Vorweg: die restlichen fünfzehn Stücke des Albums, das der Sänger und Saitenspieler Stefan Stoppok im Duo mit seinem Bassisten Reggie Worthy eingespielt hat, sind keineswegs schlechter als die „Maria“. Es gibt auf der CD Lieder und Strophen, die sich böser und bissiger anhören oder aber zärtlicher; die kritische und politische Statements enthalten oder ironisch, poetisch, utopisch daherkommen. Und einiges klingt einfach nur saukomisch. Also: typisch Stoppok.
Weshalb dann „Hey Maria“ ? Von den Gründen für meine Empfehlung möchte ich wenigstens diese drei nennen:
1) Die Musik. Nach einem kurzen Gitarrenschlag und einem astreinen A-cappella-Intro kommt dieser Zwölftakter gut in Fahrt als „ein Boogie im uptempo-shuffle-groove“, so der Mainzer SWR 1-Bluesredakteur Christian Pfarr. Und dass Stoppok, der Rock`n`Roller unter den einheimischen Liedermachern, einen sehr schönen Blues singt und spielt, ist spätestens seit 1980 bekannt, als seine erste LP (damals noch mit der Stender Band) erschien.
2) Die Story. Uralt und ewig jung, jeder kennt sie: „Hey Maria, mach die Tür auf, mir wird es langsam zu kalt. Maria, mach die Tür auf – und das am besten bald.“ Egal, wie diese nicht ganz symbolfreie und auch nicht ganz hoffnungslose Geschichte ausgeht, sie bleibt realistisch. Wie ja Blues vor allem realistische Unterhaltungsmusik ist – ob lazy oder crazy, ob moody, groovy, funky oder stinkyfingrig. Spannend und entspannend. Aufheller und Absacker.
3) Der Blues mit dem Blues. Bis 1942 sind etwa 10.000 Bluestitel diskografisch erfasst worden, bis 1970 kamen noch mal 15.000 dazu. Und heute, schätzt der Bluesforscher und -publizist Manfred Miller, dürfte es mindestens 100.000 Bluestitel geben. Bisher hat niemand alle Bluestexte klassifiziert. Aber, klar, sind darunter auch melancholische, klagende, selbstmitleidige und traurige. Die traurigste Nummer hierzulande allerdings ist eine Verwechslungsnummer, ist die Gleichsetzung von individuellem oder gesellschaftlichem Befinden mit einer musikalischen Ausdrucksweise, die Gleichsetzung von „den Blues h a b e n “ und „den Blues s p i e l e n / s i n g e n “. Bluesmusik heißt für Manfred Miller „Nicht: Lust am Leiden. Sondern: Lust trotz Leiden“. Also Lust am Leben, let the good times roll!
Zwei ganz frische Beispiele, die auch für die Aktualität des empfohlenen Stoppok-Songs sprechen sollen: „Deutsche Städte und Gemeinden haben den Blues“ – damit hat die ZDF-Moderatorin Silke Petersen (Frontal 21 vom 20.04.2010) vollkommen recht, politisch und sprachlich. Anders ein Moderator im ZDF-Morgenmagazin (20.02.2010), der es im Zusammenhang mit Bluesmusik einfach gespreizt mal so sagt: „Und schon kann es losgehen mit dem g e p f l e g t e n W e l t s c h m e r z.“ Da muss der Moderator irgendetwas verwechselt haben, vielleicht mit einem Vulkan oder Vatikan? Schwere Zeiten würden auf ihn zukommen, sollte der Moderator sich wirklich einmal in ein Blueskonzert verirren und daselbst dann das Übliche erleben: gebeugte, gebrochene Musiker, die sich über die Bühne schleppen zum Heulen und Zähneklappern. Und das Publikum ergeht sich in Wehklagen und Selbstgeißelung. Halt! Dem Moderator kann auch anders und kürzer geholfen werden. Mit einer einzigen Stoppok-Nummer. 2 Minuten 36: „Maria, Maria! Die Chancen für uns sind nicht schlecht – immer noch!“ Persönliche Empfehlung Lied: Stoppok plus Worthy – Hey Maria Auf: Stoppok plus Worthy – Grundblues 2.1 Grundsound (www.la-la-land.de) Empfohlen von: Tom Schroeder, Mainz |