Die persönliche Empfehlung - November 2007 erschienen bei "pläne"
Da inzwischen insgesamt sieben seiner älteren LPs - Rechteinhaberin ist die Firma Universal - trotz anhaltender Nachfrage vom Markt genommen wurden, hat sich Hannes Wader kurzerhand entschlossen, ein Album mit 20 neu arrangierten Songs aus der Zeit von 1974 bis 1991 neu aufzunehmen. Allein fünf der neu produzierten Titel stammen von der 1989 veröffentlichten LP Nach Hamburg, nach Waders eigener Einschätzung eines seiner „besten Alben“. Weitere Schwerpunkte: vier Songs vom Album Nie mehr zurück von 1991 und mehrere Titel von seinen Volks- und Arbeiterlieder-LPs. Darunter sind auch eine Reihe von Songs, die Wader eigentlich immer schon neu einsingen wollte. Er gibt freimütig zu, ohne sich dabei von seinen alten Aufnahmen zu distanzieren, dass er mit neuen Liedern den Plattenproduktionszwängen gehorchend häufig zu früh ins Studio gegangen sei. Ein neuer Song „sitze“ nach seiner Erfahrung aber erst dann richtig, wenn er ihn vierzig bis fünfzig Mal auf der Bühne vorgetragen habe. Beste Voraussetzungen also für die Neuaufnahme der alten Bekannten (Tontechnik und Co-Produktion: Ben Ahrens) mit neuen und, wie ich finde, sehr gelungenen Arrangements . E i n e n „neuen“ Titel gibt es allerdings auf dieser CD: Hannes Wader in französischer Sprache mit der von Reinhard Mey vor 40 Jahren ins Französische übertragenen Version des Lieds „Begegnung“ („Rencontre“) von Waders erster LP.
Das große Plus dieser außergewöhnlichen neuen CD ist die exzellente, glänzend auf Wader eingestellte achtköpfige Begleitband. Sie trägt wesentlich dazu bei, dass jene altbekannten Songs, mit deren Originalfassung Wader nicht ganz zufrieden war, nun eine völlig neue Dynamik bekommen. Die Band bildet vor allem ein starkes rhythmisches Fundament, auf dem sich der Gesangs- und Gitarrensolist offensichtlich sehr wohl fühlt. Hier ist von dem, was er im Gespräch mit Ralf Krämer einmal beklagt hat, er spiele auf seinen alten Platten „alles zu überhastet“, nichts mehr zu spüren. Wir erleben auf dieser CD einen sehr souveränen und gelassenen Hannes Wader, dessen Songs in der Tat im von ihm angestrebten „ruhigen und starken Tempo (zu) grooven“ scheinen. Und so wundert es nicht, dass er wieder einmal bedauert, „außerhalb des Studios ein Einzelgänger zu sein“.
Bezogen auf das Neuarrangement des Einzeltitels „Folgenlos“ möchte ich sogar sagen: es ist der „rockigste“ Hannes Wader, den ich je gehört habe. Wader-Puristen können aber ganz beruhigt sein: abgesehen davon, dass bei einigen Titeln (z. B. „Traumtänzer“), gemessen an früheren Aufnahmen, die ungewohnte Prägnanz des Schlagzeugs den „Beat“ deutlicher markiert (und den Songs damit eine ganz neue Energie gibt), sind grundlegende formale Änderungen, wie etwa der überraschende, aber reizvolle neue Rhythmus bei „Mit Eva auf dem Eis“, eher die Ausnahme. Die Arrangements sind bewusst so konzipiert, dass das Klangbild der ja teilweise ebenfalls schon reich instrumentierten Originalfassungen (z. B. bei „Nach Hamburg“) trotz der beschriebenen Änderungen respektiert bleibt. Dennoch vermitteln sie, nicht zuletzt aufgrund ihrer festen rhythmischen Struktur, den Eindruck wesentlich größerer musikalischer Intensität. Das gilt für Songs wie „Capuccino 2“ ebenso wie etwa für „Es ist schon viele Jahre her“ (von Der Rattenfänger), wobei sich ihr Autor dank seiner heute abgeklärteren Weltsicht die Freiheit genommen hat, hier jeweils kleine, aber wichtige Textänderungen vorzunehmen. Ebenso überzeugend auch die einfühlsamen Neuaufnahmen der Lieder im Volkston wie z.B. „Der König von Preußen“, „Die Moorsoldaten“, „Mamita mia“ oder „Wilde Schwäne“.
Die CD Neue Bekannte schließt mit der Neuproduktion des ironisch-sarkastischen Lieds „Schön ist das Alter“. Es scheint fast so, als habe sich der Musiker Hannes Wader, der in diesem Jahr 65 Jahre alt geworden ist, vorgenommen, dieses „Motto“ ernst zu nehmen - so heiter-entspannt präsentiert er sich zusammen mit seinen musikalischen Mitstreitern auf diesem sehr empfehlenswerten Album. |