berühmten Gedicht-Texten genähert haben. Das gilt für Marx und Deda, die beiden Komponisten des Trios, und in gleichem Maß für Schillo, den exzellenten Dritten im Bunde. So wie die drei vokal und instrumental ganz wunderbar miteinander harmonieren, so zeichnen sie auch gemeinsam für die kunstvollen Arrangements verantwortlich.
Die persönliche Empfehlung CD – Februar 2009
Amby Schillo, Nino Deda, Michael Marx – Lieder der Poesie 2 BEE Records (www.liederderpoesie.de) Empfohlen von Karl-Heinz Schmieding, Saarbrücken |