Seit fast 20 Jahren ist Snorre Schwarz nun als Schlagzeuger unterwegs und, glaubt man der langen Liste seiner Gastauftritte, bestens im Geschäft. Mitte der Neunziger noch als „Punk ‚n Roller“ mit den „Fremden“, heute mit der Berliner Folk-Pop-Klezmer-Balkan Band Di Grine Kuzine um Frontfrau Alexandra Dimitroff, wo er auch schon ab und zu die Stimme erhoben hat. Nun hat er mit Petit Berlinois sein Debütalbum als Sänger vorgelegt. Es ist ein poetisches, ein feines Popalbum von Einem geworden, der sich als Musiker längst nicht mehr beweisen muss.
Der „kleine Berliner“ Snorre Schwarz benötigt nicht mehr als ein Fender Rhodes, Gitarre, ab und an einen Flügel und elf deutsche Texte um ein kleines Kunstwerk zu schaffen. Insgesamt wirkt das Album sehr reduziert aber dennoch nicht einfach. Die feine Rhythmik der Texte spiegelt sich in den leichten Arrangements wider, die Liedform folgt dem Text, man könnte vermuten, dass Snorre sich am klassischen Kunstlied orientiert hat. Vielleicht findet sich hier ein Hinweis auf den Schlagzeuger wieder, oder Snorre Schwarz hat einfach ein Faible für Poesie.
Überhaupt prägt der weiche Klang des Fender Rhodes, das Künstler von the Doors bis Herbert Grönemeyer eingesetzt haben, um psychedelische oder entrückte Effekte hervorzurufen, den Klang des Albums. Bei Snorre Schwarz überwiegt der verträumt-verspielte Anteil, garniert mit so exotischen Instrumenten wie Maultrommel, Balalaika und Glockenspiel. (Ob sich diese allerdings in den „sonstigen Instrumenten“ verbergen, die Snorre Schwarz angibt, eingespielt zu haben oder ob der Fender auch solche Klänge hervorzaubern kann, bleibt leider offen.)
Von der Grundstimmung her strahlt das Album gespannte Ruhe aus, ein Gefühl wie das zur Ruhe kommen der Natur nach einem gewaltigen Sturm. Der beinah gesprochene Gesang bleibt immer gelassen; beiläufig introvertiert behandelt Snorre die großen Gefühle Angst, Tod, Leere, Hoffnung. Zwischendurch ist Entertainment angesagt. Der Chansonnier hat die Oberhand gewonnen über den Melancholiker, der dem Fährmann zwischen den Welten flüsternd ausrichtet „ich weiß genau ich muss geh’n“, der sich Schlaflieder vorsingen lässt und sich die Flügel an der Sonne verbrennt.
Mitten drin passiert dann noch mal reine Poesie. „Blitschitz“, ein Monolog mit Mundorgel, erinnert entfernt an die humoristischen Morgensternschen oder dadaistischen Schwitterschen Spiele mit der deutschen Sprache. Und siehe da, Wikipedia zitiert Kurt Schwitters mit den Worten „Was Kunst ist, wissen Sie ebenso gut wie ich, es ist nichts weiter als Rhythmus.“ Es bleibt die Frage, wie viel vom Schlagzeuger Snorre Schwarz in die Songs des petit berlinois eingeflossen sind.
Absolut hörenswert ist das alles sowieso. Die persönliche Empfehlung CD – März 2010 Snorre Schwarz – Petit Berlinois Phonector (www.phonector.com) Empfohlen von: Eva Kiltz, Berlin |