Blickpunkt Augenlid oder Augenlied – das ist hier die Frage. Stellmäckes Song umreißt in unverschämt offenen Worten, dass der Künstler, und sei er noch so produktiv, immer noch seine bessere Hälfte braucht, um über die Runden zu kommen. Das Zitat aus Lessings Emilia Galotti, der Maler Conti dem Prinzen antwortet: „Prinz, die Kunst geht nach Brot…“ wird in diesem Lied offensichtlich zerlegt: Er geht seiner Kunst nach und sie geht nach Brot. Stellmäcke gewährt einen tiefen Einblick in den (seinen?) künstlerischen Produktionsprozess, der vor allem im Suchen zu bestehen scheint. Im Suchen nach einem Plan, nach einem Ziel, nach der Idee für ein Lied. Und im Ringen um das geschliffenen Wort, die wohlklingende Melodie werden dem Liedermacher zur Mittagszeit die Augenlider schwer und es wird deutlich: schwere Augenlider machen es schwer, Lieder zu schreiben. Stellmäcke, der ein großer Poet ist, lässt uns in „Augenlied“ nah an sich heran und wirft einen ironischen Blick auf das „Lieder machen“. Er gesteht ein, dass der Künstler essen und vor allem auch schlafen, seine Augenlider schließen muss, da sonst der Blick für das Schöne verloren geht, zumindest aber getrübt würde. Ein witziges Lied, das all jenen Hörern die Augen öffnet, denen der Alltag eines Liedermachers bisher völlig fremd war. Die persönliche Empfehlung Lied – März 2009 Stellmäcke & Band – Augenlied Auf: Stellmäcke & Band – Augenlieder Eigenverlag (www.stellmaecke.de) Empfohlen von Peter Eichler, Leipzig |