Nach 365 Liedern und 39 Alben ist der fein zwischen Gefühl und Verstand balancierende Sänger und Schauspieler Klaus Hoffmann immer noch der Poet, der er vor Jahrzehnten schon war, als er vor allem Frauenherzen mit LPs wie Was bleibt? oder Ich will Gesang, will Spiel und Tanz entzückte. Der tief in der Kultur seiner Heimatstadt Berlin verwurzelte Troubadour und Träumer hat sich eine kleine kreative Pause gegönnt – und lässt nun auf sein sehr schönes, stimmungsvolles 2008er Werk Spirit eine neue Liedersammlung folgen.
Das süße Leben ergibt, bei aller stilistischen Volatilität, ein angenehm rundes Ganzes. Da hört man die typischen gefühlvollen Hoffmann-Balladen (anrührend: „In diesem Augenblick“) neben flotten Folkpop-Nummern (in „Frei“ lässt Bob Dylans „Mr. Tambourine Man“ grüßen), das erotisch knisternde „Stiefel aus spanischem Leder“ im Salsagewand oder das kompromisslos engagierte „Bäng Bäng“, das Eindrücke darüber zusammenträgt, wie männliche Jugendliche durch Gewohnheit und Erziehung lernen, Gewalt als Teil ihres Lebens zu akzeptieren – ein Thema, das nicht erst seit dem Amoklauf im schwäbischen Winnenden brennende Aktualität besitzt.
Besonders gut ist Klaus Hoffmann, wenn er Männerbefindlichkeiten mit weiblicher Sensibilität schildert, wenn er für Einsamkeit, Sehnsucht, Glück und Verzweiflung so zarte wie geniale Worte findet. Immer wieder verschmelzen hier Bilder von Stadtlandschaften, die am Auge des Betrachters vorbeiziehen, mit intimen Bekenntnissen („Die Stadt hat heute dein Gesicht“). „Am Tag danach“ schmuggelt Schnappschüsse und Szenen von beendeten Wahlkämpfen (eingesammelte Plakate, ausgewechselte Fahnen, der Kandidat räumt Fehler ein …) zwischen Gedankenfetzen, die von Trennungsschmerz künden. Wie der anhaltende Zauber der Verflossenen sich gegen die Leere behauptet, zeigen sehr schön die folgenden Zeilen: „Am Tag danach / wird von mir nichts mehr übrig sein / als die Erinnerung an dein Lächeln und dein Haar …“ Das ist kein Kitsch, nein, das ist pure Poesie. Und zum „süßen Leben“, das mehr ist als „dolce vita“, gehört bei Klaus Hoffmann ja immer auch die Melancholie. Die persönliche Empfehlung CD – September 2010 Klaus Hoffmann – Das süße Leben Stille Musik/Indigo (www.indigo.de) Empfohlen von: Matthias Inhoffen, Stuttgart |