Christine-Sophie Arnold, Falko Gottsberg-Jakobs, Hannes Gotzes, Uli Herrmann, Dietrun Jochim, Jeannette Joseph, Georg Kaiser, Johanna Krause, Sonja Seelig, Hannes Moritz und Wolfgang Steidel sind Experten – sie waren Bauwagenbesitzer oder Flaschensammler, sind Hartz-IV-Empfänger und/oder wissen, was Betteln heißt. Sie sind der Chor, mit dem zusammen Bernadette LaHengst die Profile zeitgenössischer „Avantgarde-Bettler“ aufgeschrieben hat – die sind nicht mehr an zerlumpter Kleidung und leeren (oder vollen) Billigbierflaschen erkennbar, sondern heißen Opel und Karstadt und Bayerische Landesbank: eben Börsen-Bettler, Investoren-Bettler, Ohne-Kapital-Bettler, globale Bettler und Schuldenberg-Bettler. „Wir sind die Die-ihr-braucht-um-euch-besser-zu-fühlen-Bettler“ singt der Chor. Und in der Tat: Das ist die Avantgarde des Bettelns – und der Song, entstanden am Freiburger Theater für „Die Bettleroper“, einem Projekt mit Menschen von der Straße unter Leitung von LaHengst und dem Schweizer Regisseur Christoph Frick, ist ein ebenso knapper wie zutreffender Kommentar zur Krisen-Lage. Auf der Bühne spielen die Chor-Mitglieder sechs Schauspielern vor, wie sich´s überleben lässt auf der Straße und fast ohne jede Sicherheit; und die sieben Songs dazu schrammelt ruppig und roh, bluesig und rockig La Hengsts Strom-Gitarre. Die Bettel-Experten singen dazu von den Gefühlen und Ängsten des eigenen Alltags – und es braucht keine Theorie, keinen Überbau, und nur ein bisschen Poesie in der Zuspitzung durch La Hengst, damit diese Songs ans Herz und unter die Haut gehen. Besser können Kunst und Alltag kaum zusammen klingen – das Freiburger Theater hat’s vorgemacht. Deshalb gibt’s die Songs auf CD auch nur dort.
Bernadette LaHengst & Der Freiburger Bettler-Chor – Avantgarde-Bettler Von: Bernadette LaHengst & Der Freiburger Bettler-Chor – Bettleroper Eigenverlag (www.theaterfreiburg.de) Empfohlen von: Michael Laages, Michael |