Kurz sollte sie werden, die neue CD von Manfred Maurenbrecher, nicht wieder eine dieser „80-Minuten-Produktionen […], bei denen man irgendwann abbricht und nie wieder reinhört […]“, wie er im Booklet schreibt. Aber wie das so oft ist, kommt es anders als geplant, denn die Auswahl fiel schwer und plötzlich war klar, dass es eine Doppel-CD werden würde. Sie präsentiert eine, in ihrer musikalischen und textlichen Vielfalt beeindruckende, Sammlung von 18 Stücken, wobei die Betonung der ersten CD eher auf Stücken mit seiner Band liegt, während CD 2 solistischer ausgeprägt ist. Das Booklet des Digi-Packs beinhaltet keine Texte, aber die bekommt man auf Maurenbrechers Internetseite (www.maurenbrecher.com). Stattdessen gibt es zu allen Stücken Erläuterungen zu deren Entstehung. Maurenbrecher ist einer der ganz Großen in der Liedermacherszene (oder sollte man vielleicht eher Chansonszene sagen?), ein großartiger Erzähler kleiner Geschichten, der es schafft, mit seinem sehr eigenen erzählenden Gesangsstil atmosphärische Dichte zu schaffen, die tief berührt. Einen erheblichen Anteil daran haben seine Begleitmusiker, die seine Ideen kongenial umzusetzen vermögen.
Maurenbrecher fabuliert und philosophiert, oft über die unbequemeren Gefühle, die uns täglich begleiten, gibt Zustandsbeschreibungen von Ohnmacht gegenüber der Absurdität des alltäglichen Tuns („Hoffnung für alle“), artikuliert Ängste und Sehnsüchte („Sonntag“) oder auch staunende Wut („Bad Bank“ / „Agit-Prop 08“). Er mokiert sich über das hirnlose Machotum des SUV-Fahrers („Off-Roader“) oder überrascht mit einem wunderschönen Stück über eine Liebe, die nicht vergangen ist („Die schwarze Katze“). Und das alles kommt sehr authentisch rüber, da teilt sich ein Mensch mit, lässt uns an seinem Denken und Fühlen Teil haben, als sei man ein Freund. Das ist anrührend und keine Sekunde langweilig. Ich wünsche dieser CD eine Menge aufmerksamer Zuhörer.
Die persönliche Empfehlung CD – Oktober 2009 Manfred Maurenbrecher – Hoffnung für alle Reptiphon (www.reptiphon.de) Empfohlen von: Ingo Nordhofen, Witten |