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Wenzel: Glaubt nie, was ich singe

Empfohlen von Holger Beythien, Berlin

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Die persönliche Empfehlung - Oktober 2007
erschienen bei Conträr


Als ich den Titel von Wenzels neuem Album las, fiel mir sofort ein ähnlicher von Heinz Rudolf Kunze ein. 1984 sang der: „Glaubt keinem Sänger, ist meine erste und letzte Parole. Glaubt keinem Sänger, schlachtet die Idole.“ Und ich hatte zunächst erwartet, Wenzels „Glaubt nie, was ich singe“ würde ähnlich provokant und radikal werden. Ein Irrtum. „Die Melancholie zieht den Firnisglanz über die hölzernen Dinge, und wiegen versunken wir uns im Tanz, dann glaubt nie, was ich euch singe.“ So heisst es bei Wenzel. Und das ist weder provokant, noch radikal. Das ist Poesie pur und dabei so kraftvoll.

Ich könnte dutzendweise Strophen aus Wenzels neuem Album zitieren, die mich in eben solchen Bildern stark berühren. Selbst der Mühsam-Text („An dem kleinen Himmel meiner Liebe“) fügt sich nahtlos ein: Wenn man nicht wüsste, dass Wenzel hier ein Gedicht Erich Mühsams vertont hat, man könnte meinen, es sei ein Wenzel-Text - zumal Mühsam in seinem Gedicht als Ich-Erzähler ebenso auftritt wie Wenzel in seinen meisten Texten und Theodor Kramer, dessen Gedichte Wenzel 2006 („Vier Uhr früh“) so wunderbar vertont hat.

So sind denn für mich die Lieder der neuen CD eine konsequente Fortsetzung jener einfühlsamen wie originellen Kramer-Vertonungen, allerdings (endlich!) wieder mit eigenen, mit Wenzel-Texten. Und die erzählen von ihm. Allerdings: Ob es tatsächlich immer Wenzel ist, der da träumt, trauert oder tanzt, soll und muss man nicht hinterfragen, denn: siehe Albumtitel. Entscheidend ist, dass uns Wenzel - der intelligente und brillante Formulierer - Geschichten erzählt, Bestandsaufnahmen von Befindlichkeiten, die in ihrer sympathischen, lebensbejahenden Grundstimmung eher ins Philosophische abgleiten als je ins banal Alltägliche. Mit zupackender Heiterkeit und nachsinnender Reflexion formt er seine Texte, die er so verständlich artikuliert, dass man sie - ohne mitzulesen(!) - tatsächlich versteht.

Dabei korrespondieren Text, Musik, Gesang und musikalische Anmutung so wunderbar - wann hab’ ich das in dieser Perfektion in der deutschen Liederszene das letzte Mal gehört?

Musikalisch zeigt sich Wenzel auf „Glaubt nie, was ich singe“ erneut als Melodienerfinder und Arrangeur der unaufgeregten Art. Einfach strukturiert, aber nie trivial. An Folk und Volkslied orientiert und dabei voller Überraschungen. Vor allem in den stimmigen Arrangements, bei deren Umsetzung er auf exzellente Musiker setzen kann. Gerade die sparsam, dafür aber um so wirksamer eingesetzten Bläser und Streicher, das prägnante Schlagzeug, aber auch die Backgroundstimmen (Töchterchen Mascha ist auch zu hören!) und die oft im Vordergrund agierenden E-Gitarren stützen die Lieder Wenzels - sie decken sie genausowenig zu wie die überzeugenden Ausflüge in rockige, moderne Gefilde der aktuellen Deutschpopszene.

Wenzels neues Album rundum zu empfehlen ist mir eine große Freude. Gerade jenen, die meinen, nach der „Ära Wader-Wecker-Mey“ würde in der deutschen Liederszene nichts mehr kommen hierzulande, sei es ans Herz gelegt. Anders als Wader, Wecker und Mey - Wenzel eben, dem ich gern glaube, auch wenn ich’s eigentlich nicht soll ... .


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Durch eine Vereinbarung mit dem SWR ist der Verein deutschsprachige Musik e.V. in der Lage, die Liederbestenlisten seit ihrem Entstehen im Oktober 1983 vollständig zu zeigen. Bis Ende August 2003 sind die Wertungen © SWR Baden-Baden -
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