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Stoppok plus Worthy: Zeit für ein Wunder

Stoppok plus Worthy: Zeit für ein Wunder
CD: Grundblues 2.1
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Wecker & Wader – Kein Ende in Sicht
Sturm & Klang (www.wecker.de)




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Felix Meyer – Die Corrida
Auf: Felix Meyer – Von Engeln und Schweinen
Hopla (www.hopla-reloaded.com)



Empfehlung CD


Klaus Hoffmann – Das süße Leben
Stille Musik/Indigo (www.indigo.de)

Förderpreisträgerin 2008 der Liederbestenliste: Dota Kehr

Donnerstag 09 Oktober 2008

Aus der Begründung der Förderpreisjury für das Liederfest 2008:
„Dota Kehr ist eine ungewöhnliche Liedermacherin. Ungewöhnlich ist sie, weil ihre Texte betroffen machen und weil sie aus der Perspektive einer jungen Frau in einer Welt vieler Liedermacher und nur weniger Liedermacherinnen geschrieben wurden. Ungewöhnlich ist auch ihre Musik: Sie basiert auf Rhythmen wie der Bossa Nova, kommt fast ein wenig lakonisch, minimalistisch und ungewohnt locker daher.“

Eine Würdigung von Christof Stählin*

Wenn in einer Wohngemeinschaftsküche in Deutschland eine CD oder eine davon überspielte Kassette erklingt und jemand von den Gästen fragt, wo man das kriegen könne, dann sind es vielleicht die Lieder von Dota Kehr. Wie bei einem Flussdelta speist sich ihre Kunst in vielen solchen Rinnsalen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit ein. Je weniger diese Lieder an die großen Kanäle der Vermarktung angeschlossen sind, desto mehr hat sie jeder für sich selbst entdeckt. Dota mag die Leute, für die sie singt, und wo sie hinkommt, bekommt sie das wieder zu spüren. Im Voraus berechnet hat das niemand.

Ich war bei einem ihrer Auftritte in Kreuzberg, wo ein blutjunges Publikum lange vor Beginn auf der Straße Schlange stand, bevor es drinnen zu fünfhundert seine Künstlerin feierte. Nie vergesse ich, wie an einer bestimmten Stelle der ganze Saal halblaut mitsang. Der Text hieß: „Guten Tag, in welcher Zielgruppe sind Sie?“ Keine Aggression war im Ton dieses verhaltenen Chors, vielmehr ein profunder heiterer Spott, der sich seiner selbst gar nicht bewusst war. Hier sang eine Gruppe, auf die niemand gezielt und die sich eben dadurch gebildet hatte.

„Kleingeldprinzessin“ ist Dotas künstlerischer Beiname, er stammt noch aus ihrer Zeit als Straßenmusikerin. „Dota und die Stadtpiraten“ heißt ihre Gruppe, und da ist es vor allem der fabelhafte Gitarrist Jan Rohrbach, der den Passat wehen lässt, treuer Steuermann an der Seite der Kapitänin bei wechselnder Mannschaft an Keyboards, Schagzeug und Bass.

Dota hat sich musikalische Wurzeln in Brasilien gezogen. Sie ist in Berlin aufgewachsen, hatte aber schon früh Kontakt mit Südamerika durch einen Betreuer für sie und ihre drei Geschwister, der aus Brasilien stammte und für die kleine Dota nebenbei auch den ersten Kontakt mit der Sprache seines Landes bedeutete. In späteren Jahren war sie verschiedene Male drüben und hat mit dortigen Sängern und Instrumentalisten musiziert, was ihren Melodien und ihrem Gesangsstil einen ungekünstelten Hauch von lässiger Melancholie beibrachte. Die Bossaklänge ihrer Gitarre suchen ihresgleichen in der deutschen Liedlandschaft, ebenso der Zusammenklang von allem, Text, Melodie, Rhythmus und dem Unbenennbaren in der Stimme, in dem das Wesen einer Sängerin oder eines Sängers wie in einem Fingerabdruck zum Vorschein kommt. Sie singt drucklos und gleichsam nebenbei, nichts schrillt da oder röhrt, es ist wie eine Fortsetzung des Sprechens mit anderen Mitteln. Und doch kann sie einen Saal in Schwingung versetzen, als wären sie durch viel schubkräftigere Impulse hervorgerufen.

Vordergründig ist es immer der Text mit seiner Botschaft, der die Wirkung eines Liedes ausmacht, hintergründig ist es die gesamte Atmosphäre mit Text und Musik, Bühne und Publikum, aus dem einzelne und keineswegs gleichgültige Textteile ins Bewusstsein ragen, wie bei Dota der von der Zielgruppe.

Wäre ein Lied ein Segelboot, so wäre der Text die Fracht und der Wind würde die Musik dazu machen. Schwer mit Bedeutung befrachtet, wäre es schwer zu navigieren. Dotas Lieder gleiten leicht dahin, denn die Fracht ist leicht. Aber kostbar, und darunter sind bei Weitem keine Untiefen. Die Schwäne auf einem Berliner Kanal, die Boote, die Leute, die Jahreszeit und das Gefühl, hier zu Hause zu sein, mehr ist es nicht in einem der Lieder, aber es tut sich eine ganze Welt dabei auf: die Welt, die man auch kennt und wie man sie auch sieht, insofern man sie mag. Oder die Lichter, die in einem leeren Zimmer spielen, aus dem eine Frau, die darin auf einem Koffer sitzt, im Begriff ist auszuziehen. Das ist ein Ausschnitt aus der Welt, in dem auch das nicht verschwiegen ist, was gar nicht darin enthalten ist. Viel von diesen Texten geht in den Klang ihrer Lieder ein und kommt indirekt daraus wieder zurück, ohne dass etwas verloren ginge.

Dota hat Medizin studiert und wird in diesem Herbst damit fertig. Sie hat mir einmal erzählt, wie sie die Fingernägel, die sie zum Gitarrespielen braucht, bei der Untersuchung von Patienten stören können. Das ist ein Sinnbild für den Widerstreit zwischen Kunst und Beruf, wenn das zweierlei ist. Ansonsten aber brauchen sich Musik und Medizin keineswegs zu streiten, weil eines im anderen präsent sein kann. Zwar ist ein Publikum kein Patient, aber die Zuwendung eines Arztes oder einer Ärztin kann wie Musik wirken und Musik kann Wege finden, heilsam zu sein, weil sie gut ist und also keine andere Wirkung haben kann als eine gute. Die deutsche Ärzteschaft sollte nicht allzu traurig sein, wenn sie Dota an unsere Kunst abtreten muss. Vielleicht spielt sie ja hin und wieder auch einmal in einem Krankenhaus.

* Wie viele andere junge Musikerinnen und Musiker hat Dota Kehr an einem Seminar von Christof Stählins Liedermacherschule SAGO teilgenommen

www.kleingeldprinzessin.de

Vorabdruck aus
Folker! – Das Magazin für Folk, Lied und Weltmusik
Heft 6/08 – November/Dezember
www.folker.de

 


 


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