| Auf: Manfred Maurenbrecher – Glück ( Reptiphon) Mittendrin so ein Lied - mittendrin zwischen diesen knallhart präzisen Zeitgeistanalysen zum Zustand und zur Lage der Nation; mittendrin also und auf der einen Seite zwischen der Geschichte vom Alt-Umstürzler, der fast mal die Welt aus den Angeln hätte heben können und nun tatenlos vorm Edeka-Laden steht und anderen Leuten wie sich selbst beim Untergehen zusieht, und auf der anderen Seite (mit „Hemd auf, Brust raus“) einem Hartz-IV-Beratungsgespräch bei der Arbeitsagentur, wie es schlimmer nicht laufen könnte, mittendrin also zwischen lauter Gelegenheiten zum Bombenschmeißen und Feuerlegen ein einfaches Lied von der Liebe, vom Zusammensein und (mehr noch!) vom Zuhause.
Wenn wir nirgends mehr hin können: wo gehen wir hin? Davon erzählt „Alles hat seine Zeit“, ein Text von nachgerade jenseitiger Klarheit und Schönheit - „Jeder Wunsch will weit hinaus“ weiß das Lied, aber eben auch: „Lösch das Licht, du bist hier zuhaus'“. Das ganze über einen harmonischen Horizont gelegt, der Assoziationen mit noch größeren Meistern der Liedermacherei wecken kann: so einfach und doch im rechten Moment richtig gebrochen und angeschärft schreibt Randy Newman, so schön sentimental setzt Tom Waits Akkord an Akkord. Kleine Überlebenshymnen sind das oft - und dieser chronisch unterschätzte, konsequent jeder Mode sich verweigernde Freigeist aus Berlin, der schon wie aus anderen Zeiten in diese unsere Gegenwart herüber singt und klingt, dieser Maurenbrecher schreibt auch welche. Und hat vielleicht darum so vieles schon überstanden, ohne das eigene Ich zu verlieren.
Haltbare Hochachtung also für einen wirklich bedeutenden Künstler - und Beifall nicht nur, aber auch für dieses schöne Lied. Die persönliche Empfehlung - November 2007 - Lied Manfred Maurenbrecher: Alles hat seine Zeit |