Rainer Beutin hat einen langen Atem – und jetzt auch die zweite Luft. Drei Jahrzehnte nach dem Start mit seiner Charly Schreckschuss Band legt er in alter Frische und mit leicht renoviertem Bandnamen sein neuntes Album vor.
Im (eindrucksvoll und unaufdringlich, also) professionell gemachten Infofolder ist die Rede von einer „kompakten Werkschau“: Sieben der 19 Lieder sind neu oder neu eingespielt, neben Goldies aus den MGM/pläne- und Wundertüte-Produktionen der Achtziger und Neunzigerjahre („Hey min Seuten“, „Ach Luise“) findet man wetterfeste Ohrwürmer wie „Avernakø“ und „Jetzt küsst mi nur noch de Blues“ von Beutins CD Ne Menge Leben (die ja hier 2007 zur CD des Monats gewählt worden ist). Die musikalische Bandbreite dieser bis zur Bankenpleite aktualisierten Songsammlung wäre mit dem Begriff Americana schnell umschrieben, viel Blues also mit seinen diversen Kindern und Verwandten – Rock, Soul, Country, Cajun, Jive, Jump und Folk. „Ich schreibe einfach Lieder, das ist alles“, sagt Charlie Beutin aus Kleinkönigsförde. Seine ziemlich einsame Klasse entsteht, weil er ein großer Schnacker und Shouter ist, mal Howling Wolf, mal sentimentalischer Stier. Und weil er „eine seltene und schöne Mischung gefunden hat von verschiedenen musikalischen und sprachlichen Ausdrucksweisen, auf gut Deutsch und platt Dütsch“, so der Mainzer SWR1-Musikredakteur Christian Pfarr über das Album Unerhört!
Bei Charly reimt sich Liebe auf Krise und auf Gedeckte Apfeltorte. Und ein roter BH is blowing in the wind.... Das war so: Wenn früher ein Seemann monatelang auf den Weltmeeren unterwegs war, soll es vorgekommen sein, dass sich die einsame Ehefrau daheim aus der Klemme half, indem sie Porzellanfiguren, z. B. kleine Hunde oder Katzen, als Signalgeber auf die Fensterbank stellte. Blickten sich die Tierchen gegenseitig an, hieß das: Mein Mann ist da. Schauten die Figuren beide nach draußen, war das das Zeichen für eine sturmfreie Bude. Diese Geschichte diente als Vorlage für „Platz im Himmelbett“, ein Lied, das schon regelmäßig im Kieler NDR1 gespielt wird und im August beim großen Wacken-Festival live zu hören sein wird.
Moral von der Geschichte: „Sowas kommt nicht ins Fernsehen, auch nicht ins Internet. Weht´n roter Büstenhalter, ist Platz im Himmelbett“. Der Songtext stammt von Elfi Küster, einer erfahrenen, erfolgreichen Promoterin. Sie hat schon Stefan Gwildis, Annett Louisan und Roger Cicero über manche Medienbarriere hinweggeholfen. Warum sie sich jetzt stark macht für den „Geradeaus-Mann“ Charly Beutin? Weil sie Geschmack hat.
Die persönliche Empfehlung CD – August 2009 Schreckschuss Records/Moon Sound Records (www.charly-schreckschuss.de) Empfohlen von: Tom Schroeder, Mainz |