„Wer in dieser Zeit nicht seine Stimme erhebt für eine friedvolle Welt und gegen den Wahn der Menschheit, sich selbst und die Erde durch Gier und Dummheit gezielt zu vernichten, der hat es nicht verdient, eine öffentliche Stimme zu haben.“ Das schrieb Konstantin Wecker jüngst in einem Gastkommentar für den Folker, in dem er gesellschaftlich und zukunftsrelevante Musik forderte. Von diesem Ansatz lasse auch ich mich in der Regel bei meinen Beurteilungen der Musik für die Liederbestenliste leiten. Doch da gibt es noch eine andere Seite an mir; eine die sagt, dass man die Welt nicht rund um die Uhr retten kann. Es braucht auch Musik, die einen aus dem Sessel der Nachdenklichkeit hochscheucht und den Körper im Rhythmus der Beats bewegen lässt. Hier kommt Roger Trash mit seinem neuen Werk ins Spiel. Mit Liebe & Desaster kann man/frau unbeschwert auf einen musikalischen Roadtrip gehen – bei runtergedrehter Scheibe mit locker raushängendem Arm: „… die Lieder für die rechte Autobahnspur…“ („Zu gut für diese Welt“). Die Songs von Roger Trash gehen fast ausnahmslos dermaßen ab, dass ich mir wünschen würde, ich hätte „Gut am Glas“, „Sei meine Nr. 2“ oder das „Bengellied“ als 45er-Vinylsingles – Hinweis für die jüngeren Musikfreunde: Singles, das waren diese kleinen schwarzen runden Dinger mit einem Loch in der Mitte, bei denen die Teens und Twens einst bis zum Umfallen tanzten unter lautem Mitsingen der Refrains … Die Songs auf Liebe & Desaster würden sich in meiner Musikbox gut neben einigen Oldies der goldenen Ära der 45er machen. Aber die Texte … mag der eine oder die andere jetzt einwenden. Meine Entgegnung: Was ist denn so falsch daran, wenn jemand sich einmal durch die Höhen und Tiefen des Verlassen-, Verliebt- und Enttäuschtsein singt. Hand aufs Herz: Die Geschichten von Liebe und Desaster sind doch Teil unser aller Alltags. Und wenn der einmal grau ist, dann bietet Roger Trash 54 Minuten und vierzehn Sekunden lang mit Rock´n´Roll, Blues, Country und Balladen unterhaltende Ablenkung auf hohem Niveau, die neue Energie verleiht. Roger Trash – Liebe & Desaster Reptiphon (www.reptiphon.de) Empfohlen von: Michael Kleff, Bonn |