Was kommt heraus, wenn eine deutsche Sängerin sich nach Brasilien begibt, um dort mit bekannten Namen der Szene wie beispielsweise Chico César ein Album zu produzieren? Pseudo-Brasilianisches, peinlicher Deutsch-Samba? Nicht mit Dota Kehr, die auch heiße Themen auf Betriebstemperatur hinunter singt, kühl überlegt beschreibt, kaum kommentiert, aber so schillernd akustisch malt, dass dem Zuhörer die Ohren aufgehen. Dota Kehr beweist mit Schall und Schatten wieder einmal, dass sie Worte nicht nur genau und wirkungsvoll setzen und klingen lassen kann, sie beherrscht auch die gesamte Klaviatur der Stimmungsbeschreibungen: Von übermütig quirlig bis traurig- tröstlich. Ausgerechnet das Lied mit dem Titel „Zum Glück“ quirlt aber nicht über, sondern gestaltet sich fast unterkühlt- analytisch; „Kein Morgen“, das ein graues Szenario malt, klingt dagegen temperamentvoll rhythmisch. Neben ihrem musikalischen und poetischen Talenten besitzt Dota die Fähigkeit, Erwartungen nicht zu erfüllen, dadurch immer neue Spannung entstehen zu lassen – und vor allem auch: sich wohltuend abzuheben von den flüsternaiven Singegirlies, die zur Zeit mit großaugigen Stimmchen den deutschen Liedmarkt überfluten.
Die persönliche Empfehlung CD – April 2009 Dota und die Stadtpiraten – Schall und Schatten Kleingeldprinzessin Records (www.kleingeldprinzessin.de) Empfohlen von Ulrike Zöller, Jettenbach |