Der vor 54 Jahren im Kreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt geborene Hans-Eckardt Wenzel bereichert die deutschsprachige Liedszene mit einer ganz eigenen Farbe. Liedermacher darf man wohl nicht sagen, mit diesem Wort verbinden viele Menschen heutzutage etwas ziemlich Graues, um nicht zu sagen: Staubiges. Wenzel selbst bevorzugt – nachzulesen auf seiner Homepage www.wenzel-im-netz.de – die Bezeichnung Poet. Hinter dieser eher bescheiden-pastellfarbenen Sprachästhetik verbirgt sich schillernde Vielfalt: Sänger, Instrumentalist (Akkordeon, Piano) und Liedtexter, Buchautor und Stückeschreiber, Kabarettist und Theaterregisseur. Ein bunter Vogel also, aber einer, der seine Sache mit großem Ernst angeht. Umso überraschender das neueste CD-Projekt des Poeten Wenzel: Die typisch deutsche Trennung zwischen Kunst und Trivialkultur überschreitet er mit einer Sammlung von Songs, die nicht auf den geduldigen, konzentrierten Zuhörer zielt, sondern aufs Tanzbein und den trinkfreudigen Gast. Die Wirkung dieser Lieder aufs Publikum haben Wenzel und Band erprobt – mit ihren jährlich wiederkehrenden Auftritten am Hafen von Kamp. Beim Hören der CD erweist sich: Diese Moritaten, in denen manchmal ein Hauch des frühen Brecht anklingt, funktionieren auch im Wohnzimmer.
Am besten gefallen hat mir gleich die erste Nummer, „Unterwürfiger Schlager“. Köstlich, wie der Sänger Wenzel, der eben auch Entertainer und Clown ist, mit Süffisanz und Ironie hier die Lust am Leid, am Leben als ewiger Underdog rüberbringt. Das ist derb, nicht eben zimperlich in der Wortwahl – und gibt doch stark zu denken. Wenzel weiß, welche Abgründe sich hinter der geschmeidig-gefälligen Fassade vieler Schlager verbergen – und er zerrt sie auf vergnüglich-unterhaltsame Weise ans Licht.
Die persönliche Empfehlung Lied – November 2009 Wenzel – Unterwürfiger Schlager Auf: Wenzel – König von Honolulu Matrosenblau (www.matrosenblau.de) Empfohlen von: Matthias Inhoffen, Stuttgart |