Laute Anklagen, phantasievoll-verworrene Wortspielereien oder spektakuläre Arrangements stehen ihm nicht, dem Wiener Sänger Ernst Molden. Auch auf seiner kürzlich, mit Willi Resetarits, Walter Soyka und Hannes Wirth erschienen CD Ohne di überwiegen unspektakuläre Lieder in Wiener Dialektpoesie. Ein Meisterstück des lyrischen und musikalischen Understatements, „Heanoisa Oma“ ist die Liebeserklärung an die verstorbene Großmutter aus dem 17. Wiener Bezirk Hernals, in der das Leben einer einfachen, aber praktisch veranlagten Frau nachgezeichnet wird. Nebenbei wird ein Stück Geschichte erzählt: Wie „da hitla, des oaschloch“ den Opa zuerst von sich eingenommen hat, der damals junge Mann dann aber, acht Jahre danach, um Jahre gealtert, mit Tuberkulose, aber kuriert von der Hitlersucht, nach Hause kam. Zwischen den Versen, die die Oma als schöne Frau oder als verwöhnende Großmutter beschreiben, nimmt man den Geruch der Fünfzigerjahre-Wohnküchen wahr, hat die Blümchentapeten vor dem inneren Auge, sieht die Oma vor sich, wie sie mit Kochlöffel und Kittelschürze Lebensweisheiten und Heanoisa Mantras verbreitet. Auf deren Autorenschaft sie besteht und das nötigenfalls auch handfest verteidigt. Man versteht es, wenn der Enkel nach dem Tod der Oma kein Interesse am materiellen Erbe hat – „drum nimm da die kohle des aundare glumpat aa wäu des duad man et wee, nua loss am regal des büd vo da oma schdee“ – und man ist nahe dran, sich selbst in die „heanoisa oma“ zu verlieben. Zumindest aber in das ihr gewidmete Lied von Ernst Molden. Die persönliche Empfehlung Lied – Februar 2009: Ernst Molden – Heanoisa Oma Auf: Ernst Molden – Ohne di Monkey (www.monkeymusic.at) Empfohlen von: Ulrike Zöller, Jettenbach |