Die Eingangsmusik klingt nach Zirkuskapelle, Tingeltangel, Kirmes. Trompeten, die an Fanfaren erinnern, Trommelwirbel, Wumptata – die Tuba … Gleich öffnet sich der schwere rote Samtvorhang und die Vorstellung kann beginnen. Und dann, fast wie beim Blues: „Woke up in the morning, found my Baby gone.“ Diese Worte hören wir aber nicht wirklich. Stattdessen: „Ich heule in das Kissen/ in dem sie gestern noch lag/ heut´ Morgen nahm sie ihre Koffer/ Was ist das für ein Tag!“ Aaugust (bürgerlich Andreas August), der seine Band Schoyfler nennt, singt mit leicht nasaler Stimme, wie durch ein Megaphon. Dazu scheppert der krumme Balkanblues im Fünfvierteltakt. Klingt irgendwie ein bisschen nach Tom Waits in der Garage, ist aber Schoyfler aus Frankfurt.
„Sie versteht immer nur Mondschein/ egal, was ich auch sag´/ sie missversteht jetzt einen andern/ was ist das für ein Tag!“ Dann der Refrain, den kannst du gut mitsingen. Sollst du wohl auch. „Was ist, was ist, was ist, was ist, was ist das für ein Tag!“ Dein Oberkörper schwingt sanft im Takt der Musik hin und her.
Diese Mixtour aus Tragik und Komik, die hat wohl jeder schon einmal erlebt – aber eher selten zu solcher Musik, die ist nämlich ziemlich anders, vertrackt, näher bei Hanns Eisler und Kurt Weill, als bei herkömmlichen Popklängen. Die Schwermut der Melancholie kann ungeheure Kräfte freisetzen, konstruktive und destruktive, ein bittersüßer Balanceakt. Und diese Energie überträgt sich auf den Zuhörer. Kommt nur drauf an, was er daraus macht. Jetzt das Instrumental-Solo mit brachial verzerrter Gitarre und Trompete. Genau zum richtigen Zeitpunkt! Emotion pur!
„Wie soll ich je vergessen/ wie sie da im Pyjama lag/ nach Parfum duftet ihr Kissen/ was ist das für ein Tag!“
„Was ist!“ ist einer von zehn Songs auf der soeben erschienenen Schoyfler-CD Rauschwerte. Musikalisch hebt sich diese Produktion allein durch die krummen Balkan-Grooves schon beim ersten Hinhören wohltuend von der Masse der derzeitigen Veröffentlichungen ab. Und textlich? Es gehört sicherlich zur Kunst eines Autors, ein allseits bekanntes Phänomen – zum Beispiel von dem geliebten Menschen verlassen zu werden – immer wieder so klingen zu lassen, als geschehe das Gesungene gerade zum allerersten Male. Und genau das gelingt dem Aaugust, Sänger, Autor, Gitarrist, Pianist und Trompeter seiner Band Schoyfler in ganz besonderer Weise. Man sieht ihn förmlich mit ausgebreiteten Armen auf die Welt, auf sein Publikum zugehen, eine Träne rinnt über seine Wangen, aber er lächelt, ein Clown in der Manege – die Show muss immer weitergehen.
Apropos Balkanblues: Aaugust ist als Sänger seit dreißig Jahren mit der bekannten Frankfurt City Bluesband „on the road“. Die persönliche Empfehlung Lied – Oktober 2009 Schoyfler – Was ist! Auf: Schoyfler – Rauschwerte Two Horses (www.schoyfler.de) Empfohlen von: Kai Engelke, Surwold
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