Nach diesem Titel, dem 11. in deutscher Sprache, folgen auf der jüngsten CD des Schweizer Chanson-Unikats Michael von der Heide noch drei auf Französisch – und dass dieser Sänger, in Deutschland auch nach gut zehn Jahren im Geschäft immer noch eine Art Geheimtipp, den Brückenschlag hinüber ins Mutter- und Vaterland des Chansons beherrscht, das beweist auch die Phantasie vom „Hotel Paradiso“. Ein Niemands- und Jedermannsland ist diese Herberge (und das heißt: die Welt!) für die Ortlosen, die Unruhigen, die Liebenden (und Lebenden) ohne festen Wohnsitz; zu Hause sind sie nirgends wirklich und für immer. Eine „Paradiso“ ohne Paradies – irgendwo auf der Welt ist es immer gerade 6 Uhr am frühen Abend und also Happy Hour, Cocktail-Zeit; irgendwo in irgendeinem Zimmer 10 wartet auch immer die Liebe fürs Leben, aber gerade hier und jetzt fehlt aller Mut, hinein zu gehen und drin zu bleiben. Sparsam und poetisch zeichnet die Sprache den Zustand des Durch-die-Welt- und Durch-die-Zeiten-Gehens, träumerisch verliert sich die Musik der Strophen in einer kleinen Dreiklangdimension, die ganz verblüffend Dur- und Moll-Empfinden in eins zusammenmischt, Heiterkeit und Zuversicht also vermengt mit Tristesse und Melancholie. Der Refrain ist dann Mainstream: einchecken, auschecken – der tägliche Kram. So hat mal Erich Kästner eine Sammlung seiner Texte überschrieben.
Wer unterwegs ist (und wie das Ich im „Hotel Paradiso“ immer sagt und sagen wird: „Ich bleibe Gast!“), der kann nicht anders. Das ist kein Politik- und/oder Zeitgeist-Kommentar, das ist eine kleine, träumerisch-traumatische Momentaufnahme vom Zustand des Menschen, von Bewusstsein und Sein. Auf engstem Lieder-Raum, und dennoch ganz leicht und ohne jeden Druck im sanft-schwebenden Ton des Michael von der Heide, ist das eine ganze Menge für ein deutsches Lied.
Vielleicht wirkt es ja deshalb so französisch.
Die persönliche Empfehlung Lied – April 2009 Auf: Michael von der Heide – Freie Sicht Phonag Records (www.phonag.ch) |