Wer hört eigentlich deutschsprachige Lieder? Engländer, Saudis, Polen? Und, wenn nein, warum nicht? Ist doch klar. Die verstehen deutschsprachige Lieder nicht. Aber, Hand aufs Herz, haben Sie einst Bob Dylan, als er kryptisch wurde, Wort für Wort verstanden? Und, haben Sie deshalb nie mehr Bob Dylan gehört? Falls ja, können Sie sich die Zeit sparen, diese Rezension zu lesen. Nichtösterreicher werden nämlich Alex Miksch aus dem niederösterreichischen Waldviertel beim ersten Anhören weit weniger verstehen als den näselnden Amerikaner. Macht nichts. Straße des Hundes ist zuallererst einmal großartige Musik: eine verrauchte Stimme, die an Tom Waits erinnert, und Musiker, die mal nach Blues, Trash, Klezmer oder nach allem zusammen tönen. Da werden Spannungsbögen auf- und Abgebaut, Gitarren kreischen, Bläser stoßen voll ins Horn, nur um gleich wieder ganz locker und leicht weiter zu spielen. Dieser Soundtrack wird verstanden – auch ohne Sprachkenntnisse. Ein Blick ins Beiheft der CD lohnt sich trotzdem. Bei „Esl Boogie“ etwa zeichnet Alex Miksch ein Bild der Bremer Stadtmusikanten, die ihren Kollegen unter ihnen arg zusetzen. Und wenn die Katze zum Tiger wird, ihre Krallen ins Fell des Hundes gräbt und die Gitarre laut miaut, weiß man nicht so recht, ob man da lachen oder weinen soll. Genauso ergeht es einem beim Lied „A schleichenda Prozess“, dieser Weltuntergangsmetapher, unterlegt mit einem schleppenden Blues. Bei aller Dunkelheit sind die Texte und die Musik doch erdig, voller Leben und Poesie. Sie kommen mit einem Augenzwinkern und schwarzem Humor daher. Musik und Text gehen bei Alex Miksch und seiner Band eine starke Verbindung ein. Wer sich Straße des Hundes ein paar Mal anhört, merkt, dass er Alex Miksch plötzlich versteht. Wie war das doch bei Bob Dylan?
Eine der intensivsten und eindringlichsten deutschsprachigen CDs seit langer Zeit.
Die persönliche Empfehlung CD – Juli 2010: Alex Miksch – Straße des Hundes Extraplatte (www.extraplatte.com) Empfohlen von: Martin Steiner, Winterthur |