Können Pfarrer Liedermacher werden? Ja. Hört man dies den Liedern dann an? Nein. Sind Mundartliedermacher immer nur in ihrer Region erfolgreich? Ja. Sagt das etwas über ihre Qualität? Nein.
Wolfgang Buck singt Fränkisch. 14 Jahre lang war er evangelischer Pfarrer in einem Dorf bei Bamberg, spielte Gitarre, textete, trat auf – damals noch „nebenbei“, bis er das Liedermachen zum Vollzeitberuf machte. Das jetzt erschienene Album ist sein neuntes: Asu wird des nix, wobei man das „asu“ wohl übersetzt mit „Na so (wird das nichts)“. Ein Kommentar, den sich Klein-Wolfgang als Kind im Dorf anhören musste, wenn er zum Beispiel mal wieder „dumma Frohng“ stellte. Vor dem Titelsong „Asu wird des nix“ macht Buck mit dem Lied „Old“ auf: „Man ist so weich, wie man sich spült ... man ist so falsch, wie man sich spielt ... doch nicht so jung, wie man sich fühlt.“ Ein Ansingen gegen dumme Weisheiten. Oder (auf Take 3): „Wenn die Party vorbei ist, fließt der Golfstrom anders rum.“ Kriegt das jemand noch knapper hin? Bucks Texte sind witzig im ursprünglichen Sinn, d. h. geistreich. Der fränkische Dialekt gibt Bucks Geschichten und Ansichten eine doppelte Bodenhaftung. Inhalt plus Form sind geerdet. Der Dialekt erzählt etwas über die Menschen, die ihn sprechen, Nuancen lassen sich heraushören: das Fränkische scheint immer etwas weicher zu sein als ein weiches Bayerisch, immer einen Tick zurückhaltender als ein babbeliges Hessisch, ein frankisches „glügg“ zerbrechlicher als ein schwäbisches „glick“.
Der Vorteil mundartlicher Bodenhaftung ist zugleich ihr Nachteil. Verstehen können wir in diesen Lieder (fast) alles, aber wenn es ums Einfühlen in Sprache, ums Erwärmen und Begeistern geht, dann ist die Haftung für uns Hörer dort am stärksten, wo wir selber unseren Boden haben oder hatten, der eine im Norden, der andere in Franken, der dritte in Leipzig. Das ist nun mal so. Und warum sei jetzt das Album eines Franken auch allen Nicht-Franken empfohlen? Weil Wolfgang Buck Musik macht, die etwas zu sagen hat. Wir hören ja auch Weltmusik aus dem Kongo oder aus Malaysia, deren Sprache wir überhaupt nicht verstehen und trotzdem verstehen. Hier isses irgendwie umgekehrt. Oder genauso?
Persönliche Empfehlung CD: Wolfgang Buck – Asu werd des nix C.A.B. Records (www.wolfgang-buck.de) Empfohlen von: Rainer Hannes, Baden-Baden |