Heutzutage können alle, so heißt es, auch die Deutschen, den Blues haben. Da gibt es den „November-Blues“, den „Steuer“ oder „Baby-Blues“. Egal, wann immer es schlecht geht, wird ein Wort aus der amerikanischen Umgangssprache zur Beschreibung bemüht. Dabei wissen die Bluesexperten natürlich längst, dass der Blues alles andere als eine traurig-stimmende Musik ist. Alles, was im Leben eine Feier wert sei, das sei der Gegenstand der Bluestexte, sagt die Fachwelt, und diese Erkenntnis muss sich eines Tages auch zu Dieter Kropp rumgesprochen haben. Denn der Sänger und Mundharmonikaspieler, seit 1986 Profi, und nach Jahren des Singens von Trauerliedern in englischer Sprache, etwa „Sittin’ & Crying“, hat seit 2005 auf die deutsche Sprache gesetzt. So bilden die vielfältigen Formen amerikanischer Musik weiterhin den musikalische Hintergrund, aber auf der Textebene hat sich einiges verändert, nicht zuletzt dank der Zusammenarbeit mit Felix Janosa. Und das ist gut so. Denn nun wird – dem Blues ähnlicher als es bescheidene Geister glauben mögen – mit Augenzwinkern, Wortwitz und Ironie, jenseits von bemühten Reimen, zu Werk gegangen. Die Musik ist tanzbar und flott, die Texte ebenso. Sie lassen glücklicherweise jene Schwere und moralinsaure Dumpfheit vermissen, die allzu viele deutschsprachige Produktionen belastet. Wahrlich, eine Feier. Und sich dabei auf eine Augenhöhe mit Produktionen von Götz Alsmann oder Roger Cicero zu stellen, das ist keine geringe Kunst und verdient Lob. Es Dieter Kropp für Schönen Gruß vom Blues auszusprechen, fällt leicht.
Die persönliche Empfehlung CD – August 2010: Fuego (www.fuego.de) Empfohlen von: Harald Justin, Wien |