„Laway“ bedeutet als vielfältiger plattdeutscher Begriff Lärm, Aufstand, Streik, Feierabend, Arbeitsniederlegung. Man sagt heute noch: „Mach nicht so 'n Laway!“ („Mach nicht so ein Trara!“). Die Deicharbeiter machten im 18. Jahrhundert Laway – sie streikten. Kein Wunder also, dass die Gruppe Laway zu ihrem 30. Gründungstag ihre neue CD Brood un Rosen nach einem Spruchband nannte, das Frauen 1912 bei einem Textilarbeiterstreik in Lawrence, Massachusetts/USA vor sich her trugen. Das gleichnamige Lied war in der Bundesrepublik mit deutschem Text vor Jahrzehnten innerhalb der Frauenbewegung oft zu hören.
Die 1979 in Jever gegründete Gruppe Laway bezeichnet ihre Musik selbst als modernen Folk. Man spielt traditionelle Volkslieder und Tanzmusik, singt von den Menschen am und auf dem Meer und von Kerlen, wie Klaus Störtebeker einer war. Laway schreiben aber auch kritische Texte, zum Beispiel über die Zerstörung der Umwelt. Die Gruppe wurde mehrmals mit Preisen ausgezeichnet. Anfang der Neunziger lag Laway eine Zeitlang auf Eis. Mit Jörg Fröse (ebenfalls bei der Gruppe Grenzgänger, die auch schon mehrfach in der Liederbestenliste vertreten war) als Neuzugang kam es 1996 zum Revival.
Zum besseren Verständnis der Lieder auf Laways neuer CD muss man wissen, dass Friesisch eine vom Aussterben bedrohte Gruppe von drei Sprachen ist, die zum nordseegermanischen Zweig der westgermanischen Sprachen gehört. Gesprochen wird es vor allem in den Niederlanden. Laway singen in Ostfriesisch. Das ist jedoch keine ostfriesische Sprache, sondern Plattdeutsch. Meine eigene Erfahrung zum Verstehen: Wenn ich mich auf den Klang der Sprache einlasse, dann begreife ich spielerisch den Inhalt des Textes, zumal er im Booklet phonetisch noch gut lesbar abgedruckt ist. Ich empfehle diese CD, weil die Gruppe mit Sorgfalt und Liebe ausgewählte anspruchsvolle Texte singt und die Klangfarbe ihrer Musik, gefühlvoll für das vielseitige Instrumentarium arrangiert, eine hochwertige Qualität besitzt. Da gibt's keine Plattheiten im Ausdruck, und Flöte, Handharmonika, Concertina sowie Saxophon ergänzen Bratsche und übliche Saiteninstrumente. Geboten wird ein gut einstündiges Programm mit 18 harmonisch abgestimmten Titeln – Lieder jüdischer Komödianten, Couplets, aufmüpfige Frauengesänge, aber auch eine fromme Bachsche Psalmmelodie, Gesänge von der See, die nimmt und gibt, Gassenhauer, Arbeiterlieder, kurz: Heiteres, Besinnliches, auch Geschichtsträchtiges und Ohrwürmer, die es schon sind oder erst jetzt dazu werden. Die persönliche Empfehlung CD – September 2009 Laway – Brood un Rosen Artychoke (www.artychoke.de) Empfohlen von: Stephan Rögner, Frankfurt am Main
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