An Peter Rohlands Landstreicher-Balladen und an seine Villon-Gedichts-Vertonungen erinnert mich das Lied „Wohin die Reise geht“ auf der CD Gadje der nordhessischen Gruppe Absinto Orkestra. Es ist eine beschwingte Melodie, die den Hörer beflügelt. Eigentlich ist es „nur“ eine Urlaubsmelodie, nur so auf der Mandoline gezupft, eine Tonleitermelodie, orientalisch, sehr rhythmisch, wohlklingend und eingängig, irgendwie zum Mitmachen, zum Klatschen oder zum Tanzen animierend, aber aufgeputzt arrangiert und dargeboten mit einem vielseitigen Instrumentarium etlicher Gastmusiker.
Der Text macht nachdenklich, weil sich vielerlei hinein interpretieren lässt, auch als Assoziation dazu, was 1958 Peter Rohland als Tippelbruder mit seinen Kumpanen als Musikern bei der legendären Spielfahrt durchs Moseltal erlebte. Und die Melodie entstand tatsächlich zuerst. Denn als das Absinto Orkestra eine Filmmusik für einen Kurzfilm als Selbstdarstellung suchte, besann sich Stefan Ölke, Kopf der Band, auf seine Komposition, und Bassist Hans Bender bastelte den passenden Text dazu, erzählt eine zigeunerische Musikergeschichte mit Metaphern aus dem Alltag, mit ein wenig Sehnsucht gewürzt und stets voll des sicheren Vertrauens und tröstlich: „Wir schaffen es schon!“ Eine Melodie, gleichsam garniert mit einem Text, der die Weisheit, das hinzunehmen, was nicht mehr zu ändern ist, lapidar umschreibt. So ist eben das Leben. Lebenskünstler wollen sie sein – auf der Bühne und im wirklichen Leben –, und sie vermitteln – zweideutig – Lebenstüchtigkeit: „Was einmal Wurst wird nie mehr Schwein“. Persönliche Empfehlung Lied: Absinto Orkestra – Wohin die Reise geht Auf: Absinto Orkestra – Gadje Gadjo Records (www.gadjorecords.com) Empfohlen von: Stephan Rögner, Frankfurt am Main |