Liederbestenliste


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Spitzenreiter der 
Liederbestenliste

Felix Meyer

Felix Meyer - Zeiten großer Worte
auf: Erste Liebe, letzter Tanz
105 Music (www.105music.com)


CD des Monats


Kai Degenhardt – Näher als sie scheinen
Plattenbau (www.plattenbau.de)

Empfehlung Lied


Gerhard Schöne – Feldpost, Flandern 1914
Auf: Gerhard Schöne – Die Lieder der Briefkästen
Buschfunk (www.buschfunk.com)


Empfehlung CD


Georg Breinschmid – Fire
Preiser Records (www.preiserrecords.at)


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Markus Heiniger – Dichten

Empfohlen von Karl-Heinz Schmieding, Saarbrücken

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Unter Markus Heinigers „Autorenliedern am Piano“ in bern- und baseldeutscher Mundart und in hochdeutscher Sprache ist der Song „Dichten“ ein ironisch-poetisches Kabinettstückchen – ein raffiniertes Spiel mit Worten, genauer: mit Reimwörtern, das musikalisch durch pointierte Blue Notes und Jazz-Akzente am Klavier seine ideale Ergänzung findet. Die Handlung: das „lyrische Ich“, ein in seine Kunst vernarrter Hobby-Poet, weigert sich hartnäckig, seiner Leidenschaft, Gedichte zu schreiben, wenigstens vorübergehend zu entsagen und sich auf Bitten seiner Frau anderen Aufgaben und Pflichten in Ehe und Familie zu widmen. Aber worum seine Ehefrau ihn auch immer bittet und mit welchen Konsequenzen sie ihm letztlich auch immer droht – er bleibt stur bei seinem Feierabenddichter-Leisten und formuliert in seiner poetischen Abwehrstrategie kunstvoll immer neue Reime auf („Ich bin am) Dichten“.

Dies stereotype Statement und der Refrain, mit dem der Poet sich scheinbar einsichtig gibt – „Ja, ja, ich weiß, das geht schon langsam ziemlich weit...“ –, sind für die Angetraute aber wenig tröstlich. Des Reimes und des Reimens wegen bringt er am Ende gar eine der auf den CD-Titel anspielenden knarrenden Fichten zum Stürzen und belegt damit ironisch, dass sein „Dichten auch einmal etwas bewegen kann“. Schließlich schickt der leidenschaftliche Verseschmied seine Frau allein ins Bett und schreibt „bis ins ferne Morgenlicht ... noch ein Gedicht“ mit der entwaffnenden Entschuldigung: „ ... das weite Wörtermeer / überflutet manchmal alles um mich her...“. Dass es da womöglich augenzwinkernd verarbeitete autobiographische Bezüge bei Markus Heiniger gibt, kann man nur vermuten.

Der Schweizer Liedermacher, Jahrgang 1968, ist am Rheinknie in der Nähe von Basel aufgewachsen. Und auf seiner neuen CD spielt er u. a. bravourös den „Rhy-Boogie“ (Rhein-Boogie). Kein Wunder, könnte man scherzhaft sagen, dass er sich daher in einem Lied mit der leitmotivischen Formulierung „Ich bin am Dichten“ grammatikalisch  der „rheinischen Verlaufsform“ bedient. „Rheinische Verlaufsform“ deshalb, weil man die Herkunft dieser grammatischen Variante ursprünglich allein auf die umgangssprachliche Praxis des Kölner und des westfälischen Raums in neuerer Zeit bezog. Experten belegen jedoch: diese Form der Satzkonstruktion ist nicht nur in weiten Teilen Deutschlands, vor allem im Westen, seit langem gebräuchlich, sondern traditionell auch in der Schweiz und findet sich bereits bei Jeremias Gotthelf und anderen Schweizer Autoren des 19. Jahrhunderts. Mag der eine oder andere deutsche Sprachpurist die Formulierung „Ich bin am Dichten“ auch gewöhnungsbedürftig finden –  als „literarische Produktionsbeschreibung“ ist sie sehr präzise und entbehrt nicht einer gewissen ironischen Poesie.

Er habe Berndeutsch mit der Muttermilch eingesogen und Baseldeutsch im Sandkasten gelernt, schreibt Heiniger. Hochdeutsch sei für ihn jedoch „ein Hochseilakt geblieben, erst recht nach dem Besuch der Mainzer Liedermacher-Akademie SAGO“, die übrigens vom Liedermacher-  (besser: Poesie und Musik-)Altmeister Christof Stählin geleitet wird. Für die inspirierende und kritische Begleitung seiner Arbeit dankt Heiniger Stählin ausdrücklich. Dass der Schweizer bei allem Respekt, mit dem er der hochdeutschen Sprache begegnet, aber dennoch perfekt auf diesem „Hochseil“ zu jonglieren versteht, dafür ist das vokal und instrumental virtuos interpretierte Lied „Dichten“ als kleines ironisches Kunstwerk im Jazz-Gewand ein überzeugender Beleg. „Meine Kunst ist nicht scharf, aber geschliffen“ sagt Heinigers Mentor Stählin in seinen Aphorismen zur Kunst. Es scheint, als habe Heiniger diese zentrale Botschaft der Stählinschen Liedermacher-Poetik erfolgreich auch zu seiner eigenen gemacht.

Die persönliche Empfehlung Lied – September 2011
Markus Heiniger – Dichten
Auf: Markus Heiniger – Es knarrt
Eigenverlag (www.m-heiniger.ch)
Empfohlen von Karl-Heinz Schmieding, Saarbrücken


Mehr in 2011:

 Herbert Bartmann – Dat Boot is vull
 Johan Meijer – Frühlingschor
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 Manfred Maurenbrecher – Du kannst es
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 Markus Heiniger – Dichten
 Mirja u Minnig – Mir sy Heude!
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 Sebastian Lohse & die feine Gesellschaft – Das Brunnenlied
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Durch eine Vereinbarung mit dem SWR ist der Verein deutschsprachige Musik e.V. in der Lage, die Liederbestenlisten seit ihrem Entstehen im Oktober 1983 vollständig zu zeigen. Bis Ende August 2003 sind die Wertungen © SWR Baden-Baden -
seit September 2003 © Verein deutschsprachige Musik e.V.


Nächste Termine:
 Bonn, 19.05.2012, 20:00 Uhr, Pantheon-Casino: UTA KÖBERNICK - SonnenScheinWelt  
 Garbsen (Hannover), 27.05.2012, 15:00 Uhr, Stadtpark Garbsen - Mitte: Zaches & Zinnober: Konzert am Herd  
 Berlin, 30.05.2012, 02:05 Uhr, Deutschlandradio Kultur: Liederbestenliste - Konzertmitschnitt vom Festival Musik und Politik  
 Bonn, 30.05.2012, 20:00 Uhr, Pantheon: SIMON & JAN - Der letzte Schrei!  
 Oldenburg, 03.06.2012: Zaches & Zinnober: Konzert am Herd  
 ByteFM, 03.06.2012, 23:00 Uhr, Liederbestenliste im Folker Mixtape auf ByteFM: Liederbestenliste im Folker Mixtape auf ByteFM  
 07.06.2012, 20:00 Uhr, Pantheon: Geschwister Pfister - Servus Peter - Oh lá lá Mireille  
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